Gullydeckel

Wenn man über Japan nachdenkt, kommen einem viele Themen in den Sinn. Anime, Manga, Tempel, der Fuji, Kirschblüten, Samurai und Ninja. Ja, sogar Fukushima, Hiroshima und Nagasaki. Aber ein Thema bleibt oft im Verborgenen – die Schönheit von Gullydeckeln!

In Deutschland sind Gullydeckel oftmals mit einem einfachen Muster oder dem Wappen der Stadt verziert. Doch mehr kommt dabei auch nicht raus, sodass wir diese kaum beachten. In Japan jedoch kann man nahezu in jeder Stadt Straßen mit wunderschön verzierten Deckeln finden, die teilweise sogar farbig sind. Als Motive finden sich auch hier Wappen, aber auch Naturelemente und mythische Figuren wie den Kappa. Auch Wahrzeichen werden gerne als Motiv genommen.

Insgesamt gibt es über 6000 solcher verzierten Gullydeckel. Diese werden von den Kommunen gestaltet und eingesetzt. Manche der Deckel stammen von örtlichen Künstlern oder wurden über einen Design-Wettbewerb ausgewählt. Doch all das begann erstmals in den 80er Jahren.

Wie kam es zu dem Trend?

Seit dem 15. Jahrhundert wurden in Japan Fäkalien aus häuslichen Klärgruben als Dünger verwendet. Ähnlich war es in Europa mit dem Plumpsklo. Ein Abwassersystem gab es nämlich noch nicht in Japan. Das hat sich über die nächsten Jahrhunderte nicht wirklich geändert. Erst als aufgrund des Wirtschaftswunders nach dem zweiten Weltkrieg die Population kräftig anstieg und Wasser immer knapper wurde, musste eine neue Lösung her, um Wasser zu recyceln.

Das Kanalisationsgesetz von 1970 sollte eine nationale Lösung bieten, die auch entlegene Gebiete mit Abwassersystemen versorgt. Als in den 80ern die ländlichen Gegenden an der Reihe waren, kam der Regierung großer Widerstand entgegen. Es gab verschiedene Gründe von Kostenfaktoren bis hin zu einer großen Baustellenlandschaft. Ein Regierungsbeamter kam dann auf eine Idee, um die Dörfer zu besänftigen. Dörfer könnte das Design von Gullydeckeln, welches bis dahin eher einheitlich und langweilig war, selbst bestimmen und so den lokalen Charakter einbinden. Seither entstanden immer mehr dieser kunstvollen Gullydeckel.

Bisherige Entwicklung

Das alles ging sogar so weit, dass heute die Japanische Gesellschaft für Gullydeckel-Motive existiert, um über das nationale Kunstprojekt zu wachen. Es gibt sogar ein Sammelbuch mit diversen Fotografien zu den Gullydeckeln von Remo Camerota namens „Drainspotting: Japanese Manhole Covers“.

B06304 04 680x453Seit wenigen Jahren gibt es sogar in Kawagoe (Präfektur Saitama) eine Ausstellung diverser Gullydeckelmotive aus ganz Japan. Über 3.000 Besucher waren beim letzten Ausstellungstag zu Besuch. Wem das nicht reicht, der kann auch die offiziellen Sammelkarten zu den einzelnen Gullydeckeln kaufen! Über 170 verschiedene Karten gibt es, die die genaue Position des jeweiligen Deckelkunstwerks angeben.

B06304 05 680x454

Wir möchten dir hier ein paar der Deckeldesigns vorstellen:

Werbung
Ehemals studierte ich Japanologie und Sinologie in Frankfurt. Mittlerweile bin ich im (Online-)Marketing international aktiv und leite den Japan-Bereich der EpicCon (epiccon.de). Japaniac startete als Hobby, um meine Zuneigung zur japanischen Kultur auszuleben. Dabei werde ich von Gleichgesinnten unterstützt!
avatar
2000

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Baumkuchen
Gast
Baumkuchen

Man kann die Deckeldesigns am Smartphone leider nicht abrufen… zumindest ich kann es nicht. ._.
Aber sonst… schöne Sache. xD
Jetzt hätte ich gerne selbst so einen Gullideckel… qwq