© KENJI STUDIO/Art of Making “Santa Company”

Nachdem wir dem Preis einer Lizenzierung nachgegangen sind, kommen wir heute zu den Kosten einer Anime-Produktion in Japan. Dabei gehen wir auf die verschiedenen Kostenstellen ein und schauen uns an, warum Lizenzen so teuer sind.

Vorher sei gesagt, dass jede Anime-Produktion unterschiedlich teuer ist. Das liegt an den verschiedenen Qualitätsstandards der Branche, sodass Studio A günstiger sein kann als Studio B. Leider gibt es nur wenig Auskunft zu den genauen Preisen, weshalb nicht klar ist, welches Studio wie viel verlangt. Doch einige Zahlen gingen an die Öffentlichkeit und die wollen wir euch hier zeigen.

Wie läuft die Produktion ab?

Um die Kosten zu verstehen, muss erstmal klar sein, was alles zu der Anime-Produktion gehört. Einen Anime zu produzieren ist nämlich mit großem Aufwand verbunden, den mehrere Abteilungen tragen. Diese werden grob in drei Phasen eingeteilt.

Phase I: Die Vorproduktion

Die Vorproduktion, besser bekannt als Pre-Production, ist der Anfang eines Anime. Diese Phase dient der Planung. Dabei gibt es zwei Vorgehensweisen. In dieser Übersicht könnt ihr schon einmal einen Überblick bekommen:

AnimeProduktion
Die Übersicht wurde von der Anime International Company bereitgestellt.

 

1. Vorgehensweise: Ein Regisseur oder Animator hat eine Idee für einen Anime ohne Manga-Vorlage. Dieser geht damit zu einem Animationsstudio, um den Anime zu verwirklichen. Ein gutes Beispiel ist hier der Anime Under the Dog. Dieser fand keine große Aufmerksamkeit bei Sponsoren, weshalb sich die Macher an die Möglichkeit des Crowdfundings gewendet haben, um genug Geld zusammen zu bekommen.

Als nächstes sucht das Studio, das die Idee angenommen hat, nach Produktionsfirmen, die dann mit den Studios zusammenarbeiten. Denn Studios können die Kosten einer Anime-Produktion nicht alleine stemmen. Dabei werden auch große Namen wie Aniplex angefragt, die recht häufig als Produzenten dienen. Sollte sich keine Produktionsfirma finden lassen, wird das Projekt wieder eingestampft. Bei dieser Möglichkeit investieren sowohl das Studio als auch die Produktionsfirma Geld in das Projekt. Wurde genug Geld gesammelt geht es weiter mit der Crew-Zusammenstellung. Aber vorher noch die andere Möglichkeit.

2. Vorgehensweise: Produktionsfirmen gehen hier den ersten Schritt. Wenn sie Potenzial in einem Manga sehen, holen sie sich die Erlaubnis des Mangaka. Stimmt dieser zu, setzen sie sich mit einem passenden Animationsstudio zusammen, um alles Weitere zu klären. Hier zahlt nur die Produktionsfirma, da sie auch das Animationsstudio bezahlt. Diese Variante birgt ein höheres Risiko, da die Produktionsfirma alles im Voraus bezahlen und die Kosten am Ende wieder reinholen muss.

Anime Sponsoren
Sponsorenanzeige nach dem Opening. FlyingDog und Kadokawa sind hier die Sponsoren.

 

Bei beiden Varianten werden auch noch Sponsoren bzw. Werbepartnern für das Projekt gesucht, um die Kosten zu dämpfen. McDonalds und Square Enix sind z.B. solche Sponsoren. Dies erkennt man oft an dem Intro nach dem Opening eines Anime, in dem eine Stimme „goran no sponsor no teikyou de okurishimasu“ sagt, was frei übersetzt so viel heißt wie: Dieses Programm wurde dir durch die folgenden Sponsoren zur Verfügung gestellt. Dort sieht man auch die Logos der Sponsoren.

