Sich als Mangaka in Deutschland durchzusetzen, ist nicht leicht. Doch mit viel harter Arbeit kann man sich auch seinen Erfolg sichern, so wie es Martina Peters getan hat. 

Da sie ihre Manga bei unterschiedlichen Verlagen oder im Selfpublishing herausgebracht hat, findet ihr auf ihrer Website eine Übersicht, wo ihr euch ihre Manga zulegen könnt. Ihr Doujinshi [TORRENT] ist jedoch nur hier erhältlich.

Entsprechend hervorgehoben findet ihr unsere Fragen und darunter dann jeweils die passende Antwort von Martina. Wir hoffen die Fragen findet ihr alle genauso interessant, wie wir diese empfunden haben.

Japaniac: Etwas leichtes zum Einstieg: Wie bist du zum Zeichnen gekommen?

Ich habe mit dem Zeichnen schon während meiner Kindergartentage angefangen. Ich denke, dass das typisch für jeden Zeichner ist, schon ziemlich früh damit angefangen zu haben, weil man da einfach am kreativsten ist. Im Kindergarten habe ich bereits meine ersten Geschichten erzählt. Mein frühester „Comic“ ist ein Bilderbuch mit einem Fuchs. Meine Mutter hat das bestimmt auch noch irgendwo aufgehoben.

Von da an habe ich einfach immer weiter gezeichnet. Im Verlauf versuchte ich mich an verschiedenen Stilen und ein wenig später kam dann Sailor Moon ins Fernsehen. Der Stil davon hat mich ziemlich begeistert, was mich dann dazu brachte Sailor Moon nachzuzeichnen. Dadurch war ich dann an meinem Kunstbild Manga angekommen und habe eben meine eigenen Geschichten eingebaut.

Torrent By Martina Peters Ten Dojinshi
© Martina Peters

Japaniac: Wie bist du dann zu Carlsen gekommen? Wieso veröffentlichst du auch selbst Manga ohne es zum Verlag zu bringen?

Auch mit [TORRENT] hätte ich schon zu Cursed gehen können, aber ich wollte mit dem Doujinshi ein paar fancy Dinge ausprobieren. Ich wollte im Grunde eine andere Buchausstattung haben, denn am Cover wollte ich etwas ändern. Dadurch kam dann die Spot-Lackierung zu Tage. Da ein Verlag natürlich auch eher aufs Geld schaut, wären sie davon wohl nicht so begeistert gewesen.

Außerdem wollte ich in der Lage sein, diesen Manga komplett im Internet hochzuladen und nicht nur eine Leseprobe davon. Beim Cursed Verlag hatte ich beispielsweise die Erlaubnis 60% des Buches hochzuladen, aber auch hier musste der Rest offline bleiben, damit die Leser das Buch auch kaufen. Es war also eine Art große Leseprobe, um die Leute anzufüttern.

Gerade das hat aber zu Problemen mit internationalem Publikum geführt, denn die hatten sich beschwert, wieso das Buch nicht komplett zur Verfügung stehe, umsonst versteht sich. Dadurch sprangen dann doch recht viele Leser ab. Deshalb wollte ich bei [TORRENT] vorweg greifen und habe es eben selbst in die Hand genommen. Denn die Leute kaufen es trotzdem, auch wenn es zuvor schon verfügbar ist.

Japaniac: Wenn wir schon mal bei [TORRENT] sind: Die Zeichnungen waren ja doch recht explizit. Wie lang hat es gedauert, dass du beim Zeichnen nicht mehr verlegen warst?

Ich habe ja davor schon Sexszenen gezeichnet, wobei ich immer versucht habe das Zeichnen von Geschlechtsteilen zu umgehen. Als ich mit [TORRENT] jedoch angefangen hatte, ging es relativ schnell, dass es mir nicht mehr so unangenehm war. Wenn man mal so 3 bis 4 Penisse gezeichnet hat, dann ist das tatsächlich alles gar nicht mehr so schlimm.

Japaniac: Das Genre Boys Love ist ja in einigen deiner Manga stark vertreten. Wie kam nun dieser „krasse“ Umschwung auf Mystery?

Plötzlich war es ja nicht, denn Tempest Curse war ja auch kein BL. Ich beschränke mich eben nicht auf ein Genre. Im Boys Love-Genre fühle ich mich jedoch sehr wohl und ich weiß, wie ich damit arbeiten muss. Aber ich probiere eben auch unglaublich gern andere Dinge aus und möchte auch mal andere Geschichten erzählen. Bei BL weiß ich, was ich wie machen kann und wie ich die Geschichten aufzubauen habe. Da kann ich mich immer auf eine Liebesgeschichte zurückberufen, das ist oft einfacher.

Wenn ich jetzt aber eine Action-Geschichte erzähle, dann muss ich mich selber noch einmal fordern, was das Storytelling angeht. Aber da ich mich immer weiterentwickeln möchte, muss ich mich solchen „Problemen“ stellen und mich mit anderen Dingen auseinandersetzen. Ich habe nun nicht vor die ganze Palette an Genres abzuarbeiten, aber ich schließe im Vorhinein auch keines aus. Wenn ich also plötzlich eine Shojo-Geschichte im Kopf haben sollte, dann mache ich auch eine.

