Bereits auf der Leipziger Buchmesse hatten wir die Chance mit Kamineo ein Interview durchführen zu dürfen. Be aware und lernt, wie man quasi rückwärts in einen Verlag stolpert!

Ihre Bände zu BE AWARE und Alpha² könnt ihr hier kaufen. Lupus in Fabula hingegen gibt es bei Carlsen oder beim Händler eures Vertrauens. Vorab gibt es jedoch auch ein paar Leseproben, die ihr euch ansehen könnt.

Entsprechend hervorgehoben findet ihr unsere Fragen und darunter dann jeweils die passende Antwort von Kamineo. Wir hoffen die Fragen findet ihr alle genauso interessant, wie wir diese empfunden haben.

Japaniac: Erst mal ein leichter Einstieg. Wie bist du denn zum Zeichnen gekommen und seit wann zeichnest du schon?

Im Grunde habe ich schon immer gezeichnet. Vom Kleinkindalter an bzw. eigentlich schon seit ich einen Stift halten kann. Gezeichnet habe ich wohl schon bevor ich überhaupt richtig schreiben konnte. Und über die Jahrzehnte bin ich eben dabei geblieben. So hat sich das alles ungefähr entwickelt.

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© kamineo

Japaniac: Hast du selbst von Anfang an gemerkt, dass du gut im Zeichnen bist oder haben dich andere darauf aufmerksam gemacht?

Was die eigenen Fähigkeiten anbelangt ist man sich ja oft nicht sicher. Ich würde wahrscheinlich nie von mir behaupten, dass ich gut bin. Vor allem, wenn ich daran denke, dass andere so viel besser sind, weil sie mehr Power, Erfahrungen oder andere coole Ideen haben. Aber das spornt einen wiederum auch selbst enorm an.

Wenn ich andere Zeichner sehe, die coole Sachen machen, dann spornt mich es auch an mehr Energie in meine Projekte zu stecken. Leute, die von sich selbst behaupten sie wären die Größten und Besten sind es meist nicht unbedingt. Bescheidenheit ist eine Tugend.

Japaniac: War es denn schon immer dein Traum Manga zu zeichnen oder ist das erst zu einem späteren Zeitpunkt ins Blickfeld gerückt?

Komischerweise gar nicht, ich wollte eigentlich nie Manga zeichnen. Das kam erst durch eine Freundin von mir. Sie sagte, dass sie da eine Story hätte, die sie gerne drucken oder hochladen möchte. Sie hat dann so lange auf mich eingeredet, bis ich Ja gesagt habe. Auch sie war es, die es dann später bei einem Verlag eingereicht hat. Und seitdem bin ich beim Zeichnen von Manga hängen geblieben und mache das eben immer noch. Aber mittlerweile macht mir das auch unglaublich viel Spaß, weshalb ich auch dabei bleibe. Unverhofft kommt oft!

Japaniac: Ein Alias benutzen ja doch recht viele Künstler. Hat dein Name Kamineo eine spezielle Bedeutung oder was verbirgt sich dahinter?

Leider hat es überhaupt keine besondere Bedeutung. Ich finde das so schade, denn ich würde echt gerne eine gute Story dazu erzählen, aber es gibt einfach keine. Der Name kam vor ca. 20 Jahren zustande. Da haben wir beschlossen, dass ich einen Künstlername benötige. Dafür haben wir willkürlich Silben aus Charakternamen genommen und diese dann zusammengewürfelt. Da kam dann der Name Kamineo bei raus. Ich finde es richtig schlimm, weil mich der Name doch schon so lange begleitet, aber den Namen legt man nicht einfach ab nur weil er Humbug ist.

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© kamineo

Japaniac: Anhand von Lupus in Fabula und Alpha² lässt sich klar das Genre Boys Love abgrenzen. Ist dies auch dein Lieblingsgenre oder hat es einen Grund, wieso du bei beiden Manga dieses Genre verwendest?