Nun geht es an die Erstellung des Teams. Dabei sind wir noch immer in der Pre-Production! Sehr wichtig ist hier der Drehbuchautor, der oft auch der Mangaka/Ideenhaber ist. Dieser wird vom Regisseur eingespannt. Der Regisseur leitet quasi die gesamte Produktion des Anime vom Inhaltlichen her. Dieser such meist auch den Color-Designer, den Art-Direktor (Hintergründe), den Charakter-Designer und falls nötig auch den Mecha-Designer aus. Diese wiederum geben dann ihre Vorstellungen dem Episoden-Regisseur weiter. Der Episoden-Regisseur arbeitet auch mit dem Regisseur zusammen.

Wurden alle Maßnahmen bezüglich der Besetzung getroffen, geht es auch schon los. Skizzen werden angefertigt, Charaktere und deren Profil mit Mimiken usw. entworfen. Der Charakter-Designer ist eigentlich in der Pre-Production tätig, berät aber in der nächsten Phase als sogenannter Chief Animationsregisseur weiter, damit die Charaktere sich treu bleiben.

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Phase II: Die Produktion

Nun beginnt der spannende Part. Die Produktion besteht natürlich aus mehreren Teilschritten. Diese lauten wie folgt:

  • Drehbuch/Storyboard
  • Layout
  • Animation
  • FX & Korrektur
  • Komposition

Zuallererst werden die einzelnen Episoden anhand eines Drehbuchs durchgeplant. Welche Handlungen passen rein, welche Szenen sind wichtig und wo sollten Höhepunkte stattfinden, um den Spannungsbogen zu erhalten. Die entstandenen Drehbücher werden dann ein paar Male vom Regisseur, dem Mangaka und anderen Leuten geprüft, bis sie grünes Licht haben.

Dann geht es an das Storyboard. Der Regisseur plant jede noch so kleine Anime-Sequenz und skizziert die Handlung, wie er sie sich vorstellt. Das nimmt im Durchschnitt drei Wochen in Anspruch. Dabei geht er auch schon darauf ein, wie die virtuelle Kameraführung sein soll, wo ein Cut (Schnitt) eingesetzt wird und vieles mehr. Er sorgt also für den Rohbau der Animation. Hier ein Ausschnitt eines Storyboards:

storyboard

 

Danach geht es an das Layout. Während der Regisseur beim Storyboard nur grobe Vorgaben gemacht hat, wird hier skizzenhaft geplant, wie die Hintergründe aussehen sollen, welche Elemente bzw. Objekte zu sehen sein sollen usw. Das Layout dient also als Schritt in Richtung Animation. Deshalb werden Layouts auch von Animatoren in Absprache mit dem Regisseur und Produzenten angefertigt. Auch Layouts enthalten die Informationen zu Kameraführung und Cuts. Nur deutlich detaillierter.

Black Rock Shooter Layouts – die Cels besitzen warme und die Hintergründe kalte Farben.
Black Rock Shooter Layouts – die Cels besitzen warme und die Hintergründe kalte Farben.

Ein Punkt, der eigentlich immer auf Layouts zutrifft, ist dass Hintergründe immer kalte Farben wie Blau enthalten und Cels – Charaktere oder Objekte im Vordergrund – immer mit warmen Farben dargestellt werden. Da nun alle Details besprochen wurden werden die Hintergründe angefertigt. Doch der wichtigste Schritt fehlt: Die Animation.

Bei der Animation werden selbst heute noch die Mainstream-Anime wie Naruto und One Piece per Hand gezeichnet. Nur einzelne Elemente werden hier mit Computern erstellt. Natürlich haben Computer bei der Anime-Produktion trotzdem einen großen Stellenwert, aber einzelne Frames zeichnen Animatoren immer noch per Hand. Und das sind nicht gerade wenig.

Zuerst erstellen Key-Animatoren die Key-Frames. Das sind Bilder, die quasi die gesamte Szene bis zum nächsten Key-Frame bestimmen. Dabei gibt der Key-Animator vor, wo die Person steht, welche Objekte in den Cels sind usw. Meist werden Key-Frames durch Cuts getrennt, z.B. bei einem Szenenwechsel oder einen Kamerawechsel zu einem anderen Charakter. Sie bilden somit die Struktur und den Verlauf eines Anime für die anderen Animatoren ab.

