Im Buddhismus gibt es ein Pendant zum christlichen Fest Allerseelen. Wie bei uns besucht man an diesem Tag die Gräber verstorbener Verwandten und zündet ihnen Lichter an. Aber wie sieht darüber hinaus das Totenfest in Japan aus?

Das buddhistische Fest entstand nach der Sage folgendermaßen: Ein Schüler Buddhas sah beim Meditieren in einer Vision den Geist seiner Mutter, diese litt im Jenseits jedoch Qualen, was der Schüler nicht verstand, da er seine Mutter sehr liebte. Als er Buddha um Rat fragte, riet ihm dieser, an diesen bestimmten drei Tagen, den Geist seiner Mutter zu ehren, unter anderem, indem er den Mönchen Spenden zukommen ließ. Der Schüler befolgte den Rat und tatsächlich sah er nach Ablauf der Frist seine Mutter glücklich und zufrieden. Voller Freude tanzte der Schüler, weshalb auch Tänze heute noch essenziell zum Obonfest gehören.

Im Gegensatz zum Christentum ehren die Japaner ihre Ahnen mit einem dreitägigen Fest, das im Sommer stattfindet. Wegen der Unstimmigkeiten beim Übergang zum römischen Kalender ist man sich regional jedoch nicht ganz einig, und so findet das Fest teils vom 13.- 15. Juli, teils vom 13.- 15. August statt. Während dieser Zeit fährt man traditionellerweise zurück in die Heimatstadt zu den Eltern und Großeltern für eine gemütliche Zeit mit der Familie; im August fällt dies auch mit längeren Ferien zusammen. Die Familie besucht in dieser Zeit die Gräber verstorbener Verwandten, putzt und schmückt diese, traditionell mit selbst gesammelten Wildblumen.

In der Zeit des Obon, so glaubt man in Japan, kommen die Seelen der Ahnen aus dem Jenseits in die Welt, um ihre lebenden Verwandten zu besuchen. Um diesen Seelen sicher den Weg zum eigenen Haus zu geleiten, hängt man deshalb Laternen an die Tür oder zündet kleine Feuer im Garten an, an denen dann oft die Familie den warmen Sommerabend verbringt. Die Hausaltäre werden herausgeputzt und man bringt den Verstorbenen Speisen dar, am Hausaltar, sowie an den Tempeln. Familien basteln oft auch kleine Kühe und Pferde aus Gemüse, etwa Gurken, die die Ahnen sicher tragen sollen. Daran finden natürlich auch die Kleinsten ihren Spaß!

deviantart / Yasito1987

In der Zeit des Obon, die ja mitten im warmen Sommer liegt, gibt es viele Sommerfeste, die man aufgrund der Hitze typischerweise im Yukata, einem leichten Baumwollkimono, besucht. Bei diesen Festen sieht man die berühmten Obon-Tänze, die Bon-Odori. Regional im Detail unterschiedlich sind sie Gruppentänze, die meist um einen großen Aufbau aus Holz stattfinden, auf dem die Musiker stehen und spielen. Die Bon-Odori können Elemente beinhalten, die mit der Geschichte der Region zutun haben, zum Beispiel können Bewegungen darin vorkommen, die denen beim Fischen oder beim Bergbau ähneln.

Ist Obon zuende, müssen die Seelen der Ahnen natürlich wieder sicher zurück ins Jenseits gelangen. Zu diesem Zweck werden Laternen, teils aus Papier, in Seen, Flüsse und ins Meer gesetzt, die dann langsam davongleiten. Ein magischer Anblick! Es gibt riesige Feuer, an manchen Orten auch Fackelläufe. Das Feuer ist also ein wichtiges Mittel beim Kontakt mit den Seelen. Die vorher gebastelten Kühe und Pferde werden teils mit ins Wasser gesetzt, teils verbrannt, um die Seelen zurück zu begleiten und sie zu tragen. Der Abschied von den verstorbenen Lieben fällt natürlich nicht immer leicht, aber man weiß die Seelen jetzt zufrieden und glücklich!

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