© Yoshinori Mizutani
© Yoshinori Mizutani

Wo man auch ist, das Morgenlicht ergießt sich immer gleich schön über die Landschaft, wäscht mit gleißender Wucht alles weg und befördert es ins Gestern. Wunderbar, dachte ich. Solange ich lebe, wird Tag für Tag ein neuer Morgen beginnen – was für ein traumhaftes Prinzip!“ Quelle: Lebensgeister von Banana Yoshimoto

Dieses kleine Zitat aus dem Roman Lebensgeister von Banana Yoshimoto soll euch einen kleinen Vorgeschmack auf die wunderbare bildliche Sprache geben, die euch mit diesem Buch erwartet.

Handlung

Nichtsahnend transportieren Sayoko und ihr Geliebter Yoichi Eisenstangen, die Yoichi für seine Skulpturen verwendet mit dem Auto. Kurz darauf taucht man als LeserIn auch schon in die Handlung ein und erfährt, dass Sayoko von einer dieser Stangen durchbohrt wurde und gerade noch ein paar klare Gedanken zu Stande bringt. Denn danach befindet sie sich in einer Art Zwischenwelt und trifft dort auf ihren verstorben Hund und ihren Großvater, der ihr klarmacht, dass die Zeit für sie noch nicht abgelaufen ist.

Sayoko kann das Krankenhaus nach einem längeren Aufenthalt wieder verlassen, doch nichts ist mehr so wie es vorher war. Ihr Freund hat den Autounfall nicht überlebt, sie selbst zieht mitsamt ihrer Narben und ihrem langsam voranschreitenden Heilungsprozess zurück zu ihren Eltern.

Langsam fügt sie sich wieder ins Alltagsleben ein, wobei ihr ihre Schwiegereltern eine große Stütze sind, doch Sayoko weiß auch, dass seit dem Unfall etwas mit ihr nicht stimmt. Seit sie ihren Großvater gesehen hat, scheint sie auch andere Geister sehen zu können, zum Beispiel diese eine Dame in ihrer Stammkneipe, die immer auf demselben Platz sitzt, sich aber nie bewegt oder Anstalten macht, mit Sayoko zu interagieren.

Auch der Barkeeper scheint zu merken, dass Sayoko nicht ganz sie selbst ist. Doch kann man seiner Theorie glauben, dass nach dem Unfall Sayokos Nabel verloren gegangen ist und sie ihn nur zurück bekommt, wenn sie sich zurück zu der Stelle begibt, wo ihr geliebter Yoichi sie verlassen hat?

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Über die Autorin

Geboren in 1964 fing Banana Yoshimoto im zarten Alter von fünf Jahren an zu schreiben. Die Literatur begleitet sie seit damals und so ist es kein Wunder, dass sie ihren Debütroman in ihren Pausen während ihrer Schichten als Kellnerin verfasste. Mit ihrem ersten Buch Kitchen hatte sie auf Anhieb großen Erfolg und auch mit ihren Nachfolgeromanen feiert sie Erfolge.

Motive, die in ihren Romanen immer wieder eine Rolle spielen, sind der Verlust einer nahestehenden Person, übernatürliche Begebenheiten und die Ich-Erzählung.

Von der red banana flower inspiriert hat die Autorin, die eigentlich Mahoko Yoshimoto heißt, den Künstlername Banana gewählt.

Fazit

Beginnend mit dem ersten Satz schafft es Banana Yoshimoto, dass man sich sofort mitten im Geschehen befindet und gespannt auf die weitere Entwicklung ist. Sayokos Entwicklung, ihre Trauerbewältigung und ihre Art, mit ihrem Leben danach weiter zu machen, packen einen beim Lesen dermaßen, dass man gar nicht bemerkt wie schnell das Buch ausgelesen ist.

Kompakt und mit wenig Klimbim sorgt die Autorin dafür, dass die Handlung voran kommt, aber die schönen Schilderungen von Sayokos Beobachtungen nicht zu kurz kommen. Schon allein die wunderbare Sprache, die Alltägliches in etwas Besonderes und Schönes verwandelt, ist es wert, einen Blick in das Buch zu werfen. Sicher habt ihr es dann genauso schnell verschlungen wie ich.

Wie alle ihre Romane bis jetzt ist auch Lebensgeister bei Diogenes erschienen. Erhältlich in der Buchhandlung eures Vertrauens.

Bewertung:
Inhalt 7/10
Aufbau 9/10
Unterhaltung 8/10

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Inhalt
7
Aufbau
9
Unterhaltung
8
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Brigitte Krupitza
Gast
Brigitte Krupitza

Ich hab selten so eine neugierig machende Rezension gelesen! Soviel, dass frau weiss, was eine erwartet, aber nicht soviel, dass frau es nicht mehr lesen muss. Klingt spannend und macht große Lust auf das Buch.