SAI Painting Tool

Für junge Zeichner/Innen gibt es eine Flut an Grafik-Software auf dem Markt. Manche Programme sind kostenlos, andere bekommt man nur, wenn die Kasse klingelt. Das Zeichner-Duo SaitoIkiru verrät euch in dieser Lektion, welche Software empfehlenswert ist.

SaitoIkiru (DeviantArt) besteht aus zwei jungen Zeichnerinnen, die bereits auf diversen Conventions präsent waren und ihre Werke vorgestellt haben. Sie behaupten nicht Vollprofis zu sein, doch kann man sie schon als fortgeschritten oder semi-professionell einstufen. Falls ihr Einwände oder weitere Vorschläge/Tipps zu diesen Artikeln habt, könnt ihr diese in den Kommentaren erläutern und wir werden diese, falls Bedarf besteht, in den Grundkurs einbauen. 🙂

Bevor du mit der Lektion beginnst, solltest du dir Lektion 01 zur Wahl des richtigen Grafiktabletts anschauen.

Die Voraussetzungen

Bevor wir zu den verschiedenen Programmen gehen, müssen erstmal ein paar Grenzen gesteckt werden. Denn jedes Programm hat andere Anforderungen. Doch die wichtigste Frage am Anfang lautet: Windows, Mac OS oder Linux?

Nahezu jede Grafik-Software funktioniert auf allen Windows-PCs, bei Mac sind es mehr als die Hälfte. Bei Linux musst du aber in den sauren Apfel beißen. Das Betriebssystem gibt dir also schon eine Vorauswahl vor, die du nutzen kannst.

Auch die CPU-Geschwindigkeit, Arbeitsspeicher, Grafikkarte, Festplattenlesegeschwindigkeit und Version des Betriebssystem entscheiden mit, ob dein PC gut genug für die Grafik-Software ist oder ob du für ein Strichmännchen zwei Stunden brauchst. Denn nichts ist frustrierender als ein langsamer PC während des Schaffensprozesses.

Die Wahl der passenden Software

Du hast ehrlich gesagt die Qual der Wahl, wenn es um Grafik-Software geht. Manche sind kostenlos und bieten die Standard-Funktionen an, andere kosten Geld und können sich gerade bei Schnelllernern lohnen. Denn du solltest dir anfangs schon sicher sein, welche Software du für die Zukunft nutzen willst. Ein späterer Wechsel kann nämlich die Motivation rauben, da du neue Tastenkürzel und Funktionen lernen musst, sodass dein Workflow beim Wechsel anfangs deutlich schlechter ist.

Du kannst es natürlich auch mit Paint oder GIMP versuchen, die beide kostenlos sind. Doch dann würde ich dir eher zu GIMP raten, da diese Software schon einige Funktionen bietet, die auch bei Photoshop und Co. auftauchen, sodass du deutlich besser arbeiten kannst. Wir haben dir aber drei Software-Alternativen mitgebracht, die zwar Geld kosten, aber jeden Penny wert sind!

Easy Painttool SAI (Preis: 40€)

Easy Painttool SAI ist die günstigste Software in unserer Aufstellung, dafür aber nur mit Windows kompatibel. SAI ist perfekt für Einsteiger, die nicht durch zu viele Funktionen erschlagen werden wollen. Außerdem ist sie sparsam im Umgang mit Arbeitsspeicher, womit auch schwächere PCs hier punkten können.

SAI Painting Tool

Wie man auf dem Bild sehen kann, sind schöne Zeichnungen möglich. Die meisten Bedienelemente befinden sich standardmäßig links und die Leinwand/Canvas ist rechts angesiedelt. Du kannst mit Ebenen arbeiten, sodass du mit oberen Ebenen die darunterliegenden verdecken kannst. Das bietet dir viel Spielraum beim Gestalten. Jedoch sind weniger Bearbeitungswerkzeuge vorhanden als bei anderen Programmen.

Ein Vorteil von SAI ist, dass das Programm auch Photoshop-Dateien akzeptiert und bearbeiten kann. So kannst du z. B. Übungsdateien von Tutorials verwenden, die eigentlich für Photoshop-Nutzer gedacht waren. Übrigens benutzen SaitoIkiru neben Photoshop auch SAI für ihre Werke, da die Pinselführung sehr gut ist.

