Religion in Japan ist eine komplizierte Sache. Oder doch eher eine sehr einfache? Japaner sind Buddhisten. Oder doch nicht? Da war doch diese Sache mit den Fuchsgottheiten… Im Prinzip sind die Japaner das, was ihnen gefällt, und glauben an die Götter, die ihnen zusagen. Wie genau funktioniert das?

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Die Sonnengöttin Amaterasu, die sich aus Kummer in einer Höhle versteckt und damit der Welt das Licht genommen hatte, wird von den anderen Göttern mit Tanz aus der Höhle hervorgelockt.

Die älteste Religion in Japan ist der Shintoismus. Das ist ein Naturglaube mit unheimlich vielen Gottheiten, den Kami. Prinzipiell kann alles eine Gottheit sein, ein Fluss, ein Tier, ein Baum, selbst in Haushaltsgegenständen können sich Gottheiten zeigen. Diese sind den Menschen mal mehr, mal weniger wohlgesonnen – der Reisgott Inari etwa, dessen Boten die Kitsune, Fuchsgeister, sind, spielt gerne auch mal derbe Streiche – und werden in ihnen geweihten Schreinen verehrt. Ihnen werden Opfergaben, oft in Form von Speisen, dargebracht. Inari soll ganz verrückt nach dem nach ihm benannten Inarizushi sein: Reis in frittierten Tofutaschen!

Eine weitere besondere Gottheit im Shinto ist Amaterasu. Diese strahlende, wunderschöne Göttin ist die Sonnengöttin, und gilt als Ahnherrin der japanischen Kaiserfamilie. Etwas, das jeder Japanfan mit Shinto verbindet, ist die Miko; eine junge Schreindienerin mit rotem Rock und weißem Übergewand, meist Schülerinnen, die sich so ein Taschengeld verdienen.

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© Lauris Ducasse

Aus China kam der Buddhismus nach Japan. Dieser ist etwas ernster, und befasst sich mehr mit dem Streben nach Erleuchtung und dem Jenseits als der Shintoismus. Auch hier gibt es verschiedene Götter, die Buddhas. Diese stellen, ähnlich wie die Gottheiten im Shinto, verschiedene Aspekte des menschlichen Lebens dar und können um Hilfe angerufen werden.

Die Ahnen sind im Buddhismus sehr wichtig, ihnen wird im Haus der Familie ein kleiner Altar gebaut, auf dem Räucherstäbchen angezündet und den Verstorbenen Speisen dargebracht werden. Die Familie bittet dabei um eine gute Wiedergeburt für ihre Verstorbenen, und an Schutz für sich selbst durch diese. Wenn man an den Buddhismus denkt, sieht man vor allem Mönche mit geschorenem Kopf vor sich, die in stiller Meditation beten.

Aber wie genau funktioniert das jetzt mit den Religionen? Wenn man sich die Zahlen anschaut, sind nämlich etwa 85% der Japaner Buddhisten, und über 90% sind Shintoisten. Die Japaner sehen das ganz entspannt. Sie sind nämlich fast alle beides. Sie feiern das neue Jahr zweimal, einmal am Tempel, einmal am Schrein. Ansonsten wird zumeist danach aufgeteilt, welche Religion man für welchen Lebensaspekt lieber mag; so feiert man alles, was mit dem Tod zutun hat, buddhistisch, weil der Buddhismus viel Hoffnung für das Leben nach dem Tod gibt, indem man wiedergeboren wird und die Erleuchtung erlangen kann. Shino hingegen bietet Riten für das Gedeihen von Pflanzen und eine gute Ernte, Schutz durch Naturgottheiten und generell viel Feiern, die auf das Leben ausgerichtet sind. Kaum ein Japaner heiratet etwa buddhistisch. Die Japaner nehmen sich also das beste von beiden Religionen, und verbinden es in ihrem Leben so, dass es ihnen am meisten Hoffnung und Freude gibt. Was für eine schöne, vollkommene Art der Religionsverständigung!

Übrigens erfreut sich auch das Christentum zu einer besonderen Gelegenheit großer Beliebtheit: zur Hochzeit. Viele wollen eine schöne Hochzeit in weiß! Hierfür muss man einige Wochen ein Seminar besuchen, schon ist man Christ und kann christlich heiraten. Strikte Christen gibt es wenige in Japan, die meisten gliedern es einfach in ihre Götterwelt mit ein. Bei Millionen von Göttern kann man auch noch einen mehr aufnehmen!

Ob dieser friedliche und tolerante Umgang mit Religion wohl einer der Gründe für die Gelassenheit und innere Balance der Japaner ist?

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