Japaniac: Oft heißt es ja, dass man von dem Beruf Mangaka allein nicht leben kann. Arbeitest du nebenbei auch noch?

Nein, neben meinem Job als Mangazeichner habe ich keine weiteren. Ich biete aber seit einigen Jahren Workshops auf Messen, Conventions, in Museen und Schulen zum Thema Manga an. Dabei reicht die Thematik von „Wie zeichne ich eine Mangafigur“ bis hin zu „Paneling“ oder „digitales Rastern“.

Ansonsten bin ich rein zeichnerisch unterwegs. Zurzeit arbeite ich auch mit Melanie Schober im Team zusammen an der Kampagne für die Rollstuhlbasketball Weltmeisterschaft in Hamburg dieses Jahr. Aber es ist tatsächlich so, dass ich hauptberuflich nur zeichne.

Torrent
© Martina Peters

Japaniac: Wie viel Zeit steckst du in deine Manga oder überhaupt in die Zeichnungen rein?

Sehr viel Zeit. Die Frage ist eher: Was ist Freizeit? 😉 Ich kann gar nicht genau beantworten, wie viel ich am Tag zeichne, da ich von zu Hause aus arbeite. Ich stehe eben auf und mache irgendwelche Dinge im Haushalt und setze mich danach an meine Arbeit, weshalb ich gar nicht genau berechnen kann wie viel ich wirklich am Tag zeichne. Aber auf alle Fälle ist es viel.

Japaniac: Ist es schwer sich im deutschen Markt als Mangaka zu halten? Da man ja immer wieder etwas Neues bringen muss, um präsent zu bleiben kann es ja doch oftmals schwierig sein.

Es wird besser. Es war schon mal echt viel schlimmer. Ich bin ja jetzt im Grunde schon seit gut 10–12 Jahren dabei. Am Anfang war es richtig übel, denn da hat man gegen alle angekämpft. Inzwischen überwiegt die Zahl der Leser, die sagen, dass deutsche Manga auch ganz gut sind.

Natürlich gibt es immer Leute, die sagen sie kaufen keine deutschen Manga, weil die Japanischen so viel besser sind. Das sind aber dann meistens Leute, die deutsche Manga gelesen haben, die vor 10 Jahren rausgekommen sind. Sie haben sich also vor zehn Jahren ihre Meinung gebildet und haben dann nicht mehr geguckt, was danach passiert ist.

Inzwischen haben wir einfach eine steigende Qualität bei deutschen Manga. Nicht nur von den Mangaka, die jetzt schon länger dabei sind wie Melanie Schober, sondern auch die, die neu hinzukommen. Dementsprechend ist einfach die Messlatte, was die Qualität angeht, mittlerweile schon viel höher angelegt. Da kommt es schon mal vor, dass die Leserschaft ihre Meinungen revidieren müssen.

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Japaniac: Wenn wir schon beim Stil sind: Würdest du sagen, dass sich dein Stil über die Zeit verändert hat?

Oh ja, mein Stil hat sich extrem verändert. Wenn man zum Beispiel KAE mit meinen jetzigen Manga vergleicht, dürfte das ziemlich deutlich werden. Da hat sich enorm viel getan. Einige Leser sagen, dass man die Grundzüge jedoch noch immer erkennen kann.

Die Veränderungen beschränken sich nicht nur auf die Qualität, sondern auch auf das Aussehen, da die Charaktere mittlerweile älter aussehen und sauberer gezeichnet sind. Man kann nun leichter erkennen wer wer ist und welche Gefühle der Charakter gerade ausdrückt. Mein Stil entwickelt sich auch immer noch weiter.

Manchmal denke ich mir, dass meine älteren Manga fürchterlich aussehen, aber auf der anderen Seite weiß ich auch, dass ich zu dem Zeitpunkt immer mein Bestes gegeben habe. Außerdem zeigt es mir, wie ich mich über die Jahre hinweg weiterentwickelt habe.

Focus 10 1
FOCUS 10 vol. 1 © Martina Peters/Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2018

Japaniac: Wie du gesagt hast, soll Focus 10 mehrere Bände erhalten. Zehn Stück um genau zu sein, oder? Wie weit bist du denn damit schon?

Ja, zehn Bände sollen es werden. Storytechnisch ist schon alles niedergeschrieben. Von den Zeichnungen her müsste ich mit dem 3. Band schon fertig sein, was leider noch nicht ganz der Fall ist. Aber ich habe den J. K. Rowling gemacht und habe bereits das letzte Kapitel gezeichnet. Außerdem sind die einzelnen Bände so dünn, dass alle 4 Monate ein neuer Band erscheinen kann. Aber wenn man ganz neugierig ist, kann man die Kapitel natürlich auch schon davor gestaffelt lesen, da sie auch auf iTunes usw. erscheinen.

