Regenpuppen bzw. Teru Teru Bozu sind seit Jahrhunderten in Japan als Tradition zur Beeinflussung des Wetters bekannt. Doch was hat es damit auf sich?

„Iss dein Essen, sonst gibt es morgen Regen“ oder „Zieh nicht so ein Gesicht, sonst gibt es sieben Tage Regenwetter“ sind Redewendungen, die wohl jedes Kind in Deutschland einmal gehört hat. Auch in Japan gibt es einen Aberglauben, der das Wetter beeinflussen soll. Dieser wird dort mit kleinen Regenpuppen, den Teru Teru Bozu verkörpert. Teru Teru Bozu (てるてる坊主) bedeutet hier einfach „Scheine, scheine, Mönch!“.

Der Kult um die Teru Teru Bozu ist für Kinder ein beliebtes Spiel. Man bastelt eine Puppe aus Servietten o.ä., Wolle und einem Band und hängt diese mit einem Faden an ein Fenster, eine Dachkante oder gar den Regenschirm. Am besten macht man das einen Tag bevor ein großes Ereignis ansteht, an dem es auf keinen Fall regnen darf! Die Regenpuppen sollen nämlich dafür sorgen, dass das Wetter am nächsten Tag sonnig wird. Und manchmal klappt das auch.

Ursprung der Teru Teru Bozu

gezeichnet von Toriyama Seiken
gezeichnet von Toriyama Seiken

Wie viele Traditionen in Japan hat auch diese einen religiösen Ursprung. Diese Legende ist in der Edo-Zeit zwischen 1603 bis 1868 angesiedelt. Doch was einige Japaner heutzutage gar nicht mehr wissen, ist, dass der Sonne bringende Mönch eigentlich eine Gattung der Yokai, also den mythologischen Kreaturen ist. Diese heißt ursprünglich Hiyoribo (日和坊) und soll in den Bergen Hitachi-no-kunis leben. Das entspricht in etwa der Chiba-Präfektur. Diese Hiyoribo lieben die Sommerzeit und sind während des Regenwetters nicht sichtbar. Wenn sie also auftauchen, bringen sie quasi gutes Wetter mit.

Kinder beten also zu den Mönchswesen, damit diese gutes Wetter mitbringen. Im Westen Japans ist noch immer die Bezeichnung Hiyoribo üblich, sodass dort auch der Ursprung eher bekannt ist. Viele andere Japaner wissen nicht die eigentliche Bedeutung.

Die Sonnenpuppe als Pendant

Farmer nutzen die Puppen auch, aber für und nicht gegen den Regen. Dies geschieht eher in den Sommermonaten, in denen viel Wasser verdunstet und die Farmer oftmals auf Regen hoffen müssen. Dabei wird die Regenpuppe einfach auf den Kopf gestellt. Diese relativ einfallslose Gegenpuppe nennen sie dann Fure Fure Bozu oder Ame Ame Bozu, was beides „Regne, regne, Mönch!“ bedeutet.

Die Tradition der kleinen Regenpuppen

Wie bereits erwähnt, wir eine Teru Teru Bozu immer einen Tag vor einem Ereignis

Gesicht aus Hiragana „he“, „mo“, „no“ und „shi“
Gesicht aus Hiragana „he“, „mo“, „no“ und „shi“

aufgehängt. Meist ist das ein Sportfest, ein lokales Matsuri (Stadtfest) oder sonstige Ereignisse. Dabei wird die Puppe entweder wird die Puppe dann ganz weiß gelassen oder bemalt. Hierbei ist die Tradition des Daruma wiederzufinden. Das Gesicht wird auf den Kopf gemalt, aber eines der Augen ausgelassen. Wenn das Wetter tatsächlich sonnig wird, malt man das andere Auge aus. Andere Traditionen sagen sogar, dass man das ganze Gesicht erst anmalt, wenn das Wetter gut wird. Das traditionelle Gesicht wird übrigens in Hiragana gezeichnet.

Falls das Wetter nicht wie erhofft aufklart, kann man der Puppe entweder den Kopf abschneiden und sie dann wegwerfen oder man lässt sie ganz und kann sie später erneut verwenden (ist aber nicht üblich). Sollte es doch klappen, wird die eben erwähnte Anmalerei erledigt und wenn man ganz penibel mit den Traditionen ist kippt man heiligen Sake über die
Puppe. il_570xN.200974510Anschließend wird diese dann in einen Fluss geworfen. In der japanischen Folklore
glaubt man, dass Flüsse ins Jenseits führen, sodass der Mönch wieder in das Reich der Toten zurückkehrt.
Die Puppe gibt es übrigens nicht nur in der Papier-Version. Auch schönere Puppen aus Wolle gestrickt, sind heutzutage zu sehen. Natürlich ist hier mehr Aufwand erforderlich. Jedoch
achten vor allem Mädchen hier auch auf die richtige Schleife um den Hals und bestücken die Puppen manchmal mit Knopfaugen etc.

Das Lied des Teru Teru Bozu

Wie viele Traditionen hat auch diese ein eigenes Volkslied. Dieses ist sehr einfach gestrickt und wird meist nur von Kindern gesungen. Die Youtuberin Lori Samsel hat hierzu eine schöne Animation mit Gesang erstellt, die das Lied gut darstellen sollte:

Japanisch:
てるてるぼうず、てるぼうず
明日天気にしてをくれいつかの夢の空のよに

晴れたら金の鈴あげよてるてるぼうず、てるぼうず

明日天気にしてをくれ

私の願いを聞いたなら

甘いお酒をたんと飲ましょてるてるぼうず、てるぼうず

明日天気にしてをくれ

それでも曇って泣いてたら
そなたの首をちょんと切るぞ

Romaji:Teru-teru-bōzu, teru bōzu
Ashita tenki ni shite o-kure

Itsuka no yume no sora no yo ni
Haretara kin no suzu ageyo
Teru-teru-bōzu, teru bōzu

Ashita tenki ni shite o-kure

Watashi no negai wo kiita nara

Amai o-sake wo tanto nomasho
Teru-teru-bōzu, teru bōzu
Ashita tenki ni shite o-kure

Sore de mo kumotte naitetara

Sonata no kubi wo chon to kiru zo

Übersetzung:
Teru-teru-bozu, teru bozu
Mach, dass es morgen sonnig wird,
wie der Himmel in Träumen manchmal.
Wird es sonnig, gebe ich dir eine goldene Glocke, Teru-teru-bozu, teru bozu.
Mach, dass es morgen sonnig wird!
Wenn du mir diesen Wunsch erfüllst,
trinken wir viel süßen Sake, Teru-teru-bozu, teru bozu.
Mach, dass es morgen sonnig wird,
aber seh ich Wolken und du weinst
Dann schneid ich dir das Köpflein ab!

 

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QUELLEHyakumonogatari
Ehemals studierte ich Japanologie und Sinologie in Frankfurt. Mittlerweile bin ich im (Online-)Marketing international aktiv und leite den Japan-Bereich der EpicCon (epiccon.de). Japaniac startete als Hobby, um meine Zuneigung zur japanischen Kultur auszuleben. Dabei werde ich von Gleichgesinnten unterstützt!

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