Szene aus Naruto mit Key-Frame

 

Ein Senpai, der sogenannte Animationsregisseur prüft alle Key-Frames und zeichnet, wenn nötig, komplette Frames neu, um den Fluss der Geschichte zu verbessern. Nach der Freigabe dieser, machen sich dann die In-Betweener an die Arbeit. In-Between-Animatoren ergänzen quasi die Lücken zwischen zwei Key-Frames.

In-Betweener bekommen Instruktionen vom Key-Animator, was in den Szenen passiert, da Key-Frames oft nicht genug Aussagekraft haben. Am Ende muss auch noch der Animationsregisseur wieder alle Frames freigeben oder eben korrigieren. Ist das erledigt, ist die Animation nahezu fertig. Siehe hier:

oben die Key-Frames, mittig Key-Frames mit In-Between-Frames und unten die fertige Animation mit Colorierung.

 

Der letzte Schritt der Produktion ist die Komposition. Dieser Schritt geschieht komplett am Computer. Zunächst werden alle Frames und Hintergründe in der richtigen Reihenfolge digitalisiert bzw. eingescannt. Nun werden die Frames eingefärbt und Schattierungen eingebaut. Das Ganze war natürlich damals viel aufwändiger, als es noch keine Computerprogramme dafür gab.

Als nächstes findet die Animation statt. Dafür benutzen über 90% aller Animationsstudios die Software RETAS! PRO. Diese kostet in Japan nur ein paar hundert Euro, aber im Ausland dafür gleich mehrere tausend Euro. Im Grunde sind nahezu alle Anime, die du bisher geschaut hast, mit Retas! Pro verwirklicht worden. Dabei werden die einzelnen Hintergründe angelegt und die digitalisierten Cels darübergelegt. Das Programm verarbeitet dann alle Frames und erzeugt eine Filmspur.

Phase III: Die Postproduktion

Bei der Postproduktion, oder auch Post-Production, werden Sound-Effekte entworfen und über die Filmspur gelegt. Auch die Auswahl an Sprechern und somit die Synchronisation finden hier statt. Vorher wird aber noch die Filmspur editiert, damit sie nicht zu lang für den Sendeplatz ist. Ist all das erledigt, kann der Anime ausgestrahlt werden. Die Produktion dauert zwischen wenigen Monaten bis zu einem Jahr.

Nun zu den Kosten einer Anime-Produktion!

Da wir nun geklärt haben, wie aufwendig der Prozess einer Anime-Produktion ist, kommen wir jetzt zu den einzelnen Kostenstellen.

KostenstellenYenDollarEuro
Originales Werk¥50.000,00$660,00606,00 €
Skript¥200.000,00$2.640,002.425,00 €
Episoden-Regie¥500.000,00$6.600,006.062,00 €
Produktion¥2.000.000,00$26.402,0024.253,00 €
Key-Animation (Regie)¥250.000,00$3.300,003.031,00 €
Key-Animation¥1.500.000,00$19.801,0018.189,00 €
„In-betweener“ (Zeichner)¥1.100.000,00$14.521,0013.338,00 €
Korrektur/Veredelung¥1.200.000,00$15.841,0014.551,00 €
Hintergrunderstellung¥1.200.000,00$15.841,0014.551,00 €
Fotografie¥700.000,00$9.240,008.487,00 €
Musik¥1.200.000,00$15.841,0014.551,00 €
Materialien¥400.000,00$5.280,004.850,00 €
Editieren¥200.000,00$2.640,002.425,00 €
Drucken¥500.000,00$6.600,006.062,00 €
Gesamt¥11.010.000,00$145.207,00133.381,00 €

 

In diesem Fall kostet die Erstellung von 30 Minuten eines Anime 133.381,00 €. Das entspricht 4446 € pro Minute in der Anime-Produktion. Und das ist nur eine Folge! Die meisten Anime haben heutzutage eine Durchschnittslänge von 24-25 Minuten, also ca. 100.000 € pro Folge. Damit kostet eine Staffel mind. 1.2 mio. €. Diese Rechnung bezieht sich jedoch auf einen nicht so aufwendigen Anime. Ein paar Millionen Euro sind also bei qualitativen Produktionen schon drin. Eine beträchtliche Summe für 12 Folgen, die manche an einem Abend schauen können.

