Wenn man an das historische Japan denkt, kommen als allererstes Samurai in den Sinn. Wer genau waren sie und was für ein Leben führte man als Angehöriger der Samurai-Klasse?

Die Herkunft der Samurai

Im Japanischen wurden die Samurai zuerst meist als Bushi oder Buke (Krieger) bezeichnet, das Wort Samurai stammt vom Wort saburau („einem Adligen in hoher Position dienen“) ab, weswegen sich der Begriff Samurai erst relativ spät gegenüber dem gebräuchlicheren Saburai durchsetzte. Sie bildeten die Kriegerkaste im historischen Japan, die in dieser Form um das 7. Jahrhundert entstand und selbst zu einer Adelsklasse, dem Schwertadel, wurde. Zu ihrer Blütezeit gehörten etwa 10% der Japaner der Samuraiklasse an!

Das Aussehen des Schwertadels

drei Samurai in Rüstung
oocities.org

Wie sahen Samurai aus? Auch wenn man bei dem Wort Krieger an große Männer denkt: die Japaner waren damals eher klein. Die Durchschnittsgröße lag zwischen 1,60 und 1,65 m. Bärte waren meist beliebt, besonders Schnurrbärte galten als Zeichen von Männlichkeit und gaben für die anderen Japaner, deren Bartwuchs meist eher spärlich war, einen beeindruckenden Anblick ab. Zu einigen Zeiten wiederum neigte die Mode mehr zu rasierten Männern.

Samurai und ihre Haarpracht

Ein Wahrzeichen von Samurai, wenn auch nicht ausschließlich ihnen vorbehalten, war der Haarknoten, bei dem das Haar oben auf dem hinteren Teil des Kopfes zusammengebunden wurde. Üblicherweise wurde das Haar mittig auf dem Kopf von der Stirn an bis hin zum Haarknoten in einem breiten Streifen rasiert; diese Tradition entstand wohl, weil es die Bequemlichkeit beim Tragen eines Helms erhöhte. In der Popkultur, etwa in Manga und Anime, ist das Fehlen dieser Rasur bei einem Samurai ein Zeichen dafür, dass er ein Ronin ist, also ein Samurai ohne Herrn; wegen der Notwendigkeit eines Herrn zum Erreichen des absoluten Lebensziels für Samurai ein Status, der dem eines Streuners vergleichbar ist.

Die Samurai-Rüstung

Die Kleidung eines Samurai war typischerweise der Kimono (für die Männer in gedeckten Farben, um nicht als verweichlicht und eitel zu gelten, für ihre Ehefrauen ausgefallener, je nach dem sozialen Stand ihres Ehemannes). Um sich einfacher bewegen zu können, oder als Schutz bei Kälte und schlechtem Wetter, etwa auf Reisen, trug der Samurai zweigeteilte Kleidung, genannt kamishimo, über seinem Kimono, bestehend aus Hakama (weite Hosen) und entweder Kataginu (ärmellose Jacke mit oft auffälligen Schultern) oder Haori (Jacke mit weiten Ärmeln).

Der Status als Samurai

Samurai waren sehr gebildet und ausgebildet. Oft wurden Söhne für einige Jahre in buddhistische Klöster geschickt, wo sie von den Mönchen in verschiedenen Bereichen, unter anderem lesen und schreiben, Poesie, Geschichte, Mathematik, Meditation und Kampfkunst unterrichtet wurden. Nicht zuletzt deswegen waren die Samurai mit verantwortlich für das Entstehen vieler Bereiche der japanischen Kultur, deren Ursprung in China liegt, wie etwa Kalligraphie, Teezeremonie, verschiedene Zeichentechniken, Poesie und die Kunst der Formung von Steingärten. All diese Disziplinen galten auch im Erwachsenenalter als lobenswerte Freizeitbeschäftigungen.

