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©Kölnsynchron

Nachdem wir bereits ein Interview führen durften und erfahren haben wie es eigentlich in der Anime- oder in der Synchronsprecher-Branche aussieht, folgt heute ein interessantes Gespräch mit einem Synchronstudio.

Vielen Dank an Kölnsynchron, die uns mit großem Eifer unsere Fragen über ihr Synchronstudio beantwortet haben. Unsere Fragen sind wie immer hervorgehoben mit der passenden Antwort unterhalb.

Japaniac: Wie viele Sessions dauert meistens die Vertonung einer Episode? Wie lang geht eine Session meist?

Üblicherweise werden die Episoden nicht einzeln aufgenommen, sondern in Blöcken. Im Idealfall bearbeiten wir beispielsweise eine 12-teilige Anime-Serie am Stück. Dann hat der Regisseur definitiv die komplette Geschichte gesehen und auch der oder die Autoren sind voll im Bilde über die Entwicklungen. So vermeiden sich Fehler am leichtesten und auch die Planung sowie Disposition der Schauspieler, Techniker, Cutter etc. wird vereinfacht.

Es kam aber auch schon vor, dass für die erste Volume der Heimveröffentlichung, welche oft aus 3-4 Episoden besteht, eben diese Folgen vorproduziert werden müssen, um den angedachten VÖ-Termin einzuhalten.

Bei Serien sollte man schon nicht mehr als 35 Takes die Stunde anrechnen und ein Aufnahmetag (also eine Tages-Session) besteht normalerweise aus acht Arbeitsstunden. Man macht also, wenn alles total reibungslos abläuft, im Durchschnitt um die 280 Takes am Tag. Ein Take sollte nicht länger als 6 Sekunden sein. Erfahrungsgemäß, wenn ordentlich gearbeitet wird, durchschnittlich 4-5 Sekunden bei Anime. Ausgenommen Atmer, Laute, Schreie etc. oder Gedankenstimmen aus dem Off. Die dürfen auch mal länger sein.

Obwohl es sehr auf die Produktion ankommt, bewegt es sich bei Anime häufig um die 350 Takes pro Folge. So gesehen, könnte man also theoretisch in ca. 2 Tagen eine typische Folge synchronisieren. Das ist aber, wie gesagt, unüblich aus diversen Gründen. Die Sessions mit den einzelnen Schauspielern sind nur sehr ungern länger als vier Stunden. Dann ist schon mal die Luft raus. Ein Hauptrollensprecher muss also für eine ganze Serie mehrmals im Atelier erscheinen. Auch große Nebenrollen frühstückt man logischerweise nur selten in einer Session ab.

Ganz davon abgesehen, dass viele Tage und Wochen Arbeit in die Vorproduktion fließen, bevor nur ans Aufnehmen gedacht werden kann.

Japaniac: Wie viele Tage sitzt man mit den verschiedenen Synchronsprechern im Studio, bis alle Sessions aufgenommen sind?

Das kann in 2-3 Wochen erledigt sein, aber dauert gern auch mal 4-5. Je nach Umfang und Terminlage. Bis aus den rohen Aufnahmen dann aber fertige deutsch synchronisierte Episoden werden, dauert es noch eine Weile.

Japaniac: Wie viel Tage vor Release beginnen meistens die Aufnahmen?

Wie gesagt, gern so früh wie möglich. Aber das ist recht unterschiedlich. Es kann auch vorkommen, dass der Auftrag für eine Synchronisation erst wenige Wochen vor Release vergeben wird. Erst wenn ein Cast steht, die Rohübersetzung und Synchronbücher fertig sind, die Folgen eingetaked, mit der Redaktion alles abgesprochen und disponiert ist, geht es überhaupt in die Aufnahme. Danach stehen noch Post-Cut, Mischung und Abnahme an. Manchmal ist die Synchronisation längst im Kasten, wenn die letzte Volume noch lange nicht veröffentlicht wurde und manchmal muss mit der heißen Nadel gestrickt werden.