Tutorials für den Einstieg gibt es für Videoliebhaber auf Youtube zu Hauf und für die Leseratten unter euch wäre ein Blick auf Tutorial-City von DeviantArt oder silver-islands.com (Englisch) empfehlenswert. »Download«

Manga Studio 5/Clip Studio Paint (Preis: 46€/200€)

Das früher als Manga Studio 5 bekannte Clip Studio Paint ist ideal für angehende Mangaka mit Mac OS oder Windows. Das Tool erlaubt es dir, mehrseitige Manga in einer Datei zu erstellen und auch Raster und Hintergründe sind schon in einer Bibliothek zur Auswahl enthalten.

Ich habe es an den zweiten Platz gepackt, da es als Hybrid aus SAI und Photoshop gilt. Denn es vereint die Vorteile beider Programme, um für das Mangazeichnen gewappnet zu sein. Viele nützliche Tools wie die Feder oder verschiedene Watercolour-Pinsel sorgen neben der übersichtlichen Benutzeroberfläche für einen angenehmen Workflow und tolle Werke. Besonders interessant sind auch die Zusatzfunktionen, die ideal für Anfänger sind, wie zum Beispiel die nachträgliche Korrektur von verwackelten Linien. Somit musst du nicht wieder und wieder nachzeichnen, bis alles ordentlich ist. Das Programm erledigt dies für dich.

Arbeit mit 3D-Modellen

Trickreicher aber absolut genial ist die Möglichkeit, ein 3D-Modell für die Skizzen zu nutzen. Dieses kannst du so anpassen, wie du willst. Nützlich ist dies vor allem bei schwierigen Blickwinkeln und ungewöhnlichen Körperhaltungen. Dies erspart Zeit und Arbeit. Im Grunde ist es die digitale Form der Gliederpuppe konventioneller Zeichner, um Posen richtig einzufangen. Dennoch ein überaus praktisches Gimmick für dich!

Weiterhin ist das Programm wie SAI mit Photoshop-Dateien kompatibel, um auch zweigleisig zu arbeiten. Auch Storyboards, Frame Cuts und Lineale für Hintergründe sind mit dabei, damit du dich wie ein richtiger Mangaka fühlen kannst. Jedoch sei auch gesagt, dass das Programm komplexer ist als SAI und somit die Einarbeitungszeit anhand von Tutorials und Selbstversuchen länger dauern wird.

Außerdem gibt es die Software in zwei Versionen. Die Debut-Version kostet 46€ und enthält weniger Raster und Hintergründe. Sie enthält laut Hersteller die „Standard-Funktionen für das Mangazeichnen“. Dann gibt es noch die Pro-Version für schlappe 200€. Diese enthält eine reichhaltigere Bibliothek an Hintergründen, Rastern usw. und die Möglichkeit fortlaufende Manga Seiten zu erstellen, was bei der Debut-Version gänzlich fehlt. Anfangs kannst du dich mit der Testversion ausprobieren, um zu schauen, wie es dir gefällt. Allerdings bietet die Testversion keine Möglichkeit, deine Werke zu speichern!

Auch der PC muss mehr leisten können, wenn du dich für Clip Studio Paint entscheidest. Tutorials zur Software findest du natürlich auf Youtube oder aber auf den englischen Websites clipstudio.net und clipstudiopaintpro auf DeviantArt. »Download«

Photoshop CC (ab 11,89€/mtl.)

Jeder kennt Photoshop. Wenn ein Bild bearbeitet wurde, nennen wir es heutzutage „gephotoshopt“. So populär ist die Grafik-Softwäre für Profis in der Fotografie und im Grafikdesign geworden. Wir stellen dir das Programm hier vor, weil es einfach nicht fehlen darf. Zwar ist es nicht explizit für Manga entwickelt worden, aber es glänzt mit vielfältigen Funktionen, die wahre Meisterwerke vollbringen können. Das CC steht übrigens für Creative Cloud, also Adobes neue Art, seine Software zu vermarkten … Mit Cloud, Abo usw.

Photoshop Logo
Das offizielle Photoshop-Icon

Natürlich ist Photoshop für Windows und Mac OS verfügbar. Seit einigen Monaten bietet Adobe die Software im Abo an. So kann sich jeder die damals extrem teure Software heutzutage für 11,89€ im Monat holen und sofort loslegen. Dank des Status eines Branchenprimus ist die Software auch zu zahlreichen Programmen und Devices kompatibel. Jedoch verbraucht es viel Arbeitsspeicher und CPU und Grafikkarte sollten auch nicht sonderlich alt sein für diese Spritschleuder.

