Manga Tablett von Wacom

Das Grafiktablett kommt immer mehr in Mode. Viele Anime- und Manga-Fans fragen sich aber, wie man solche Figuren erschaffen kann, wie sie in den Lieblingsserien zu sehen sind. Wir haben das Zeichner-Duo SaitoIkiru gefragt und sie haben sich dazu bereit erklärt, in einem Grundkurs für Digitales Zeichnen einen Einstieg zu vermitteln.

SaitoIkiru (DeviantArt) besteht aus zwei jungen Zeichnerinnen, die bereits auf diversen Conventions präsent waren und ihre Werke vorgestellt haben. Sie behaupten nicht Vollprofis zu sein, doch kann man sie schon als fortgeschritten oder semi-professionell einstufen. Falls ihr Einwände oder weitere Vorschläge/Tipps zu diesen Artikeln habt, könnt ihr diese in den Kommentaren erläutern und wir werden diese, falls Bedarf besteht, in den Grundkurs einbauen. 🙂

Grafiktablett – aber welches?

Beim Digitalen Zeichnen ist es fast unmöglich, schöne Bilder mit der Maus hinzubekommen, weshalb Zeichner ein Grafiktablett verwenden, um die zeichnerischen Bewegungen auf den Bildschirm zu übertragen. Je nach Preisklasse lassen sich einfache Funktionen nutzen oder sogar Variationen im Winkel, in dem der Stift angesetzt wird, übertragen, sodass auch Schattierungen mühelos erledigt sind. Wir wollen dir zeigen, mit was du anfangen solltest und was dich in der Profi-Liga erwartet.

In der Welt der Grafiktabletts haben sich wenige Marken durchsetzen können. Besonders Wacom hat diesen Markt fest im Griff. Mit verschiedensten Preisklassen weiß der Hersteller bei den Nutzern zu punkten. Aber auch Marken wie Genius, Huion oder Ugee stoßen in den Bereich vor. Im Niedrigpreissegment lassen sich auch Tabletts von Medion finden.

Wer sich unsicher ist und nichts falsch machen will, sollte ein Wacom nehmen. Die meisten Profis und Illustratoren nutzen ein Wacom-Grafiktablett, da diese sich eben etabliert haben. Natürlich können Experimentierfreudige auch andere Marken ausprobieren, doch in diesem Grundkurs raten wir definitiv zu Wacom-Tabletts!

Grafiktabletts für Einsteiger

Als blutiger Anfänger möchtest du natürlich nicht viel Geld ausgeben. Immerhin weißt du noch nicht, ob du für das Digitale Zeichnen geschaffen bist. Hierfür bieten sich drei Produkte an:

Grafiktablett bamboo pad
Wacom Bamboo Pad mit Eingabestift und Wireless-Connector

Das Grafiktablett Wacom Bamboo Pad kostet gerade einmal 49,99 € und bietet neben kabelloser Verbindung alle wichtigen Grundfunktionen, die ein Grafiktablett mitbringen sollte. Mit 14×16 cm ist das Tablett jedoch recht klein gehalten und benötigt einiges an Geschick, um größere Zeichnungen zu erstellen. Es gibt aber auch Zeichner, die lieber ein kleines als ein großes Tablett haben, da dieses handlicher ist. Für Anfänger ist es somit eine gute und kostengünstige Alternative zum nächsten Tablett.

Bamboo Art Pen and Touch small
Wacom Intuos Art Pen & Touch Small mit Eingabestift

Das Intuos Art Pen & Touch Small ist mit 99,90 € in seiner kleinen Form (15×9,5 cm) nur unwesentlich teurer und hätte noch Platz als Weihnachtsgeschenk. Jedoch ist es wie das Bamboo Pad klein gehalten und stößt somit bei großen Werken schnell an seine Grenzen. Hier wäre noch die größere Version namens Intuos Art Pen & Touch Medium interessant. Dieses hat eine Zeichenfläche von 21,6×13,5 cm, wodurch deutlich mehr Spielraum gegeben ist. Dafür schlägt es aber auch mit 199,90 € zu Buche und du solltest dann schon sicher dann, dass das Geld gut angelegt ist.

Dennoch bietet es mit seinen 4 anwendungsspezifischen Tasten, die du so einstellen kannst, dass diese die Radierfunktion oder die „Ein Schritt zurück“-Funktion aktivieren, ein nützliches Feature. Dies erleichtert das schnelle Zeichnen deutlich und nach kürzester Zeit wirst du nie wieder ohne zeichnen wollen.

