Boys Love ist oftmals mit einem gewissen Klischee behaftet. Die Charaktere scheinen dabei nicht selten von unerklärlichen starken animalischen Trieben geleitet zu werden und sogleich jegliches Denkvermögen einzubüßen. Glückerlicherweise gibt es Ausnahmen.

Eine solche Ausnahme ist im Folgenden besprochen. Unser Ausdruck impliziert bereits eine außerordentliche Zufriedenheit mit dem Titel. Diese gilt es im Folgenden zu begründen sowie vorhandene Schwächen aufzuzeigen.

Vorangestellt ist jedoch unbedingt auf den physischen Faktor zu blicken. Zwar kostet Blue, Clean 9,95 Euro (D) – doch umfasst der Band 276 Seiten. Davon eine doppelt bedruckte Farbseite auf mattem Papier. Das Cover ist zusätzlich dezent veredelt.

Handlung

Bereits seit einigen Jahren kennen sich beide Hauptfiguren Natsuki, genannt Nacchan, und Shu. Mittlerweile besuchen sie, trotz eines Altersunterschieds von einem Jahr, dieselbe Oberschule. Das gemeinsame Nachhausegehen erscheint Gewohnheit.

Zumindest bis zu jenem Tag, an dem Shus Gefühle überlaufen. Er küsst den älteren Natsuki als dieser ein Nickerchen in der Schule macht. Schließlich entschließt er, Shu, sich, seine Gefühle gegenüber Natsuki zu formulieren. Er macht den ersten mutigen Schritt und spricht diesem gegenüber offen seine Zuneigung aus.

Im Affekt reagiert dieser mit harschen Worten der Ablehnung. Das erste Kapitel endet. Zu Beginn des zweiten Kapitels ist Natsuki bewusst, dass seine Worte den jüngeren Freund verletzt haben. Er verspürt Reue und trägt dieses Gefühl nach außen.

Auch Shu nimmt Notiz von dem Verhalten. Der Freundschaft zuliebe möchte er seine Gefühle unterdrücken. Doch soll er schon bald erfahren, dass Natsukis Abwehrreaktion wohl begründet ist. Ebenso überraschende Erkenntnisse werden zudem zeitnah an Shu herangetragen. Wie sich die Verbindung beider Figuren zueinander entwickeln wird?

Eine emotionale Achterbahn der Gefühle für die Leserschaft, die jene Geschichten zu schätzen weiß. Es erscheint kein Element der Handlung obsolet. Selten stimmig erscheint diese, sodass die Höchstwertung von 10 Punkten umso mehr gerechtfertigt ist.

Zeichenstil

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AOKU KIYOKU © 2016 Shinji Kotobuki by TAIYOHTOSHO Co., Ltd., Tokyo. © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2017

Im Gegensatz zu stereotypischen Genrevertretern, offeriert der Stil Kotobukis keinerlei explizite Erotik, doch Leidenschaft. Jede Seite besticht durch ausdrucksstarke Zeichnungen. Besonders die Mimik der vier handelnden Figuren erscheint wirkungsreich.

Weiterhin wissen die großflächigen, aber stets säuberlich kontrastierten Illustrationen zu gefallen. Der ansonsten filigrane Zeichenstil mag gen Rand an Präzision ärmer sein, doch trägt dies entschieden zu einem Gefühl von Realismus bei.

Viele kleine Strichen kontribuieren dabei ebenso wie der sparsame Gebrauch von Rasterfolie zu einem hübschen Gesamtbild entschieden bei. Lediglich das recht kindliche Charakterdesign könnte mitunter der Leserschaft missfallen.

Es ist schwierig zu erklären, wie der beschriebene Stil genau wirkt. Aber es sei versichert, dass Freunde sanfter und doch gefühlsbetonter Geschichten die hervorragende Synergie mit der Handlung erleben können.

Trotz thematisierter Kritik hinsichtlich des Charakterdesigns, vergeben wir 10 Punkte.

Perspektive

Pointiert erscheint jedes Wort der zahlreichen Dialoge, ebenso die dargestellten Gedanken. Beide Charaktere sind gleichwertig Fokus der Geschichte – getrennt in ihren Zimmern, ihren Häusern wie auch zusammen, wenn sie in einen gemeinsamen Dialog eintreten.

Nebenfiguren ergänzen den Cast, erhalten eine angedeutete Hintergrundgeschichte und agieren im Sinne des Fortschritts der Handlung. Dennoch erscheinen diese zu keiner Zeit überflüssig oder gar deplatziert. Viel eher ist eine ausgeprägtere Darstellung derer in einem separaten Einzelband zu erwünschen.

Zwar endet der Band und schließt den Kreis aufgeworfener Prämissen, doch birgt die Geschichte sicherlich noch weiteres Potenzial. Letztlich obliegt es nun dem Publikum die Geschichte weiterzudenken, sofern man möchte.

Shinji Kotobuki zeigt Gefühl von Balance im Storytelling. Die Figuren sowie deren Handlungen und dargestellten Konflikte erscheinen real. Aufgrund dessen sind weitere 10 Punkte zur Bewertung hinzuzufügen.

Fazit

Es ist eine Schande. Eine Schande ist, dass der Band nach über drei Jahren noch immer in erster Auflage ist. Sicherlich mag der verhältnismäßig hoch erscheinende Preis mit Grund für diesen ändernswerten Zustand sein. Doch wird dieser der besprochenen Aufmachung durchaus gerecht.

Außer Frage steht, dass der Geschichte durchaus das Vermögen zu gefallen zu attestieren ist. Liebhaber von ruhigen wie einfühlsamen Boys Love-Geschichten dürfen sich mit Blue, Clean auf eine solche Geschichte freuen.

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Recht herzlichen Dank ist darüber hinaus der TOKYOPOP-Redaktion für das Bereitstellung eines Reviewexemplares auszusprechen. Vielen Dank!

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Handlung
10
Zeichenstil
10
Perspektive
10
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