© diablo art/Aki

In Japan werden Tattoos und die Yakuza untrennbar miteinander verbunden. Fakt ist jedoch, dass nicht jeder Gangster ein Tattoo besitzt. Außerdem ist nicht jede Person mit Ganzkörperbemalung automatisch ein Verbrecher. 

Es gibt wohl fast keinen „Otaku“, der nicht schon daran gedacht hat, sich ein Tattoo seines Lieblingscharakters stechen zu lassen. Genau dieses Konzept wird nun genutzt, um den schlechten Ruf der Körperbemalungen in Japan zu bekämpfen.

Ursprünglich waren Tattoos als Kriegsbemalung und Markenzeichen verschiedener, oft gewalttätiger Organisationen gedacht. Auch in Japan war dies nicht anders. Eine Tätowierung war grundsätzlich den Mitgliedern der Yakuza zuzuschreiben. Deshalb galten Tattoos in der Gesellschaft als unerwünscht und einschüchternd.

Die Ablehnung der Tattoos entstand zum Teil auch aus der Privatisierung von Bädern. Dadurch besuchten weniger Leute öffentliche Badehäuser und hatten zunehmend weniger Kontakt zu tätowierten Menschen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Doch so leicht ist es dann doch nicht, da Tattoos eine ziemlich lange und komplexe Geschichte aufweisen, die man nicht einfach umgehen kann. Des Weiteren spielen Tätowierungen eine Rolle in der japanischen Kultur. In der Regel basieren diese auf Genre-Bildern oder Mythologie und sind vom japanischen Kunstverständnis geprägt. Harmonie, Eleganz und klar gegliederte Farbbereiche werden mehr geschätzt als die oftmals knallig bunten Tattoos aus dem Westen.

Denn nicht jeder Tätowierte gehört auch zugleich der Yakuza an. Um diese negative Meinung gegenüber Tattoos abzuschaffen, haben sich einige Tätowierer seit ein paar Jahren dazu entschieden, dem Stigma gegenüberzutreten und es zu bekämpfen.

Mit zunehmender Beliebtheit der Tattoos entschieden sich auch Angestellte und Studenten für ein ewigwährendes Kunstwerk. Dennoch wird die aufwändige Körperkunst kurzer Hand unter Stoff versteckt, da es schwer ist, ein etabliertes Vorurteil zu widerlegen. Eine Tätowierung dauerhaft entfernen zu lassen, gilt vor allem bei Hochzeiten und Jobangebote.

Mit Hilfe von Charakteren aus Anime, Manga und Videospielen versuchen Artisten den Ruf der Tattoos in ein neues Licht zu rücken. Sehr beliebt sind dabei liebenswürdige weibliche Charaktere. Denn wer könnte eine Person mit einem Asuna-Tattoo für böse oder gar gewalttätig halten?

Durch ein Wortspiel der „Otaku“-Subkultur wurde auch ziemlich schnell ein passender Name erfunden: „Otattoo“. Auch außerhalb Japans erfreut sich die Neuschöpfung großer Beliebtheit.

So wie die tätowierten Leute ihr Tattoos abdecken, so verstecken auch Otakus ihre Obsession mit Anime und Manga. Deshalb stellte es keine große Überraschung dar, dass gerade eine Mischung aus Tattoo und Anime äußerst beliebt ist.

Pionier der Otattoos

 

Einer dieser Wegbereiter für Otattoos ist Aki, der nun seit knapp 20 Jahren in diesem Bereich arbeitet und sein eigenes Studio – diablo art – in Yokohama besitzt. Auch bei ihm sind die Anfragen für die speziellen Tattoos seit 2010 stark gestiegen und machen ca. 40% seiner Anfragen aus.

Zudem gab er selbst zu, der Otaku-Subkultur anzugehören. Im Tattoo-Geschäft ist es von Bedeutung, ob man in der Lage ist, ein Bild auf die Haut abbilden zu können. Für das neu entdeckte Otattoo-Genre ist es außerdem unerlässlich, auf die komplexen Details und Persönlichkeiten der einzelnen fiktiven Charaktere einzugehen. Dies ist Aki’s Meinung nach nur damit zu erreichen, wenn man sich selbst mit Anime und Manga auskennt. Er bespricht mit jedem seiner Kunden das Tattoo bis ins kleinste Detail. Damit kann er versichern, dass jeder die bestmögliche Arbeit mit individueller Gestaltung bekommt.

Auch über die Landesgrenzen hinaus ist Aki besonders durch ausländische Medien bekannt geworden. Otattoo ist nicht nur ein japanisches Phänomen; auch Tätowierer aus den USA und Mexiko sind auf den Geschmack der außergewöhnlichen Motive gekommen. Diese sind mit über 200.000 Followern auf Instagram auch keine kleinen Fische im großen Farbteich.

Falls ihr nun auf den Geschmack eines Otattoos gekommen seid, dann findet ihr weitere durch Anime inspirierte Tattoos auf Aki’s Twitter-Account.

QUELLEThe Asahi Shimbun

Seit 16 Jahren begleiten mich Manga und Anime auf meinem täglichen Lebensweg. Nicht zu selten ist es schon passiert, dass ich deshalb neuen Platz in meiner Wohnung schaffen musste. Derzeit studiere ich Anglistik und Germanistik. Eine meiner größten Leidenschaften gilt dem Verfassen von Texten, hauptsächlich Fanfiction, die natürlich auch auf Anime basieren.