Japaniac: Wenden Sie, als Studio, sich auch an die Publisher oder warten Sie auf Anfragen? Kommt es auch vor, dass mal keine Arbeit da ist?

Wenn man sich noch nicht kennt, stellt man sich vor. Das ist nicht unüblich. Sich als Synchronfirma auf spezielle Projekte bewerben hingegen schon. Meist weiß ja auch niemand, was eingekauft wurde.

Normalerweise gibt es dann seitens des Publishers eine Ausschreibung, wo mehrere infrage kommende Synchronfirmen um ein Angebot für die jeweilige Produktion gebeten werden. Oder der Publisher kommt direkt auf uns mit einer Produktion zu, ohne Ausschreibung. Das heißt aber dann nicht unbedingt, dass man sich auch immer einig wird. Sei es z.B. aus terminlichen oder Gründen betreffend des Budgets.

Und ja, dann kann es auch vorkommen, dass man nicht zu 100% ausgelastet ist.

Japaniac: Wie entscheiden Sie welche Sprecher für die Rollen geeignet sind? Oder haben Sie darauf überhaupt Einfluss?

Regie und Aufnahmeleitung schauen sich die Produktion an, um ein Gefühl für die Rollen, ihre Eigenschaften und die Geschichte selbst zu bekommen. Jede Produktion hat irgendwo ihr eigenes Timbre und wenn man meint dies gefunden zu haben, werden Besetzungsvorschläge gesammelt. Die wichtigsten Rollen werden dann normalerweise mit der Redaktion des Publishers abgestimmt. Da der Synchronmarkt insgesamt derzeit boomt, sind natürlich leider nicht immer alle gewünschten Stimmen verfügbar. Oder es gibt Schauspieler, die einfach kein Interesse haben.

Wir von Kölnsynchron setzen aber immer alles daran, dass die Vision, die wir für eine Serie oder einen Film verfolgen, möglichst auch Wirklichkeit werden zu lassen. In unseren Augen bisher auch gelungen!

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Japaniac: Hat ein Studio nur gewisse Sprecher zur Verfügung oder können alle Synchronsprecher, die es auf dem Markt gibt, genommen werden?

Das ist vor allem eine Frage des Budgets. Wie gesagt, abgesehen von Wenigen die z.B. Anime oder spezifische Genres nicht synchronisieren wollen, stehen einem da in der Theorie alle Türen offen. In der Realität sind Synchronfirmen aber auch stark auf einen gesunden, lokalen Pool angewiesen.

Sprecher einfliegen oder die Produktion in eine andere Synchronstadt auslagern, ist mit Kosten und zeitlichem Mehraufwand verbunden. Das muss sich für die Publisher dann schon lohnen. Wir sind der Ansicht, dass sich Qualität auszahlt, egal woher die Schauspieler stammen. Namedropping ist cool, aber sollte trotzdem Substanz haben.

Japaniac: Wie kommt man auf die Idee ein Synchronstudio zu werden? Mit welchen Zielen wolltet Ihr das?

Es war schon lange ein Traum von uns, eigene deutsche Adaptionen von Filmen und Serien anzufertigen. Wir hatten das Know-how aus langjähriger Erfahrung und wollten auch den Kölner Raum erweitern.

Wir haben trotz eines Faibles für Leichtigkeit einen hohen Anspruch an Synchronisation und wollen Adaptionen auf den Markt bringen, die wir selbst cool finden.

Japaniac: Gibt es eine Erfahrung, die Ihnen bei Ihrem Beruf besonders in Erinnerung geblieben ist?

Wir hatten schon das Vergnügen mit einigen Instanzen der Zunft, also richtigen Originalen zu arbeiten. Da gibt es viele bewundernswerte Menschen mit tollen Geschichten.
Immer wenn ein Schauspieler die perfekte Nuance trifft oder man am Ende sieht und hört was da in Teamarbeit erfolgreich erschaffen wurde, ist das eine tolle Erfahrung.

Japaniac: Wie genau sind die Abläufe und wie viel Zeit geht meistens dafür drauf (Aufnahme, Schnitt, Nachbearbeitung)?

