Von der Kunst des Stehlens: Der Dieb von Fuminori Nakamura

© Sodo Kawaguchi

Handlung

© akg-images

Sein Arbeitsplatz sind die übervollen U-Bahnen, die Menschenmengen auf Bahnhöfen und ähnlich undurchsichtige Szenarien. Dort fühlt er sich sicher, kann unbemerkt seinem Job nachgehen und danach in der Menge untertauchen als wäre er nie dagewesen. Mit geschmeidigen Bewegungen, die er gekonnt vor den Augen anderer verdeckt, bestiehlt er die Reichen Tokios.

Doch eines Tages sieht er in einem Supermarkt einen kleinen Jungen dasselbe versuchen, natürlich nicht so unauffällig wie der Dieb selbst. Der Ladendetektiv hat den Jungen schon im Visier, als der Dieb ihn warnt. Eine kleine Geste, die nicht ohne Folgen bleibt. Denn ab diesem Zeitpunkt lässt der Junge nicht mehr locker. Er folgt dem Dieb bis zu seiner Wohnung, verbringt ab da an immer wieder Zeit mit ihm und will auch das Stehlen von dem Dieb lernen.

Bis dahin hat er jeden näheren Kontakt zu anderen Menschen vermieden, hat als Einzelgänger gelebt und gearbeitet. Doch der Junge macht ihn zum ersten Mal seit langem wieder verletzlich und genau in diesem Moment holt ihn ein ehemaliger Boss aus seiner Vergangenheit ein und zwingt ihn wieder zu einem fast unmöglichen Job.

Über den Autor

In Tokai 1977 geboren, hat Fuminori Nakamura bis 2000 an der Universität Fukushima Öffentliche Verwaltung und Staatsverwaltung studiert. In Japan hat er bereits einige Romane veröffentlicht, mit denen er auch schon zahlreiche Preise erhalten hat. Als erstes seiner Werke ist Der Dieb nun auch auf Deutsch erhältlich. Fuminori Nakamura gibt als seine literarischen Einflüsse Franz Kafka und Fjodor Michailowitsch Dostojewski an.

Fazit 

Durch seine minimalistische Sprache und die genau erklärten Bewegungen, die der Dieb vollführt, entwickelt der Roman einen eigenen Sog beim Lesen. Sowohl der Dieb als auch der kleine Junge sind in dieser Geschichte eindeutig die beiden Sympathieträger. Man will im Verlauf des Buchs einfach nur, dass die beiden sich zusammen raufen und ihre Leben in die eigene Hand nehmen.

Doch dieser Roman lässt niemanden so einfach gehen. Düster und gewaltig bewegt sich der Dieb immer näher dem Abgrund zu und übertritt dabei seine selbst festgelegten Grenzen. Bis zur letzten Seite will man das vorher erahnte Ende nicht wahrhaben und hofft auf einen anderen Ausgang.

Kleine Mängel sind meiner Meinung nach die Namenlosigkeit des Protagonisten (es ist natürlich beabsichtigt, aber in dieser Geschichte stört es mich einfach etwas) oder die sehr vagen Andeutungen bezüglich seiner ehemaligen Freundin und dem Turm, den er immer wieder sieht. Aber über die kann man leicht hinweg lesen und sich von der intensiven Unterweltgeschichte aus Tokio unterhalten lassen.

Sowohl die gebundene Ausgabe als auch die Taschenbuch-Version sind beim Diogenes-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich.

Überblick der Kriterien
Inhalt
8
Aufbau
7
Unterhaltung
6
Junge Buchhändlerin aus Wien. Neben meiner Leidenschaft für die Literatur zocke ich gerne auf den unterschiedlichsten Konsolen, aber auch gerne Brettspiele. Erst spät auf Manga aufmerksam geworden, hat mein Bestand mittlerweile eine imposante Größe erreicht, die regelmäßig weiter wächst.