Manga Tablett von Wacom
Wacom Intuos Manga Pen & Touch mit Eingabestift

Für Einsteiger ist aber noch ein drittes Tablett interessant. Das Wacom Bamboo Manga bzw. Intuos Manga Pen & Touch wurde tatsächlich extra für dich als Einsteiger im Bereich Manga als Produkt entwickelt und enthält eine passende Software zum Digitalen Zeichnen. Jedoch ist die Produktserie schon etwas älter und Wacom hat den Vertrieb dieses Tabletts eingestellt. Dennoch lassen sich noch Restbestände auf Ebay und anderen Portalen finden. Schnäppchenjäger kommen hier also voll auf ihre Kosten.

Prinzipiell sind diese beiden Tabletts aber nicht groß vom Intuos Art Pen & Touch zu unterscheiden. Nur die mitgelieferte Software macht es zum Manga-Einsteiger. Wer sich unsicher ist, dem kann man jedoch hiermit die Ängste nehmen, da es ja direkt für Manga gedacht ist. Die Preisspanne liegt hier je nach Anbieter bei 80 bis 100 €. Jedoch lassen sich auf Ebay manchmal auch Preise von 30 bis 50 € erzielen. Man muss eben Glück haben.

Grafiktabletts für Fortgeschrittene

Grafiktablett Intuos Pro Small
Eines der Intuos Pro-Produkte mit Eingabestift

Fortgeschrittene müssen etwas tiefer in die Taschen greifen, um die pure Perfektion durch ein Grafiktablett zu erreichen. Mehr Dynamik und schöneren Linien kann man nämlich mit den Einsteiger-Modellen vergessen. Hierfür muss die Anzahl der Drucksensitivitätsabstufungen mehr aufweisen als die üblichen 1024. Diese registrieren, wie stark du mit dem Eingabestift auf das Tablett drückst und misst so die Strichstärke. Bei höherer Sensitivität ist natürlich auch die Strickstärke am Ende genauer.

Auch die Auflösung und die Schräglagenerkennung des Grafiktablett müssen leistungsfähiger sein. Denn nur so lassen sich feine Linien und angenehme und flüssige Schattierungen gewährleisten. Dies schafft man grundsätzlich mit der Wacom Intuos Pro-Reihe. Diese beginnt beim kleinsten Modell „Small“ mit 224,90 € und endet mit dem großen Modell „Large“ bei 479,90 €. Alle Modelle der Reihe findest du »hier«. Wie du siehst, wird es langsam teurer.

Wer auch die Vorteile des Manga-Tabletts für Einsteiger haben will, kann auf das Intuos Pro M + Clip Studio Paint umsteigen. Die mitgelieferte Software Clip Studio Paint Ex hieß früher mal Manga Studio 5EX, kann also noch immer bestens für das Zeichnen von Manga auf dem Grafiktablett genutzt werden. Mit 399,99 € ist das Intuos Pro M, also die mittlere Version dabei. Ohne Software würde dieses 349,90 € kosten. Allein kostet die Software etwa 200€, wodurch dieses Bundle also ein echtes Schnäppchen ist! Welche Software für Manga-Zeichner am besten ist, klären wir aber erst im nächsten Kapitel. 😉

Grafiktabletts für professionelle Zeichner

Der Unterschied zwischen den Profi-Tabletts und denen der Fortgeschrittenen und Anfänger ist der, dass die letzten beiden Gruppen immer Tablett und Monitor gleichzeitig im Blick haben mussten. Ein ständiger Blickwechsel war also nötig. Bei den Profi-Tabletts ist dies nicht der Fall, denn hier ist der Bildschirm in das Tablett integriert worden. Der Zeichner sieht also direkt, wo er mit dem Stift ansetzen muss und wie das Ergebnis dann aussieht, ohne den Kopf heben zu müssen.

Grafiktablett manga cintiq
Ein Zeichner bei der Arbeit mit einem Wacom Cintiq und dem Eingabestift

Hier kommt die Wacom-Produktreihe Cintiq dran. Diese hat integrierte Buttons für Shortcuts, die auch bei günstigeren Modellen vorhanden sind. Teurere Modelle haben jedoch auch eine Multitouch-Funktion integriert, die besonders bei Berufszeichnern sehr angenehm ist. Wer sich so eines jedoch leisten will, muss tiiiieeef in die Tasche greifen. Die Preisspanne liegt bei 799,90 € – 2599,90 €. Je nach Preis bekommt man dafür ein größeres und hochwertigeres Tablett mit besserer Auflösung und angenehmer Bedienbarkeit. Anfänger sollten diese Tablett erst einmal meiden, es sei denn, sie haben viel Geld und möchten gleich losstarten.