Manga-Zeichner müssen jedoch ein paar Dinge beachten, wenn sie mit Photoshop arbeiten. Man hat anfangs keine Raster und Hintergründe verfügbar, um gescheite Manga-Layouts zu erzeugen. Dies ist jedoch alles mittels Bibliotheken im Nachhinein möglich. Du kannst aber auch die Muster-Funktion von Photoshop nutzen, um selbst Rasterfolien zu erstellen. Die Software ist ideal für Kreative, die alles selbst gestalten wollen, ohne Vorlagen zu verwenden. Also perfekt für angehende Mangaka.

Adobe Photoshop CS6 und CC – Das umfassende Handbuch vom Rheinwerk Verlag © 2015 Rheinwerk Verlag GmbH

Natürlich ist Photoshop komplex. So komplex, dass man ein Handbuch mit 1.200 Seiten füllen kann, um nur die Grundfunktionen abzuhandeln. Die Kombination dieser Funktionen kann wiederum neue Eigenschaften erzeugen, die du dir aber meist durch Erfahrung aneignest. Ich würde sagen, die Einarbeitungszeit in Photoshop ist am längsten, jedoch kannst du am Ende eines der besten Programme für Grafikdesign anwenden, was für die Zukunft sicherlich hilfreich ist.

Im Grunde kann Photoshop all das, was auch die anderen Programme können. Nur ist es ohne den Schwerpunkt auf Manga schwieriger, darin einzusteigen. Man benötigt also viel Sitzfleisch und Motivation. Dafür gibt es für Photoshop Tutorials ohne Ende. Auf Youtube konkurrieren die Leute um die meisten Views, weil es einfach unzählige Video-Tutorials gibt. Auch Video2Brain bietet Online-Kurse an, diese sind aber kostenpflichtig.

Wer lieber liest, dem empfehle ich von Herzen die Bücher vom Rheinwerk-Verlag. Besonders das vorhin erwähnte 1.200-seitige Buch „Adobe Photoshop CS6 und CC – Das umfassende Handbuch“ (ISBN 978-3-8362-2466-6) von Sibylle Mühlke für 59,90€ ist jeden Cent wert. Und nein, das ist keine Schleichwerbung, sondern einfach nur ein gut gemeinter Rat, da dieses Buch auch in meinem Regal steht. 😉 … Es gibt auch unzählige kostenlose Tutorials auf Blogs usw. Aber die kann ich schlecht alle hier aufzählen.

Wer sich wegen des Abo-Modells nicht traut, kann auch erst einmal die 30-tägige Testversion nutzen. Dafür musst du nur einen kostenlosen Adobe-Account erstellen. Falls du dir sicher bist, dass Photoshop für dich das beste Programm ist, dann kannst du hier gleich loslegen: »Download«

Fazit

Für welches Programm du dich auch entscheidest, am Ende wirst du mit allen zeichnen können. Nur die Fülle an Funktionen entscheidet darüber, ob es dir leichter fällt oder nicht. Wie gesagt, unser Zeichner-Duo SaitoIkiru verwendet hauptsächlich SAI und Photoshop und kommt damit gut zurecht. Natürlich hat es einige Zeit gebraucht, bis die Zeichnungen so schön wurden wie heute. Aber das hat auch mit Talent und Erfahrung zu tun. Denn die Software ist nur ein Werkzeug mit dem man umzugehen lernen muss. Und das Wichtigste ist: Gib niemals auf. 🙂

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Ehemals studierte ich Japanologie und Sinologie in Frankfurt. Mittlerweile bin ich im (Online-)Marketing international aktiv und leite den Japan-Bereich der EpicCon (epiccon.de). Japaniac startete als Hobby, um meine Zuneigung zur japanischen Kultur auszuleben. Dabei werde ich von Gleichgesinnten unterstützt!

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Aerdinyar
Gast
Aerdinyar

Ihr habt noch Sketchbook Pro vergessen. Das ist einer super Software mit vielen tollen Funktionen!

Magdalena Meier
Gast
Magdalena Meier

Habe zum Geburtstag „Clip Studio Paint“ bekommen! Der Hammer!! 🙂

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