Das ist schwer zu sagen, aber wenn ich vom Zeichnen ausgehe, dann ist es definitiv eines meiner Lieblingsgenre. Lesen tue ich BL komischerweise überhaupt nicht mehr oder nur noch ganz selten. Das Genre Criminal, wie bei Lupus in Fabula, ist eher etwas, dass ich selbst konsumiere, denn das reizt mein Interesse mehr. Das Genre BL mag ich natürlich recht gerne, aber ich bin inzwischen wohl etwas daraus herausgewachsen.

Ich habe mehr Ansprüche entwickelt, was das Genre angeht: Es darf nämlich keine zuckersüße Romanze sein, die Charakter sollten ausgereift und erwachsen sein und es muss eine richtige Handlung vorhanden sein. Zeichnungen sind da komischerweise schon gar nicht mehr so wichtig. Ich brauche im Manga einfach Substanz und nicht nur zwei Kerle, die sich kennen lernen. Das reizt mich nicht.

Japaniac: Einen Manga zu kreieren kann ja erst recht ziemlich zeitaufwändig sein, wenn man keine Hilfe hat. Arbeitest du an deinen Manga komplett alleine?

Mittlerweile ja. Bei Alpha² hatte ich eine Autorin, die die Story geschrieben bzw. mit geschrieben hat. Seitdem habe ich alles von Anfang bis Ende komplett alleine gemacht. Nur beim Zeichnen habe ich noch Assistenten, die mir beim Rastern unter die Arme greifen. Aber sonst mache ich alles selber.

Japaniac: Steckst du mehr Zeit in deine Handlung oder die Zeichnungen?

Das ist schwierig zu sagen. Es kommt darauf an um welche Story es sich handelt. Bei Lupus in Fabula war es ziemlich ausgeglichen. Da habe ich viel Arbeit in die Zeichnungen und die Story gesteckt. Bei meinen kleinen Manga, die ich selbst herausbringe, geht das schneller, da die Handlung nicht so tiefgründig und lang sein muss. Wenn man es genau nimmt sind diese relativ oberflächlich und da geht die Planungsphase eben recht schnell.

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© kamineo

Japaniac: Viele Mangaka verzichten bewusst auf ihren Schlaf, um die eigenen Projekt voranzutreiben. Wie sieht das bei dir aus?

Ich brauche meinen Schlaf, sonst will mit mir niemand mehr etwas zu tun haben. Ich habe ungefähr ein Wochenpensum von 10 bis 20 Seiten und das stellt eigentlich kein Problem dar. Es kommt natürlich auch darauf an, wie viel Druck ich in diesem Moment habe. Die kleinen Bände mit 60-70 Seiten habe ich in drei Monaten komplett durchgezeichnet.

Die einzelnen Bände zu Lupus in Fabula hingegen waren mit fast je 200 Seiten nach 6 Monaten abgeschlossen. Das war dann doch eine ganz schöne Hausnummer, aber dennoch machbar ohne an Schlaf einzubüßen. Das ist eben auch durch meinen normalen Job mein Limit. Anders würde ich es aber auch nicht wollen, da dann einfach zu viel Stress aufkommt.

Japaniac: Gerade das Übernatürliche in Lupus in Fabula bedarf bestimmt einiger Recherche. Worauf basieren deine Recherchen bzw. von woher holst du dir die Ideen?

Im Grunde gibt es viele Serien mit den typischen Eckdaten: Eisen gegen Feen, Tageslicht gegen Vampire usw. All dieses basiert auf alten Mythen und Folklore, die viele Künstler als Referenzen heranziehen. Ich habe dazu ziemlich viele Bücher aus denen ich mir die Informationen ziehe. Ich bin ein kleiner Freak, was uralte Geschichten, Sagen und Mythologie angeht.