Katana in Museum

Samurai durften wegen ihres Status’ auch in der Stadt offen Waffen tragen. Zeichen ihres Ranges war vor allem ihr Schwerterpaar. Das bekanntere der beiden Schwerter, das Katana, war ein japanisches Langschwert, begleitet wurde es von einem Kurzschwert, dem Daisho, welches ausschließlich Samurai tragen durften. Ein Samurai durfte von diesen Schwertern übrigens gegenüber den niedrigsten sozialen Klassen meist ungestraft Gebrauch machen … neben den Schwertern übten sich die Samurai auch im Kampf mit den vielfältigsten Waffenarten, wie etwa dem Bogen, Speeren und vielem anderen.

flickr / ewan.osullivan
flickr / ewan.osullivan

Wer einmal die volle Rüstung eines Samurai gesehen hat, vergisst sie so schnell nicht wieder. Während sie zuerst aus vielen verbundenen kleinen Schuppen aus Leder oder Eisen bestand, brauchte man ab der Einführung von Feuerwaffen robusteren Schutz, woraufhin Plattenrüstungen aus Eisen benutzt wurden. Auffällig an diesen Rüstungen sind vor allem ihr Helm (Kabuto), der einen ausgiebigen Nackenschutz hat und sich durch kunstvolle Verzierungen mit Familienwappen, Blumenmotiven oder sogar Hörnern auszeichnet, und die Gesichtsmaske (Mengu oder Mempo), die sowohl schützen als auch den Gegner einschüchtern soll und deswegen mit wütenden Grimassen, Schnurrbärten und gefletschten Zähnen ausgestattet sein kann.

Das Leben als Samurai

Die Samurai lebten nach einem strengen Ehrenkodex, dem Bushido. Dieser „Weg des Kriegers“ bezeichnet es als höchste Pflicht des Samurai, gerecht und tapfer, auch im Angesicht des Todes, vor allem aber aufopferungsvoll und loyal gegenüber dem Lehnsherrn zu sein. Diese Loyalität ist unabänderlich, selbst wenn das bedeutet für den Herrn zu sterben. Schande über den eigenen Namen und damit über den des Herrn zu bringen ist schrecklich, und kann selbst für weitere Generationen zu Schmach führen.

Deswegen gehörte zum Bushido auch der rituelle Selbstmord, Seppuku, der Kriegern oft auch als Alternative zur Exekution gewährt wurde, um die Ehre der Familie wiederherzustellen; Seppuku verlangte Mut, Loyalität und Aufopferungsbereitschaft, die großen Tugenden des Bushido. Nach einer meditativen Vorbereitung tötete sich der Samurai durch idealerweise präzise ausgeführte Schnitte in den Bauch; ein Gehilfe stand bereit, um ihn zu enthaupten, wenn er diese Schnitte nicht weiter ausführen konnte. Auch die Frauen der Samurai kannten rituellen Selbstmord, bei ihnen als Jigai bezeichnet und, schneller und weniger schmerzhaft als bei den Männern, mit einem Messer am Hals ausgeführt.

Die Frauenrolle dieser Zeit

Auch die Frauen der Samurai mussten der Familie Ehre bringen können. Ehen wurden damals arrangiert, vor allem über einen Mittelsmann, der idealerweise einen höheren Rang hatte als der Bräutigam, oft ein Vorgesetzter oder ein Freund der Familie. Dabei wurden Absprachen mit den Eltern der Braut getroffen, die Eheleute selbst sprachen vor der Hochzeit kaum miteinander. Eine Ehefrau sollte idealerweise aufopferungsvoll, bescheiden, dem Mann gegenüber gehorsam und loyal sein. Ihre Aufgaben waren vor allem die Beaufsichtigung des Haushalts und das Erziehen der Kinder, oft aber auch die Unterweisung der Bediensteten und, in gefährlichen Situationen, sogar die Verteidigung des Hauses und der Kinder. Deswegen wurden Mädchen nicht selten im Umgang mit dem Naginata, einer Stangenwaffe, oder mit besonderen Messern unterrichtet. Dem eigenen Mann untertan, aber ansonsten nicht grade wehrlos! Es gab sogar – wenn auch besonders in späterer Zeit eher selten – weibliche Samurai! Diese wurden Onna-bugeisha genannt und kämpften meist mit Naginata.

Es gab sogar westliche, also europäische, Samurai! Dieser Ehrentitel wurde vom Shogun sehr selten und nur zu ganz besonderen Gelegenheiten verliehen. Die Geschichte aus „The last Samurai“ ist aber trotzdem lediglich Fiktion!

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2000

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RaNmA
Gast
RaNmA

Wieder Super Artikel, macht weiter so!