Bei den In-Betweenern ist sogar bekannt, wie viel diese pro Zeichnung verdienen. Für einen Frame bekommen In-Betweener ca. 0,90 € bis 3,50 €. Das variiert je nach Studio. Pierrot zahlt eher den höheren Preis. Am Tag schaffen Zeichner meist nicht mehr als 25 Frames. Das Gehalt wäre bei Pierrot also am Tag bei 87,50 €, wenn es gut läuft. Bei einem Studio wie nakamura pro, wo nur 0,90 € bezahlt werden, ist der Tageslohn bei maximal 22,50€. Eine eher traurige Zahl. Aber selbst dann kostet ein Anime noch viel.

Denn dazu kommen noch Kosten für Vermarktung, Kauf eines Sendeplatzes, Mieten usw. Diese kosten variieren so stark, dass man diese nicht beziffern kann. Doch allein der Kauf eines Sendeplatzes kostet für einen 12-Episoden-Anime über 12 Million Yen, was etwa 100.000 € enspricht. Dieses Geld muss dann erst einmal wieder hereingeholt werden. Deshalb kosten Lizenz und Merchandise auch so viel. Ein einziger Anime ist mit enormen Kosten verbunden, die durch uns Fans wieder eingespielt werden müssen.

Wie hat euch dieser Einblick in die Anime-Produktion gefallen? Möchtet ihr noch mehr wissen? Schreibt uns doch einen Kommentar! Über Feedback würden wir uns sehr freuen.

Quellenrecherche: S. Vock/S.Gaebelein

Quellen:

  • http://www.crunchyroll.com/anime-news/2011/10/30-1/how-much-does-one-episode-of-anime-cost-to-make
  • https://washiblog.wordpress.com/2011/01/18/anime-production-detailed-guide-to-how-anime-is-made-and-the-talent-behind-it/
  • https://www.kickstarter.com/projects/1287579779/art-of-making-santa-company-a-complete-guide/description
  • http://kotaku.com/being-an-animator-in-japan-is-brutal-1690248803?utm_campaign=Socialflow_Kotaku_Facebook&utm_source=Kotaku_Facebook&utm_medium=Socialflow
QUELLEdiverse
Ehemals studierte ich Japanologie und Sinologie in Frankfurt. Mittlerweile bin ich im (Online-)Marketing international aktiv und leite den Japan-Bereich der EpicCon (epiccon.de). Japaniac startete als Hobby, um meine Zuneigung zur japanischen Kultur auszuleben. Dabei werde ich von Gleichgesinnten unterstützt!
  • Sadertoom

    Wow…so viel Geld für gerade mal 20 Minuten. Erst einmal Danke für diesen tollen Einblick in die Welt der Anime-Produktion. Es hat sehr viel Spaß gemacht diesen Bericht zu lesen. Vor allem die einzelnen Arbeitsschritte in Bildform zu sehen war einfach toll. Da denkt man sich teilweise als Anime-Fan, dass man mehr Geld in Animes investieren oder weniger auf kostenfreien Streaming-Seiten schauen sollte.

    • Ryumaru-sama

      da kann ich dir nur beipflichten, obwohl ich streaming-seiten gerne hernehme und wenns dann hier in Deutschland auf DVD/BlueRay rauskommt, kauf ich sie erst recht, ist manchmal sehr interessant, was unsere „Seiyu’s“ da anstellen ^^

  • RaNmA

    Top Bericht und sehr Interessant, bin nur durch zufall auf eure Seite gestossen. Da sie mir sehr gefällt hab ich euch gleich mal als Startseite genommen. Super Arbeit macht weiter so.