Im Weiteren habe ich mir dann die Dinge ausgesucht, welche ich übernehmen will und welche ich lieber bleiben lasse. Alles, was mit Weihwasser zu tun hatte, habe ich von Grund auf gestrichen, da es für mich zu wenig Sinn macht. Um etwas in einer Story zu verwenden, muss ich es auch erklären können, denn wenn es komplett unlogisch ist, dann kann ich mich nicht davon überzeugen.

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© kamineo

Japaniac: Ein ähnlicher Charakter wie J kam dem einen oder anderen vom Aussehen her vielleicht schon mal unter. Hattest du für ihn eine Vorlage?

J stellt sowohl optisch, als auch charakterlich ein absolutes Klischeebild dar und genau damit spiele ich auch im Manga. Ich wollte, dass man ihn ansieht ohne etwas vorher von ihm gelesen zu haben und sich so ein Bild von ihm macht. Das wäre ein stattlicher Mann mit dunklem Hauttyp, Bart und groß gebaut.

Es war also absolute Absicht, dass J eine gewisse Ähnlichkeit mit Charakteren aus anderen Serien aufweist. Bei J verhält es sich aber dann so, dass sein Charakter das komplette Gegenteil zu seinem Aussehen ist, denn er hat einen ziemlich weichen Kern.

Japaniac: Findest du, dass sich dein Stil im Laufe der Zeit verändert hat? Wenn ja, würdest du sagen es ist eher positiv oder findest du etwas an deinen früheren Manga besser?

Ich finde meinen jetzigen Stil eindeutig besser. Man merkt den Unterschied nicht unbedingt inhaltlich, aber die Zeichnungen unterscheiden sich doch an manchen Stellen ziemlich deutlich. Wenn ich mir meine älteren Manga ansehe, dann möchte ich sie im gleichen Moment auch wieder weglegen. Ab und an kann ich nicht mehr nachvollziehen, was ich mit den Proportionen gemacht habe und auch anderes kommt mir leicht blödsinnig vor.

Mein Stil lehnt etwas ins Comichafte und entfernt sich vom klassischen Manga. Davon gehen ich eben immer weiter weg, denn ich bin schließlich keine Japanerin. Durch das Comichafte haben die Leser weniger Assoziationen mit einem klassischen Manga und vergleichen das auch nicht miteinander. Ich ziehe mein eigenes Ding durch und bin damit relativ zufrieden. Ganz zufrieden werde ich nie sein, aber das ist auch ganz gut so, denn so entwickle ich mich ständig weiter.

Japaniac: Hat es während deiner Karriere schon Schwierigkeiten für dich gegeben?

Außer Zeit? Zeit ist ein rares Gut und ich habe noch immer so viele Ideen im Kopf. Wenn ich dann aber in den Kalender sehe, dann weiß ich nicht, wann ich was unterbekommen soll. Für jede Messe würde ich am liebsten etwas anderes mitbringen und dann noch eine neue Reihe mit 10 Bänden oder so starten. Viel zu viel also, das man gar nicht unterbringen kann. Vor allem kommen einem die Ideen dann, wenn  man eh schon bis zum Hals in Arbeit steckt.

Lupus In Fabula 2
LUPUS IN FABULA vol. 2 © KAMINEO/Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2016

Japaniac: Um seine Karriere voranzutreiben braucht man immer wieder neue Ideen. Arbeitest du schon an einem neuen Projekt? Wird Lupus in Fabula noch weiter gehen?

Indirekt. Fast alles, was ich gemacht habe oder machen werde hängt in einem Universum zusammen. Da will ich eben eine neue Reihe, oder vielleicht sogar mehrere machen, die ein Teil davon sind. Nicht unbedingt mit den gleichen Charakteren und es soll dann sozusagen einen anderen Stoy-Arc behandeln.

Auf der Zeitachse sind die eben dann zur gleichen Zeit angesetzt, aber man muss nicht alles gelesen haben, um es zu verstehen. Wenn man aber alles liest kann man Hintergrundwissen mitnehmen und kann Dinge entdecken, die man sonst übersehen würde, aber auch nicht unbedingt nötig sind. Damit können ganz witzige Sachen angestellt werden.