Als Beispiel: Üblicherweise wird zuerst das gesamte Material gesichtet, um den Umfang zu erfassen und den Ablauf zu planen. Gleichzeitig wird eine Rohübersetzung angefertigt, falls der Kunde diese nicht mitliefert.

Auf Basis derer fängt der jeweilige Autor, oder möglicherweise auch mehrere Autoren mit dem Texten der Synchronbücher an. So eine typische Anime-Folge braucht bei vernünftiger Bearbeitung ca. 3-4 Tage. Sollte wenig gesprochen werden auch mal weniger.

Die Bücher werden dann von der Redaktion des Publishers abgenommen und eventuell redigiert. Bei mehreren Autoren kann das hilfreich sein, wenn neben dem Regisseur ein weiteres paar Augen auf Kontinuität achtet.

Ist ein Buch fertig geht es für den Synchroncutter zum eintaken. Die Aufnahmeleitung besetzt derweil in Absprache mit Regie und Redaktion durch und weiß anhand der Takes wie die Schauspieler und Techniker disponiert werden müssen. Mit der Redaktion werden dann auch Namensgebung, Begriffe, Aussprachen etc. geklärt. Im Idealfall läuft das alles parallel ab, so dass es möglich ist nach ca. ein, zwei Monaten in die Aufnahme zu gehen.
Schauspieler, Regisseur, Tontechniker und, bei seriösen Synchronfirmen ein Atelier-Cutter, gehen dann in die Aufnahme. Redakteure sind bei Anime-Serien meist nicht in der Aufnahme dabei.

Mit dem aufgenommenen Material geht dann ein Cutter zum Schnitt über. Dort werden die einzelnen Takes gesäubert und noch mal im Detail perfektioniert. Hier setzt sich das Puzzle eigentlich erst richtig zusammen.

Letztlich werden die geschnittenen Takes vom Mischtonmeister dann abgemischt und die fertige deutsche Tonspur wird geprüft und dann von der Redaktion abgenommen.
Die Post-Produktion einer 12-teiligen Serie nimmt oft ca. ebenfalls ein bis zwei Monate ein.

Japaniac: Gab es schon Momente wo Stimmen am Anfang als passend erachtet wurden und während den Aufnahmen das Gegenteil festgestellt wurde? Wenn ja, wie wurde damit umgegangen?

Unpassend nicht 😀 Die höchstseltenen Umbesetzungen haben eigentlich andere Gründe. Wobei das in einem Fall innerhalb des Teams vielleicht mal für Diskussion gesorgt hat 😉
Es gab mal einen anderen Fall, wo eine Nebenrolle umbesetzt wurde, obwohl sie schon im Kasten war. Aufgrund einer neuen Information über die Rolle. Das war dann eine rein stilistische Entscheidung.

Wir gehen, wie gesagt, bereits im Vorfeld mit einer gewissen Vorstellung an das Casting ran. Am allerliebsten mit Vogelfreiheit natürlich.

Japaniac: Gibt es eine Synchronisation, die Ihr selbst am Ende als schlecht gelungen empfunden habt?

Es kommt schon mal vor, dass man sich nach getaner Arbeit über ein unbemerktes Anschluss-Fehlerchen ärgert oder die 110 prozentige Formulierung erst in den Denkkasten flattert, wenn es schon zu spät ist. Aber das passiert den Besten.

Hätte man unendlich Zeit, könnte man sich wohl ewig mit winzigen Details aufhalten, aber irgendwann will mit dem Produkt auch an den Markt gegangen werden. Wir sind schon ganz happy!

Wir bedanken uns bei Kölnsynchron für das Interview. Wer Kölnsynchron noch nicht kennt, der findet unterhalb eine Auswahl an Filmen und Anime aus ihrem Hause.

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Stellvertretender Chefredakteur bei Japaniac. Zuständig für Gewinnspiele oder andere Specials. In meiner Freizeit habe ich nichts gegen eine entspannte Runde an der Konsole. Leidenschaftlicher Anime-Fan und nerdiger Otaku seit mehreren Jahren.

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Hat Spaß gemacht! 🙂