Diese Frage haben wir uns von Japaniac schon eine Weile gestellt. Zusammen mit Egmont Manga versuchen wir euch den Vorgang, der sich über mehrere Monate zieht, etwas näherzubringen.

Viele denken bestimmt, dass es ein Klacks ist und gar nicht so aufwändig einen Manga nach Deutschland zu bringen. Oder aber wissen oft nicht wie viel Zeit und Überlegungen der Prozess in Anspruch nimmt.

Im nachfolgenden Beitrag sind alle Fragen orange hervorgehoben und die passende Antwort findet ihr direkt darunter.

Wie werden die Mangatitel ausgewählt?

Zum einen setzt man sich bei der EMA zu einer wöchentlichen Programmkonferenz zusammen und bespricht interessante Titel oder aber neue Bewerbungen von Mangaka. Sollte etwas dabei sein, das sowohl vom Zeichenstil als auch vom Thema ansprechend wirkt, geht es weiter zu einem Redakteur.

Der Redakteur prüft dann die Story des Mangas und recharchiert wie gut dieser bei den japanischen Fans ankommt und ob der Manga auch in Deutschland gefragt ist. Sofern auch bei der nächsten Programmkonferenz nichts dagegen spricht, geht ein Angebot an den japanischen Verlag heraus, der es bestenfalls annimmt und unterzeichnet.

©Egmont Manga

Was passiert wenn ein Manga in Japan schlecht ankommt, aber die Popularität bei uns hoch ist? Wird das auch berücksichtigt oder muss beides einfach stimmen?

Im Endeffekt geht es darum, wie sehr ein Manga in Deutschland gefragt ist bzw. ankommt. Natürlich ist die Popularität in Japan ein wichtiger Gradmesser.

Werden auch einzelne Wünsche berücksichtigt, also wenn nur eine handvoll Leuten sich einen Manga wünscht?

Wir schauen uns alle Wünsche an, die uns erreichen. Jedoch reicht es nicht, wenn es eine handvoll Stimmen für eine Serie gibt. Es gibt aber viele weitere Faktoren, die stimmen müssen, bevor wir uns um die Lizenz einer Serie bemühen.

Wie geht es nach der Lizenz weiter?

Nach der Lizenz wird der Titel an einen projektverantwortlichen Redakteur abgegeben, der sich danach um erste Texte für Amazon und Co. kümmert oder auch dafür zuständig ist, sich über den Ablauf Gedanken zu machen. Mit Ablauf ist gemeint auf welcher Seite etwas im deutschen Manga sein soll, wie der Grafiker das Cover gestalten soll oder auch einen ersten Terminplan, wer seine Aufgabe bis wann zu erfüllen hat.

Danach macht sich der Übersetzer ans Werk. Alle Seiten werden nummeriert und sämtliche zu übersetzenden Stellen übersetzt und notiert. Wie das aussehen kann, sieht man an diesem Beispiel von Egmont Manga gut:

©Egmont Manga

Würdet ihr sagen, dass manche Abgabefristen vor allem für hobbymäßige, deutsche Mangakas etwas kurz gewählt sind? Beinhalten die Zeitpläne noch genug Luft falls mal etwas schief gehen sollte oder ist alles eher eng geplant?

Bei den Zeitplänen für deutsche Manga-Zeichner planen wir mittlerweile sehr viel Puffer ein. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die meisten Manga-Zeichner eher überschätzen, was die Geschwindigkeit ihrer Arbeit angeht. Das ist aber kein Vorwurf, denn da man hierzulande nicht vom Manga-Zeichnen leben kann, muss man nebenher andere Tätigkeiten verrichten, um die Existenz zu sichern.

War Übersetzen nicht schon der Großteil der Arbeit?

Nein, definitiv nicht. Denn danach müssen Redakteur und Korrektor erstmal korrigieren und verbessern. Ist das erledigt, beginnen Letterer und Grafiker mit Cover und den Mangaseiten. Der Letterer retuschiert erst die Sprechblasen und cleant diese und setzt das Skript den Nummern nach in die Blasen. Ist das alles geschehen, geht es in die Endphase. Wie so ein gecleanter Ausschnitt bei Egmont Manga aussehen kann, seht ihr hier:

©Egmont Manga

Ist nun alles bereit für den Druck?

Noch nicht ganz. Erst muss der zuständige Redakteur sich das ganze nochmal anschauen und absegnen. Sollte dieser nichts zu bemängeln haben an Cover und Mangaseiten, geht das ganze nochmal an den japanischen Verlag, der gegebenenfalls noch Korrekturen für den Grafiker hat. Sollte dies nicht der Fall sein, erfolgt nun jedoch die Druckfreigabe.

©Egmont Manga

Wer entscheidet und wie wird entschieden wie viel Exemplare für die 1. Auflage gedruckt werden? Oder gibt es hier eine Fix-Anzahl von z.B. 50.000 Mangas egal wie beliebt diese sind?

Die 1. Auflage wird festgelegt, sobald die Vorbestellungen aus dem Handel da sind. Das geschieht in Zusammenarbeit zwischen Redaktion und Vertrieb. Natürlich spielen auch die Verkaufseinschätzung und die Kalkulation der Kosten eine Rolle.

Druckfreigabe und was dann?

Dann wird nochmal alles geprüft, ob auch nichts ausgelassen wurde und ob die Reihenfolge stimmt. Ist das der Fall gibt es Testdrucke, welche das EMA-Team mit den japanischen Farben abgleicht. Erst wenn auch hier wieder eine Freigabe erfolgt, dürfen die Mangas gedruckt werden.

©Egmont Manga

16 Mangaseiten werden auf ein großes Blatt gedruckt, das passend gefaltet und danach mit dem Cover umschlossen wird, welches natürlich aus einem stärkeren Material besteht. Danach wird der Manga in Form geschnitten und nochmal zur Kontrolle an Egmont Manga geschickt. Der danach kommende Prozess ist recht simpel. Die Druckerei liefert die fertigen Mangas LKW-weise an ein Lagerhaus. Von dort werden sie dann an Buchhandlungen oder Amazon und Co. verteilt.

©Egmont Manga

Nach einer Prozedurdauer von guten 6 Monaten, haltet ihr dann das fertige Exemplars eures eventuellen Lieblingsmangas in der Hand.

Werden weitere Bände von der Meinung der Community auch beeinflusst oder habt ihr selbst auch Einfluss darauf, was deutsche Mangakas für euch zeichnen? 

Natürlich stehen alle mit den Lesern in Kontakt, aber in der Regel entscheiden das die Künstler gemeinsam mit der Redaktion.

 

Habt ihr noch weitere Fragen an Egmont Manga, die eventuell in dem Beitrag nicht beantwortet wurden, aber mit der Thematik „Wie kommen Mangas nach Deutschland?” zu tun haben? Schreibt sie uns. Wir geben diese gerne an den Verlag weiter und werden den Beitrag dann entsprechend ergänzen.

QUELLEEgmont Manga

Stellvertretender Chefredakteur bei Japaniac. Zuständig für Gewinnspiele oder andere Specials. In meiner Freizeit habe ich nichts gegen eine entspannte Runde an der Konsole. Leidenschaftlicher Anime-Fan und nerdiger Otaku seit mehreren Jahren.