Japaniac: Wie lange hat es gedauert bis eines deiner Manuskripte abgenommen wurde bzw. bis ein Verlag deinen Manga verlegt hat?

Ich bin da etwas rückwärts reingestolpert, denn ich hatte mich nie bei einem Verlag beworben. Wie ich vorhin sagte, hat mich eine Freundin zum Schwarzen Turm gebracht und dort war Alpha² so schnell ausverkauft, dass sich Carlsen dachte mit einzusteigen und einen Band herzustellen. Also sind sie zu mir gekommen und nicht anders herum.

Als dieses Projekt dann um war und gut lief, haben sie mich gefragt was ich denn als nächstes geplant hätte. So hat sich das dann ergeben. Von alleine wäre ich nie auf die Idee gekommen mich zu bewerben. Es kam zwar ein bisschen unvorbereitet, aber hat ja zum gut Glück geklappt.

Japaniac: Danke schon mal an die Freundin! Was war bisher deine größte Freude oder Bestätigung, die du bisher für deine Werke bekommen hast?

Gerade auf Conventions und Messen merke ich es immer wieder, wenn die Leser zu mir kommen und mir erzählen, wie sie meinen Manga fanden, was ihnen gefallen hat oder wie sie es selbst inspiriert hat. Ein paar haben mir erzählt, dass sie sogar dazu cosplayen und selbst mit meinen Charakteren spielen. Das finde ich so cool. Außerdem ist es das beste Feedback, das man bekommen kann.

Lupus In Fabula 1
LUPUS IN FABULA © KAMINEO/Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2016

Japaniac: Hilft dir Feedback denn auch weiter? Kannst du das so umsetzen oder dann deine eigenen Werke kritisch betrachten?

Grundsätzlich hilft es immer, aber man kann nicht unbedingt darauf reagieren. Gerade wenn Leser bemängeln, dass die Handlung zu kompliziert war oder sie nicht mitgekommen sind wegen der vielen Handlungsstränge. Da konnte ich nicht mehr darauf reagieren, weil die Storyline für die anderen Bände schon stand. Trotz dessen habe ich dann Side-Arcs herausgenommen, um es nicht noch komplizierter zu machen, aber an sich konnte ich da nicht mehr viel ändern.

Bei kleineren Anliegen hingegen kann man gut reagieren. Auch was sich die Leser in Zukunft wünschen oder welche Charaktere besonders gut ankommen, kann man dann sehr gut berücksichtigen. Bei den Zeichnungen geht das auch immer recht gut, da an diesen zuletzt im Band gearbeitet wird. Diese Hilfestellung kommt aber meist eher von Zeichnerkollegen statt von Fans.

Selbst wenn ich etwas nicht mehr verändern kann, so behalte ich es für meine zukünftigen Projekte im Hinterkopf.

Japaniac: Nun sind wir schon wieder am Ende angelangt. Gibt es etwas, dass du dir selbst für die Zukunft wünschst oder dir vorstellst?

Ich hoffe, dass ich zukünftig gute Projekte auf die Beine stellen kann, die viele Leser begeistern und ansprechen. Außerdem hoffe ich auch zeitlich gut damit voranzukommen und es nicht ewig und drei Tage dauert, bis ich damit anfangen kann.

Ebenfalls wünsche ich mir, dass es die Leser inspiriert! Sie müssen nicht unbedingt anfangen einen Manga oder Comic zu zeichnen, sondern etwas machen, dass ihnen Freude bereitet. Sei es nun Fanfiction, Rollenspiele, eigene Geschichten oder Ähnliches. Es freut mich einfach ungemein, wenn ich da einen Spark übertragen kann.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Kamineo für das interessante Interview. Falls ihr nun neugierig seid, was ihre Werke anbelangt, dann stattet ihr einen Besuch auf Facebook oder Twitter ab.

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