Miese Stimmung an der westlichen Pazifikküste. Alte Wunden dominieren den Dialog zwischen Japan und Südkorea. Die Eskalation droht – oder erfolgte schon längst. 

Konkret geht es um die Zeit von 1910-1945. Korea, damals noch vereint, war eine Kolonie des japanischen Kaiserreichs. Die koreanische Presse wurde zerschlagen, die Staatsreligion verdrängt und das Recht auf Versammlung gestrichen. Doch ähnlichen Beispielen der Geschichte folgend kamen auch positive Änderungen zum Tragen.

Bildung war nun nicht mehr ein Privileg des Adels, sondern durfte von allen Bevölkerungsschichten genossen werden. Frauen wurde das Recht auf eigene Erwerbstätigkeit eingeräumt, sogar eine Auswahl an Berufen existierte. Sieht man vom blutigen Niederschlag des Aufstands von 1919 ab, war man angesichts der Förderung Koreas weit von einer Schreckensherrschaft entfernt. Noch.

Der Streitpunkt

1938 änderte sich die Situation des koreanischen Volkes schlagartig. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurden die meisten Männer, so auch Berg- und Fabrikarbeiter, in den Militärdienst berufen. Ersetzt wurden sie von koreanischen Zwangsarbeitern. Ihre Zahl wird in den Jahren bis 1945 auf über 2 Millionen geschätzt.

Zusätzlich wurden zehntausende junge Koreanerinnen an die Kriegsfronten deportiert, um den japanischen Soldaten als Vergewaltigungsmaterial zu dienen. Nach Deutschland und der Sowjetunion reihte sich Japan diesbezüglich lückenlos in die Linie der brutalen Großmächte ein.

Ein abgehaktes Thema?

Es geht um Entschädigung. Natürlich wurde die Thematik rund um die Kolonialisierung Koreas schon vor 2019 diskutiert. Wieso also baut nun ein neuer Konflikt auf diesen vergangenen Tagen auf?

Der Grundlagenvertrag von 1965, in dem sich beide Staaten wieder annäherten, legte damals eine simple Regelung fest: Japan zahlte 300 Millionen Dollar Wirtschaftshilfe und weitere 500 Millionen an Aufbaukrediten an die Republik Korea und diese verzichtete dafür auf weitere Forderungen der Entschädigung.

Jedoch stellen südkoreanische Juristen diese Abhandlung mit dem folgenden Argument in Frage. Im Grundlagenvertrag sei es lediglich zu einer Vereinbarung zweier Staaten gekommen. Das habe mit den einzelnen Opfern der Zwangsarbeit (Frauen werden medial nicht/wenig thematisiert) nichts zu tun.

Mehr schlecht als recht

Zudem sei erwähnt, dass es sich 1965 um die Zeit des Kalten Kriegs handelte. Sowohl die Republik Korea als auch Japan waren sich zum damaligen Zeitpunkt zu diversen Schuldfragen bezüglich der Kolonialisierung nicht einig. Da jedoch beide auf Seiten der USA standen, wurden sie von eben jenen dazu gedrängt, eine schnellstmögliche Einigung zu erzielen. Deshalb enthält der Grundlagenvertrag bis heute zwei Auslegungen, die zeigen, dass das Thema eben nicht abgehakt ist.

Machtspiel

Nun „bekriegen“ sich die Staaten mit wirtschaftlichen Schikanen. Von der jeweiligen „Weißen Liste“, einer Gruppe Staaten mit wirtschaftlichen Privilegien, strichen sie sich bereits gegenseitig. Südkorea droht im Fall des Nicht-Handelns seitens der japanischen Regierung, die verlangten Gelder von örtlichen japanstämmigen Unternehmen zu konfiszieren.

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Japan seinerseits zielt auf die südkoreanische Elektroindustrie: In Zukunft soll die Einfuhr essentieller Chemikalien nur noch bedingt oder – im Ernstfall – gar nicht mehr möglich sein. Die Republik kontert zwar mit gleichen Maßnahmen bezüglich Petroleum (Brennstoff), jedoch sind die potentiellen Schäden für Samsung und Co. als deutlich größer einzuschätzen als solche für die betroffenen japanischen Unternehmen. Im Gegensatz zu den Display- und Chipfabrikanten können diese nämlich sehr leicht auf alternative Zulieferer ausweichen.

Es geht ums Prinzip

Gegen 78.000 € läuft die geforderte Entschädigung pro Betroffenem. Die japanische Regierung, rund um Premierminister Abe, äußerte sich bisher nicht zur Höhe des Betrags. Stattdessen verweist man immer wieder auf den Grundsatzvertrag. Dass dieser nicht die Einzelpersonen, sondern lediglich die Entschädigungen für den koreanischen Staat und seine Volkswirtschaft behandelt, wird ignoriert.

Kein Fingerspitzengefühl

Nachdem Abe zuletzt mit seinen Bestrebungen, Japans Militär auszubauen, für Aufsehen sorgte, nimmt es für ihn nun oberste Priorität ein, Japan als den ehemaligen Unterdrücker aus der Öffentlichkeit zu tilgen. Stimmen aus seiner Fraktion, die allein den Begriff „Zwangsarbeiter“ in Frage stellen, bewirken jedoch das genaue Gegenteil. Zur Information: Selbst japanische Historiker sind sich über den Tatbestand des Zwangs im Zuge des Zweiten Weltkriegs einig.

Lösungen?

Diese scheinen erst einmal nicht greifbar. Doch zumindest global sollten sich die Auswirkungen zunächst in Grenzen halten. Kurz vor der Eskalation des Streits, erreichte die südkoreanischen Chipproduzenten eine große Lieferung des gefragten Fotolacks. Samsung gab an, dass der Konzern mit der gelieferten Menge bis zu sechs Monate ungestört weiter produzieren könne. Bis dahin müssen sich die Diplomaten geeinigt haben, sonst drohen globale Auswirkungen.

Bis zum einfachen Bürger

In Südkorea entscheiden sich derweil immer mehr Bürger für den Boykott japanischer Waren. Das reicht von Mode über Autos bis hin zu Lebensmitteln. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Herkunft des Produkts die Nachfrage vollends dominiert.

Die Protestierenden sehen die Verantwortung für die Spannungen zwischen den Staaten vor allem beim japanischen Premier. Tausende schreiben ihren Ärger auf Schilder nieder und gingen damit in Seoul auf die Straße. Es geht emotional zu. Und momentan gibt es noch keine Anzeichen, dass die Emotionen der Südkoreaner in Form von Taten seitens der japanischen Regierung anerkannt werden.

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Karin Salvador Patricio
Gast
Karin Salvador Patricio

Irgendwie verstehe ich es nicht. Streiten die wegen etwas wo schon lange passiert ist?

Christian Munsch
Gast
Christian Munsch

leute kriegt eure geschichte doch auf die ketten so schwierig sie auch war und arbeitet zusammen.