Wir berichteten bereits vor einigen Wochen, dass der deutsche Publisher Reprodukt zwei Werke von Star-Autor Shigeru Mizuki veröffentlichen wird. Im Rahmen einer Produktrezension stellen wir euch heute die Graphic Novel Hitler aus dem Jahre 1971 vor.

Seit April diesen Jahres ist die Graphic Novel offiziell auch in Deutschland erhältlich. Neben dem bekannten Inhalt aus Japan, ergänzte die Redaktion ein ausführliches Vorwort des Autoren und Journalisten Jens Balzer sowie ein weiteres Nachwort.

Wir bedanken uns zudem herzlich für das ausgegebene Rezensionsexemplar.

Handlung

In insgesamt siebzehn Kapitel auf über 270 Seiten porträtiert Kriegsüberlebender und Mangaka Shigeru Mizuki die historische Figur Adolf Hitler. Dabei kommen politisch belegte wie auch interpretierte Inhalte zusammen.

Der junge Hitler erhält keinen Zugang zu einer Kunsthochschule. Doch stattdessen erweitert er, unter Größenwahn leidend, stetig sein Interesse an der Politik. Insbesondere die Folgen des Versailler Vertrages und den Ausgang des vorangegangen, ersten Weltkriegs belasten den jungen Österreicher sehr.

Während er zu Beginn noch als Obdachloser in Wien lebt, soll er bereits zehn Jahre später Vorsitzender der stärksten Kraft im deutschen Reichstag sein. Weitere zehn Jahre danach übernimmt Hitler auch das Amt des deutschen Reichskanzlers und wird schließlich Deutschlands mächtigster Mann werden.

Das vorliegende Werk fasst in Kürze bedeutende Etappen von Hitlers politischem Aufstieg in Deutschland zusammen. Aufgrund des gegebenen Platzes, erweist sich die Geschichte jedoch als recht episodenhaft und gibt daher nur einen groben Überblick über das damalige Zeitgeschehen wieder.

Weiterhin sollte angemerkt werden, dass einige dargestellte Details im Originalwerk – aus heutiger Sicht – als unwahr angenommen werden. Autor Mizuki konnte dies 1971 dem vorliegenden Recherchematerial natürlich nicht entnehmen. Die Redaktion von Reprodukt bemühte sich allerdings um eine historisch korrekte Aufbereitung und erläutert dies im Vorwort offenkundig.

Japaniac vergibt aufgrund der beschriebenen Umstände 7,0 Punkte für die Handlung.

Zeichenstil

Auch die Illustrationen stechen aus der Maße der heutigen Manga deutlich hervor. Das Innenleben des Buches erinnert nicht an einen japanischen Comic, sondern vielmehr an eine Sammlung von Karikaturen.

Mit beeindruckendem Geschick schafft Mizuki es die ernste Thematik mit einigen humoristischen Elementen zu veredeln, ohne diese dabei zu beschönigen. Stilsicher im Umgang mit Ironie ergänzen sich auch Text und Bild in diesem Zusammenhang formidabel.

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Großflächige Illustrationen bringen zudem Abwechslung in die ansonsten überwiegend sehr kleinen Panel. Historische Bauten übernahm der Autor und Zeichner originalgetreu in die Geschichte, so wird zum Beispiel das Brandenburger-Tor in Berlin um 1938 dargestellt.

Den zeitgemäßen wie ebenso einzigartigen Zeichenstil honorieren wir ebenfalls mit 7,0 Punkten.

Perspektive

Gn Hitler
GEKIGA HITTORÂ © 2019 Mizuki Production © 2019 Reprodukt

Grundlegend führt ein Erzähler durch die gesamte Handlung und erklärt die wichtigsten Etappen zur Machtergreifung Hitlers in chronologischer Reihenfolge. Nach diesen Einleitungen folgen jeweils ein paar Dialoge zwischen Hitler und dessen Funktionären.

Auch weitere Persönlichkeiten des Nationalsozialismus wie Himmler, Heß, Göring und Göbels vernachlässigt dieses Werk nicht. Ebenso wenig wie den damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Die Graphic Novel stellt somit auch den Personenkreis um Hitler dar.

Die eingängige Perspektive bewerten wir abschließend mit 8,5 Punkten. Insgesamt lässt sich eine sehr gute, allerdings zu limitierte Atmosphäre feststellen. Dieser Trend durchzieht leider den kompletten Band.

Fazit

Reprodukt bringt mit Hitler wohl wahrlich ein sehr spezielles Produkt auf den deutschen Markt. Auch die Leserschaft abseits der Manga-Community findet sicherlich Gefallen an der durch Mizuki gestalteten Biografie.

Bedingt durch den episodischen Rahmen der Geschichte, überzeugte diese nur bedingt. Das Highlight liegt hierbei klar auf dem Entstehungshintergrund. So sollte angemerkt werden, dass gerade die persönliche Biografie des Autoren und Illustratoren zum Wert des Gesamtwerks entscheidend beiträgt.

Durchaus lässt sich das vorliegende Buch als Aufzeichnung, im wahrsten Sinne des Wortes, durch einen Zeitzeugen betrachten und kann somit durchaus als lesenswert betrachtet werden – trotz der etwaigen, inhaltlichen Schwächen.

Die Leser erwartet außerdem eine recht hochwertige Aufmachung im Format von 14,8 × 21 cm, inklusive einer Klappenbroschur im Softcover. Der Druck in ohne erkennbare Fehler. Zudem stellt der Verlag auf seiner Website einige Auszüge als Leseprobe bereit.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Handlung
7,0
Zeichenstil
7,0
Perspektive
8,5
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2000

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