Ja, auch wir von Japaniac geben uns jetzt mal den Reviews für DVDs und Blu-rays hin. Dafür haben wir vom Independentlabel KSM die erste Volume mit insgesamt acht Episoden von Fullmetal Alchemist: Brotherhood zur Verfügung gestellt bekommen.

Wer jetzt aber Lobeshymnen als Dank erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Ich werde mit aller Strenge diese Blu-ray bewerten und euch dann mitteilen, ob sich ein Kauf lohnt!

Zunächst einmal eine kurze Erklärung zur Bewertung. Die Themen „Handlung“ und „Unterhaltungsfaktor“ fließen nicht in die Bewertung am Ende ein, da es sich hier um subjektiv zu betrachtende Punkte handelt. Da jeder Mensch ein anderes Genre bevorzugt, kann hier einfach keine allgemeine Bewertung erfolgen.

Die restlichen vier Kategorien bekommen je eine Punktzahl zwischen 0–10, sodass am Ende ein Durchschnitt von satten 10 möglich ist. Also, fangen wir an!

Der Inhalt

Da ich nicht die ganze Verpackung bekommen habe, muss ich mich auf den Inhalt der Blu-ray beschränken. Anfangs kommen natürlich die typischen Logos und Hinweise wie Copyright usw. Doch dann erscheint plötzlich eine Marvel-Werbung, bei der ich erst dachte: „WTF?“

Danach kommt man endlich zum Menü. Dieses ist mit Musik und hochauflösenden Anime-Szenen im Hintergrund untermalt. Das wirkt schon mal wesentlich besser als manch Standbild-Menü, das auch noch pixelig ist. Dagegen wirken die vier Menüpunkte „Alle abspielen“, „Episoden“, „Sprachen“ und „Extras“ eher dürftig.

Die ersten beiden Menüpunkte verstehen sich von selbst. Jedoch war ich positiv überrascht, als ich unter Sprachen auch Japanisch fand. Ich persönlich bin eher der Fan japanischer Synchronisation, aber dazu später mehr. Bei den Extras konnte man schon Brauchbares finden. Da hätten wir z.B. das Opening und das Ending, die aber leider ohne Liedtext als Untertitel zu sehen sind. Vielleicht waren hier die Lizenzgeber strikt und haben es verboten.

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Edward setzt gerade Alchemie ein.

Auch eine Bildergalerie ist vorhanden, wobei diese eine einfache Diashow ist. Das Feature hätte man sich getrost schenken können. Auch den Punkt „Trailer“ kann man nur wirklich genießen, wenn man Marvel-Fan ist. Denn, ihr ahnt es vielleicht schon, die Trailer sind allesamt von Marvel-Filmen. Und das auf einer Anime-Disc …

Wie bei vielen Anime-Blu-rays sind auch hier zwei Miniclips als Special-Episoden vorhanden. Diese nennen sich scherzhaft „Die Fullmetal Kleinkunstbühne“, welche einen eher vereinfachten Zeichenstil enthält. Dieser wird auch bei Comedy-Szenen im richtigen Anime verwendet.

Mit acht Episoden, die je etwa 25 Minuten dauern, hat man so über drei Stunden Anime-Material, wenn man Opening, Ending und Preview mitrechnet.

Aufgrund der nutzlosen Trailer und der lahmen Diashow bekommt der Inhalt jedoch nur eine Wertung von 7,4.

Die Handlung

Ich schäme mich ehrlich gesagt, es zuzugeben, aber ich habe vorher noch nie FMA geschaut. Und das, obwohl ich bereits über 300 Anime im Laufe meines Lebens eingesaugt habe. Doch dieser wurde mir einfach zu sehr gehypt. Kennt ihr das, wenn ein Anime wie Shingeki no Kyojin oder Sword Art Online einen solchen Hype auslöst, dass ihr ihn aus Protest nicht schauen wollt? Nun, das war bei mir mit FMA.

