Die Welt wird immer kleiner oder in anderen Worten ausgedrückt – sie wächst immer mehr zusammen. Grund hierfür ist die Globalisierung, die die nationalen Grenzen zumindest im Wirtschaftssektor immer mehr aufgehen lässt und die Vernetzung der Welt maßgeblich steigert. Hierfür spielt auch der digitale Wandel eine entscheidende Rolle, da durch die modernen Medien Echtzeitkommunikation rund um den Globus ermöglicht wurde.

Dies verändert natürlich auch die Wirtschaftszweige und macht internationale Kooperation umso entscheidender. Dies haben auch die Vertreter der Europäischen Union und Japans erkannt, als beide Seiten im Juli das Freihandelsabkommen Jefta unterzeichneten. Alle EU-Staaten gemeinsam bilden die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, während Japan die drittgrößte Volkswirtschaft besitzt. Gemeinsam haben beide Parteien mehr als 600 Millionen Einwohner, weshalb dieses Abkommen ebenfalls dafür ausgelegt wurde, Jobs zu schaffen und für ein langfristiges Wirtschaftswachstum zu sorgen. Doch wie genau wird Deutschland von dem neuen Abkommen profitieren können?

Vernetzte Welt
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Japan als wichtiger Handelspartner der EU und Deutschlands

Japan ist einer der wichtigsten Handelspartner der EU. Alleine im Jahre 2017 betrug das Handelsvolumen mehr als 128 Milliarden Euro. 600.000 Jobs sind direkt an die Exporte nach Japan gebunden und insgesamt exportieren mehr als 74.000 europäische Unternehmen Güter nach Japan. Für Japan ist Deutschland hierbei der wichtigste Handelspartner aller EU-Staaten.

Die bislang größten Exportschlager aus Deutschland sind Kraftwagen- und Kraftwagenteile, pharmazeutische Produkte, Maschinen und Datenverarbeitungsgeräte. Bei den wichtigsten japanischen Importen nach Deutschland gibt es viele Gemeinsamkeiten. Kraftwagen, Datenverarbeitungsgeräte und Maschinen sind ebenfalls die am meisten importierten Güter. Hinzu kommen chemische Erzeugnisse. Diese Deckungsgleichheit ist der Beliebtheit deutscher und japanischer Ingenieurskunst geschuldet. Im deutschen Alltag sind ebenfalls japanische Lebensmittel wie das berühmte Sushi beliebt.

Obwohl viele der Fische vor Ort gefangen werden, gibt es hier auch Originalimporte. Von 2016 auf 2017 wurde hier jedoch ein leichter Rückgang bei den Einfuhren festgestellt. Dies mag auch mit dem hohen Preisen zusammenhängen, denn Verbraucher müssen tief in die Tasche greifen, um die originalen japanischen Leckerbissen genießen zu können.

Die Effekte des Abkommens auf den Handel

Jefta wird die Preise für japanische Importe also senken können. Dies gilt nicht nur für Originalsushi, sondern auch den japanischen Wein Shochu, der auch in der Zukunft häufiger in den Regalen zu finden sein wird. Das Abkommen schafft nämlich die größte Barriere beim Handel – die Zölle – ab. Für japanische Importe waren neben Lebensmitteln auch andere Sektoren stark verzollt worden. So lagen Autoimporte bei 10 %, Chemikalien bei bis zu 5,5 % sowie elektronische Geräte bei bis zu 15 %.

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Auch umgekehrt fallen viele Barrieren für europäische Unternehmen, die im Jahre 2017 Zollgebühren von mehr als einer Milliarde Euro zahlen mussten. Bei den Ausfuhren lagen die Zollsätze bei Rindfleisch und Käse bei fast 40 %, Schokolade bei 30 %, und Wein bei 15 %. Genau diese Gebühren fallen nun weg. Konkret sind es 99 Prozent der japanischen Importe, die vom Zoll befreit werden und im Gegenzug werden 94 Prozent aller Exportzölle nach Japan ebenfalls aufgehoben. Dieser Wert soll sich in den nächsten Jahren ebenfalls auf 99 Prozent erhöhen.

Davon wird auch der Handel an der Börse profitieren können, da Investoren, Händler und Unternehmer ein größeres Vertrauen in den Euro und den Yen legen können. Das ist vor allem für den Forex-Markt interessant, bei dem Währungspaare verglichen werden und in jeweils eine der Währungen investiert werden kann. Man kann also erwarten, dass Währungspaare mit Euro oder Yen in naher Zukunft besondere Aufmerksamkeit bei den großen Devisenhändlern genießen können.

Obwohl die Weltwährung weiterhin der US-Dollar ist, kann ein direkter Handel zwischen den beiden Währungen hier für beide Seiten von Vorteil sein. Dies mag auch von Vorteil für deutsche Unternehmen sein, die in der größten europäischen Volkswirtschaft einen gehörigen Anteil am Erfolg des Euro haben.

Frachtcontainer
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Stark für die Wirtschaft – stark in der Symbolkraft

Das Freihandelsabkommen ist das größte, was jemals von der EU verabschiedet wurde. Ein wichtiger Grund lag natürlich bei den wirtschaftlichen Gesichtspunkten. So versprechen sich beide Seiten ein Wachstum ihrer Bruttoinlandsprodukte und eine Vergrößerung des Handelsvolumens. Alleine für Deutschland wird beim BIP mit einer Zunahme von 20 Milliarden Dollar jährlich gerechnet, was einer Erhöhung des BIP um 0,7 Prozent entspräche. Die Schaffung neuer Jobs und die Wettbewerbssteigerung europäischer und japanischer Unternehmen zählen ebenfalls zu den Beweggründen.

Neben den rein wirtschaftlichen Aspekten gab es jedoch auch andere Vorteile. Der Abschluss des Abkommens wurde nämlich auch beschleunigt, da das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA von amerikanischer Seite aus ausgesetzt wurde. Hinzu kommen die handelspolitischen Spannungen, die es weltweit zwischen den USA, China und der EU gibt.

In diesen Zeiten hat die EU daher ein gesteigertes Interesse daran, mit gleich gesinnten Wirtschaftsmächten zusammenzuarbeiten. Das Resultat dieses Ziels ist nun also Jefta, ein Abkommen, mit dem ein klares Signal gegen Protektionismus und ein Bekenntnis für einen weltweit freien Handel gesetzt wurde.

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Natalie Restole
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Justin

Hannah Behrens
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Moritz Behrr

RaNmA
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RaNmA

Super, Danke für den Artikel.