Japaniac: War es dir von Anfang an schon bewusst gut zeichnen zu können oder hat man dich auf dein Talent hinweisen müssen?

Talent ist ein Wort, das ich gar nicht so gern mag.  Ich wollte nur einfach Geschichten erzählen und konnte nicht gut schreiben, weswegen ich immer Bilder benutzt habe. Es wurde zwar immer gesagt, dass ich viel zeichne, aber nicht, dass ich gut zeichne. Anfangs also eher weniger, später dann aber schon. Als ich angefangen habe Manga zu zeichnen kamen die Leute dann auch zu mir her und haben mich dafür gelobt. Es ist nur immer schwer nachzuvollziehen, denn es ist mein Stil und diesen habe ich jeden Tag vor Augen.

Meine Eltern haben mir in der Schulzeit nie gesagt, dass ich so gut wäre und es zum Beruf machen solle. Meine Mutter sagte immer, dass ich was Ordentliches lernen solle. Erst jetzt nachdem ich „erfolgreich“ bin, hat sie es akzeptiert. Mein Vater hingegen hat mich schon immer unterstützt, aber auch erst später gesagt, dass ich mein Hobby zum Beruf machen soll. Jetzt fragt er mich immer, wann denn endlich ein Anime zum Manga erscheint. 😀

Anfangs habe ich meine ganzen Zeichnungen und Manga im Internet hochgeladen. Ich dachte mir eben, wenn es keiner liest, dann habe ich es immerhin versucht. Jedoch ist das wesentlich mehr eingeschlagen, als ich je angenommen hatte. KAE ist auch immer noch mein Favorit, weil es doch schon meine längste Geschichte ist. Da arbeite ich nun schon seit 17 Jahren dran. Diese Charaktere begleiten mich nun schon am längsten und am einfachsten arbeiten kann ich mit ihnen auch. Sie haben schon so eine Art Eigenleben entwickelt, denn in meinem Kopf stelle ich die auf die Bühne und sie arbeiten von selbst.

Japaniac: Hast du denn auch schon eine Idee für andere Projekte, oder konzentrierst du dich erst mal nur auf Focus 10?

Ja, für die nächste Zeit steht Focus 10 definitiv im Vordergrund. Ideen für andere Projekte habe ich auch schon, aber diese muss ich vorerst hinten anstellen. Ich könnte eine Fortsetzung von Tempest Curse zeichnen oder ein anderes Projekt, welches mittlerweile schon seit längerer Zeit liegt. Die Charaktere hierzu gefielen meiner Redakteurin, aber die Story war noch nicht ausgereift. Dementsprechend wurde dieses Projekt erst einmal auf Eis gelegt, aber wahrscheinlich fällt mir irgendwann dazu die zündende Idee ein. Bis es jedoch soweit ist, habe ich genug mit Focus 10 zu tun.

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KAE vol. 1 © Martina Peters/Cursed Verlag, 2012

Japaniac: Wie du vorhin gesagt hast, zeichnest du ja schon dein Leben lang. War es denn auch schon von Anfang an dein Wunsch das Zeichnen zum Beruf zu machen oder dann eben auch Mangaka zu werden?

Nein, das war es nicht. Ich wollte tatsächlich etwas Vernünftiges machen, wovon man eben auch leben kann. Denn das Zeichnen eines Manga kann man nicht gerade als sicher bezeichnen. Ich dachte auch immer, dass man das gar nicht als Beruf betiteln kann.

Tatsächlich war ich dann auch auf der höheren Handelsschule, um Bürokauffrau zu werden. Dann habe ich eine Ausbildung zur gestaltungstechnischen Assistentin gemacht und da dann versucht einen Job zu finden. Aber schon während ich auf der höheren Handelsschule war, hatte ich KAE bereits herausgebracht und das wurde dann auch immer mehr Arbeit, was meine Zeit vermehrt in Anspruch nahm.

Von da an hat sich mein Beruf quasi von selbst entwickelt. Jetzt lebe ich davon, obwohl es nie geplant war. Jetzt würde ich es aber auch nicht anders machen wollen. So lange ich davon leben kann, muss ich nicht viel Geld haben. Und bisher kann ich meine Miete bezahlen, verhungere nicht und bin sogar letztens in eine größere Wohnung gezogen.

Japaniac: Gibt es noch etwas, dass du deinen Lesern gerne sagen oder mitgeben möchtest?

Meinen Lesern möchte ich nur Danke sagen, dass sie größtenteils schon so lange dabei sind. Denn ich habe Fans, die schon seit 10 Jahren hinter mir stehen. Mein Gott, ihr seid einfach wahnsinnig toll!! Auch meinen neuen Fans möchte ich gerne danken, dass sie den Manga überhaupt erst in die Hand genommen und ihm eine Chance gegeben haben. Ich gebe mir auch weiterhin Mühe euch zu begeistern.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Martina für das interessante Interview. Falls ihr nun neugierig seid, was ihre Werke anbelangt, dann stattet ihr einen Besuch auf FacebookTwitter oder ihrer Website ab.

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