Dabei ist die Handlung sehr interessant gestaltet. Die Geschichte spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in einem alternativen Universum, wo die Alchemie einen höheren Stellenwert hat und tatsächlich funktioniert. In dieser kann man Alchemie nahezu mit Magie gleichsetzen, wobei Alchemie einigen Regeln unterliegt. Diese Regeln bringen einen gewissen Realismus in den Anime, der einen schönen Kontrast bringt.

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Die Brüder Alphones (links) und Edward (rechts) sitzen entspannt im Zug.

Jedenfalls handelt alles von den beiden Brüdern Edward (auch Ed) und Alphonse (auch Al) Elric, die aufgrund tragischer Ereignisse den Stein der Weisen suchen. Wer jetzt an Harry Potter denkt, wird wohl nicht der Einzige sein. Übrigens ergibt jetzt auch der Teil „Brotherhood“ im Namen Sinn … Nur so am Rande.

Die Brüder erleben auf ihrer Suche die Kontroversen, die eine Macht wie die Alchemie erzeugen kann. Aufgrund der Altersbeschränkung FSK 16 kann man hier auch mit Blut, Gewalt und verstörenden Handlungssträngen rechnen.

Insgesamt fand ich die bisherigen acht Episoden sehr spannend und abwechslungsreich. Die Geschichte ist mit Fantasy + Realismus eine erfrischende Abwechslung zum ständigen Ecchi+Romance, Ecchi+Commedy oder Ecchi+Ecchi, der in den letzten Anime-Seasons verstärkt auftrat. Denkt daran: Diesen Abschnitt bewerte ich nicht.

Die Qualität

Mit der Qualität ist die allgemeine und grafische Verarbeitung der Episoden gemeint. Da alle Episoden ein Opening, ein Ending und die Preview für die nächste Episode besitzen, kann man sich hier nicht beschweren. Auch die Szenen, die im japanischen Fernsehen die Werbung einläuten, wurden dringelassen.

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sehr gute Bildqualität, auch bei dunklen Szenen

Von der grafischen Qualität war ich ehrlich gesagt beeindruckt. Bei einem Anime, der 2009 im japanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, hätte ich weniger Details erwartet. Auch habe ich nahezu kein Banding (sichtbare Abstufungen in Farbverläufen) wahrnehmen können. Man hat wirklich alles aus den Möglichkeiten einer Blu-ray rausgeholt.

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Mehr kann ich hier auch nicht sagen. Deshalb verpasse ich der Qualität eine Wertung von 9,6.

Die Synchronisation (Dub)

Mal ehrlich. Wer von deutscher zur japanischen Synchronisation beim Schauen wechselt, erkennt schnell die Vorzüge. In Japan werden Synchronsprecher einfach viel besser ausgebildet. Die haben da einen richtigen Markt und können berühmt werden. Deshalb schaue ich persönlich meist auf Japanisch. Aber hier habe ich mir die deutschen Stimmen mal angehört.

Gleich in der ersten Episode erkannte ich mehrere Synchronsprecher. Einer davon ist David Nathan, die Stimme für nahezu jede Rolle von Johnny Depp. Es ist immer seltsam, solche Stimmen mit Anime-Charakteren zu verbinden. Dennoch haben die Stimmen meist zu den Charakteren gepasst. Besser wären aber wohl mehr unbekannte Stimmen, da dies wohl einige Fans abschrecken wird.

Auch die Wortwahl für die Dialoge wurde gut ausgewählt. Dadurch entsteht wirklich die Atmosphäre des 20. Jahrhunderts. Fluchwörter gibt es einige. Vor allem der Protagonist mag das Wort „Scheiße“ wohl sehr. Hie und da hätte man zwar bessere Formulierungen nehmen können, die nicht so hölzern klingen, aber sonst kann ich nicht meckern. Alles in allem kann man der Synchronisation getrost die Wertung 8,8 geben.

Der Untertitel (Sub)

Das wird meine absolute Lieblingsdisziplin. Als Grammatik-Nazi und ehemaliger Fansubber kenne ich mich wenigstens in diesem Bereich sehr gut aus. Natürlich ergibt die Nutzung von Untertiteln nur bei tauben Menschen oder Japanisch-Fans einen Sinn. Weiterhin beziehen sich alle Dinge hier auch auf die Untertitel der Miniclips unter „Extras“.

