Ein Konbini-Besuch gefälllig?

Review: Die Ladenhüterin von Sayaka Murata

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Kann ein Konbini genug für ein glückliches Leben sein und wie sehr sollte man sich nach der Erwartung anderer richten? In diesem Roman wird Keiko genau diesen Fragen auf den Grund gehen und am Ende entscheiden, was ihr wichtig ist und wie sie ihr Leben verbringen will.

Handlung

Murata Cover
© zero-media, unter Verwendung eines Motives von Werner Schlosser

Als Keiko Furukura während ihrem Studium als Aushilfe in einem Konbini anfängt, ändert sich ihr Leben. Denn dort bringt man ihr genau bei, wie sie sich verhalten, reden und lächeln soll. Eine große Erleichterung für Keiko, denn sie ist anders als die „Normalen“ und hat es schon in der Kindheit anhand des Schaufelvorfalls in der Schule bemerkt. Um zwei Streithähne zu trennen, hat sie beiden einfach einen Schaufelschlag verpasst. Aus ihrer Sicht war dies eine logische Reaktion, aber für alle Anderen ein gewaltvoller Akt.

Doch im Konbini läuft alles nach festen Regeln ab und für Keiko werden der Konbini und das Arbeiten darin zu ihrem Lebensinhalt. Denn „das war nicht so kompliziert. Geschlecht, Alter, Nationalität spielten keine Rolle, in Uniform waren wir alle gleich – »Ladenangestellte« eben.“ (Seite 39). Um weniger aufzufallen eignet sie sich auch die Sprechweise und den Kleidungsstil ihrer Kolleginnen an.

Aber 18 Jahre später arbeitet sie immer noch als Aushilfe im Konbini und das weil es ihr dort gefällt, sie gut darin ist und keinen anderen haben möchte! Mittlerweile machen sich ihre Familie und Kolleginnen aber Sorgen. Zwar erzählt sie ihren Freundinnen, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht in einem „richtigen“ Job arbeiten kann, aber die Frage warum sie immer noch nicht verheiratet ist, wird ihr immer öfter gestellt.

Als dann ein neuer Mitarbeiter im Konbini anfängt und fast gleich wieder gefeuert wird, entsteht durch Zufall eine Situation für Keiko, die scheinbar alle „Probleme“ löst, die die Anderen bei ihr sehen.

Über die Autorin

Murata Bild
© Takuya Sugiyama

Geboren wurde Sayaka Murata 1979 in Inzai, einer Stadt in der Präfektur Chiba. Neben ihrem Studium arbeitete sie unter anderem selbst in einem Konbini. Ihr Debüt als Autorin feierte sie 2003 mit ihrer Kurzgeschichte Junyū, welche den Gunzō-Nachwuchspreis erhielt. Weitere Literaturpreise folgten im Laufe der Jahre und mit „Die Ladenhüterin“ erhielt sie 2016 den Akutagawa-Preis, den renommiertesten Literaturpreis Japans. In Japan ist sie bereits eine bekannte Autorin und mit „Die Ladenhüterin“ wurde auch ihr erstes Werk sowohl ins Deutsche als auch ins Englische übersetzt.

Fazit

Mit leicht leserlichen Sätzen und einem schnellen Lesefluss, hat man das Buch in wenigen Stunden verschlungen. Zwar gibt es keine richtigen Spannungsbogen, aber man will doch wissen wie es mit Keiko weitergeht und ob sie sich dem gesellschaftlichen Druck beugt.

„Diese Welt erkennt Außenseiter nicht an.“ (Seite 80)

Zwar konnte ich mich im Verlauf des Buchs nicht mit der Hauptperson identifizieren, aber das mindert nicht die Faszination hinter der gekonnt verpackten Gesellschaftskritik. Wieso wird davon ausgegangen, dass ein Mensch nur dann nützlich für die Gesellschaft ist, wenn er heiratet und Kinder zeugt? Mit dieser Frage sehen sich viele Menschen konfrontiert und auch heutzutage ist es noch nicht Gang und Gebe, dass jeder selbst entscheiden kann wie er oder sie lebt.

Auch der Titel auf Deutsch ist eine schöne Zweideutigkeit, denn als Angestellte ist Keiko für den Konbini verantwortlich und muss den Laden hüten. Aber sie wird im Buch auch als Ladenhüterin bezeichnet, weil sie noch immer nicht verheiratet ist und keinen Mann haben will.

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Enigma
22. Dezember 2018 23:16

Ausgezeichnet geschrieben!

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