Die Displays beginnen hier bei 13,3″ und können beim Spitzenmodell auf 27″ kommen. Dabei ist eine Auflösung von Full HD bis 4K möglich. Das Spitzenmodell Cintiq 27QHD touch bietet übrigens die besten Features an und kostet dementsprechend am meisten. Wer unbedingt einen Touchscreen will, aber wenig Geld hat, kann immerhin für das Cintiq 13HD sparen. Dieses ist mit seinen knappen 800 € noch mit viel Sparen erreichbar. Dies sollte aber nur ein Ausblick in deine Zukunft sein, was eben so möglich wäre.

Unser Zeichner-Duo SaitoIkiru empfehlt hier übrigens das Cintiq 22HD. Dieses kostet 1799,90 € und hat folgende Vorteile, die aber auch die teureren Modelle haben:

  • Farben sind unverfälscht, kein Unterschied zu dem Bild auf dem Computer-Bildschirm zu sehen
  • Vereinfachung der Detailarbeit durch die direkte Nähe zum Bildschirm und genaue Umsetzung der Stiftführung
  • besserer Überblick über das Bild als Gesamtes, da der Bildschirm einem Blatt im traditionellen Stil mehr ähnelt als ein Grafiktablett
  • links und rechts befinden sich Shortcut-ersetzende Knöpfe und Touchpads, die die wichtigsten Shortcuts gleich in Reichweite bringen (bisherige Shortcuts auf der Tastatur bleiben trotzdem noch erhalten)

Allerdings haben sie auch Nachteile zu bemängeln:

  • Da sind das Tablett neigen lässt, kann es passieren, dass dadurch das Größenverhältnis von Kopf zu Körper verfälscht wird. Dies erfordert danach das unnötige Bearbeiten des Bildes.
  • Der Preis ist nicht für jeden unbedingt erschwinglich.
  • Nicht zum ständigen Transport geeignet.
  • Das Ändern der Shortcuts links und rechts am Tablet könnte einfacher gestaltet sein.
ipad pro
iPad Pro mit Apple Pencil

Interessant ist auch eine neue Alternative von Apple. Das vor Kurzem vorgestellte Grafiktablett iPad Pro bietet mithilfe eines hochmodernen Eingabestifts die Möglichkeit auf einem 4K-Touchscreen mit 12,9″ zu zeichnen. Damit sind beim iPad mehr als doppelt so viele Pixel in einem Quadratzentimeter untergebracht als bei den 13,3″-Modellen von Wacom. Sogar Adobe hat hierfür extra ein spezielles Photoshop entwickelt, um Zeichnern genügend Möglichkeiten zu bieten. Zwar ist der Preis noch nicht bekannt, aber wird dieser wohl bei über 1000€ liegen, wodurch es wiederum nichts für Anfänger ist.

Fazit

Letztendlich bleibt beim Grafiktablett die Qual der Wahl. Diese Übersicht soll dir zeigen, was so alles da draußen existiert und wie du die Preisklassen unterscheiden kannst. Ob du ein Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi bist – Das können wir dir nicht beantworten. Aber wir können dir zeigen, worauf es ankommt und wie du am besten startest. Ein Tipp von uns: Wenn du sparen willst, solltest du nach gebrauchten Modellen auf Ebay, Amazon und anderen Portalen schauen. Allerdings solltest du aufpassen. Einige verkaufen beschädigte Tabletts, bei denen die Druckpunkte kaputt sind. Das sieht man auf Fotos nicht und merkt es erst, wenn es zu spät ist. Am besten wäre es natürlich, das Tablett frisch aus dem Laden zu kaufen.

Als nächstes kommt das Kapitel zur richtigen Software für das Digitale Zeichnen. Bis gleich!

  • byMonion

    Darf ich fragen ob jemand auch das Surface (welches auch immer) als Alternative ausprobiert hat? Ich habe einfach mal gelesen, dass ein Künstler sein Suface per HDMI anschließt und dies so als Grafiktablett verwendet… Geht das wirklich?

    • Uns ist keine Möglichkeit bekannt, das Surface als reines Grafiktablett an einem PC zu verwenden, da es selbst ein Mini-PC ist. Jedoch ist das Surface selbst ein gutes Grafiktablett, um das Zeichnen zu lernen. Es ist jedoch nicht mit der Cintiq-Reihe vergleichbar, da diese deutlich genauer ist.
      Wenn du jedoch bereits eins besitzt, kannst du auf dem Surface direkt schon gute Ergebnisse erzielen.