Die Untertitel von FMA sind im typischen Gelbton, den auch KAZÉ und andere Verlage verwenden. Dennoch ist er dank leichtem Schatten und schwarzer Kontur immer gut lesbar. Wer sich an der gelben Schrift stört, der muss wohl generell auf den deutschen Dub umsatteln

Die Typografie von Schildern und Co. wurde ganz schlicht übersetzt, ohne die Farbe oder den Font anzupassen. Hier habe ich allerdings schon von Beschränkungen seitens der Lizenzgeber gehört, weshalb hier wohl dem Label KSM die Hände gebunden waren.

Beim Opening und Ending waren überraschenderweise Untertitel mit dem Liedtext vorhanden, obwohl diese unter dem Menüpunkt „Extras“ noch gefehlt hatten. Das hat mich doch leicht irritiert. Leider gibt es nur die deutsche Übersetzung. Eine Form in Romaji zum Mitsingen fehlt komplett. Aber dies ist eher weniger tragisch.

Die Untertitel besitzen allerdings eine Chapter-Funktion, um das Opening oder andere Abschnitte einfach zu überspringen. Das ist sehr angenehm. Dagegen ist die Zeitsetzung der Dialoge nicht synchron mit den Keyframes. Der Untertitel endet also manchmal kurz vor oder nach dem Keyframe, was den Lesefluss etwas stört. Auch sind manchmal kleine Sätze länger zu lesen als große. Da besteht Verbesserungsbedarf.

Außerdem muss ich noch die Rechtschreibung ankreiden. An sich war alles grammatikalisch korrekt. Doch von der Zeichensetzung her wurde doch recht häufig geschlampert. Von Episode 1–3 werden oftmals bei der Typografie von Schildern statt der generellen deutschen Anführungszeichen („“) simple Zollzeichen gesetzt. Das wäre nicht so tragisch, wenn es im normalen Dialog auch so gehandhabt werden würde. Aber dieser Fehler schwankt immer wieder. Ab Episode 4 kommt der Fehler nicht mehr so häufig vor.

Auch die Auslassungspunkte (…) hat der Editor des Untertitels noch nicht so ganz verinnerlicht. Immerhin kommt oftmals ein Leerzeichen vor diese kleinen Pünktchen, wenn das Wort davor beendet wurde. Dieser Fehler war eigentlich immer zu sehen. Zuletzt noch etwas Subjektives. Die Inhalte vom Sub und Dub unterscheiden sich manchmal recht stark. Das verstehe ich persönlich nicht, lasse es aber auch nicht in die Wertung einfließen. Deshalb lautet hier die Wertung 6,8.

Unterhaltungsfaktor

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Comedy-Szene mit vereinfachtem Zeichenstil

 

An sich macht es Spaß sich Eds Abenteuer mit seinem Bruder anzuschauen. Der Protagonist ist einfach einer, bei dem man in manchen Momenten richtige Gänsehaut bekommt. Aber auch die Comedy-Szenen, die es jedoch nicht übertreiben, lassen den Anime ans Herz gehen. Dadurch, dass die Handlung in einem angenehmen Tempo erläutert wird, wirkt auch nicht alles so übereilt. Dies liegt aber auch daran, dass FMA aus 64 Episoden besteht, sodass mehr Zeit für Erklärungen bleibt.

Fazit

Wenn jetzt noch die Punkte verbessert werden könnten, die ich angesprochen habe, würde die Blu-ray eine tolle Mischung aus bester Grafik, tollen Dialogen und fesselnder Handlung werden.

Es ist KSM auch hoch anzurechnen, dass sie sich als erste Testobjekte für dieses Review angeboten haben. Immerhin will ich objektiv urteilen und nicht aus Dankbarkeit für das Material Lobeshymnen verfassen.

Ich bin gespannt, wer sich als Nächstes meiner Wertung unterzieht. Aber letztendlich ist es ja auch nur die Meinung eines einzelnen. Also seht es nicht so ernst 😉

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Inhalt
7.4
Qualität
9.6
Synchronisation
8.8
Untertitel
6.8
QUELLEKSM/Presse
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