Wie ich euch schon vor einer Woche erzählt habe, ist das Neujahr eins der wichtigsten Ereignisse in Japan. Das Neujahr besteht aus vielen kleinen Bräuchen, was es zu einer Feier macht, die mit tagelangen Vorbereitungen verbunden ist, wo Tradition und Religion eine große Rolle spielen.

So widmen wir uns heute nur dem „shōgatsu“ (Neujahr) und schauen uns an, wodurch diese dreitägige Feier so einzigartig geworden ist.

Am Ende des Jahres wird einmal gründlich das Haus von vorne bis hinten sauber gemacht. Dies geschieht nicht, weil Japaner einen Putztick haben, sondern das Entfernen des Staubes soll den Dreck des Jahres wortwörtlich hinfort wischen, um so wieder von vorne beginnen zu können.

Meistens wird das am Silvestertag gemacht und nach der Reinigung wird das Haus festlich geschmückt, wie zum Beispiel mit Kirschblütendeko.

Nicht nur in der eigenen Bude wird alles wieder auf Vordermann gebracht – auch Schulen oder Büros kriegen einen Neujahrsputz.

Eine weitere kleine Feier, um die Sünden und Lasten des Jahres hinter sich zu lassen und mit Vorsätzen das neue Jahr zu begrüßen, ist das „Bonenkai“. Denn den Japanern ist es enorm wichtig, das neue Jahr sorgenfrei betreten zu können. Damit dies möglich ist, wird vor Silvester prächtig mit den Freunden oder auch mit den Arbeitskollegen gefeiert. Man geht in Bars, Kneipen oder zu Restaurants und feiert bis der Arzt kommt.

Diese Vorfeier dient dazu an Silvester und am Neujahr die Zeit eher gemeinsam mit der Familie in Ruhe genießen und zelebrieren zu können.

Und schon ist es Silvester. Bevor man am späten Abend einen Schrein besuchen geht, werden schnell ein paar Portionen Soba-Nudeln verdrückt. Soba-Nudeln werden aus Buchweizen gemacht und haben eine längliche dünne Form. Dadurch wünscht man sich ein „langes“ Leben. Wer an Silvester keine Soba-Nudeln gegessen hat, darf sich nicht beklagen, wenn er Pech im nächsten Jahr hat.

Danach wird ein Schrein besucht. Viele Japaner – besonders Frauen – machen sich für diesen Abend schön und ziehen einen Kimono an.

Japaner mögen es, in den drei Feiertagen drei verschiedene Schreine aufzusuchen, was schon zur Jahreswende beginnt.

108 – dies ist die Anzahl an Glockenläuten, die bis Mitternacht geschlagen werden. Erst danach kann die Menschenmasse das Schreingelände betreten. Auch das Glockenläuten soll die Lasten von einem entfernen.

Es kann lange dauern bis man seinen Neujahrswunsch am Schrein äußern kann. Nur mit kleinen Schritten kommt man langsam bei der Menge voran, so sollte man viel Zeit beim Schreinbesuch einplanen.

Dabei wird Amazake (süßer Reiswein) getrunken, ein Orakel gezogen, der einem sagt wie viel Glück im neuen Jahr bevorsteht oder man kauft eine Kleinigkeit.

Übrigens der erste Schreinbesuch wird als „Hatsumode“ bezeichnet.

Am Neujahr und in den darauf folgenden Tagen, die gleichzeitig auch Feiertage sind, trifft man sich mit der Familie und genießt eine Vielzahl an Essen, die schon vor Tagen zubereitet wurden – meistens sind es kalte Gerichte. Den anderen Familienmitgliedern oder auch Freunden, die man während dieser Zeit nicht besuchen kann, schickt man einfach eine Neujahrsgrußkarte („Nengajo“).

Eine weitere schöne Geste ist das „Otoshidama“. Kinder werden meistens am Neujahrstag von der Familie beschenkt. Das Geschenk ist ein Geldgeschenk, wo das Geld in schön dekorierten Umschlägen reingesteckt wird. Bei mehreren Kindern bekommt jeder dieselbe Summe; so gibt es keine Streitereien untereinander.

Früher spielten die Kinder auch viele traditionelle Neujahrspiele. Darunter zählten Drachensteigen oder Kreiselballspiele. Kreiselballspiele wurden meistens von den Jungs gespielt. Dafür vergnügten sich die Mädchen mit Federball. Auch waren Kartenspiele beliebt, besonders das „uta karuta“, wo die Kinder beweisen müssen, wie geschickt sie beim Erraten von hundert Gedichten sind.

Im Laufe der Zeit war diese Spielform veraltet, da durch die Technologie Geräte wie eine Playstation einen höher gestellten Wert bekommen haben.

Was man auch nicht vergessen sollte, sind die Mochis (Reiskuchen). Damals schenkten reiche Leuten und Läden Mochis, die in kleinen Beuteln mit einer Mandarine verpackt waren. Dadurch wurde jedem im neuen Jahr Glück zugesprochen.

Eine weitere Form des Mochis ist das Kagami-Mochi. Sie besteht aus einem großen und kleinen Mochi, wo der kleinere auf dem größere drauf liegt. Die Daidai ( jap. Orange) sitzt ganz oben auf der kleinen. Die zwei Mochis symbolisieren das Kommen und Gehen der Jahre und die Daidai steht dafür, dass eine Familie Generation zu Generation weiter existieren kann.

 daidai

Neujahr erst im Februar? Nicht mal so lange ist es her und das Neujahr wurde erst im Februar, wie auch in China heutzutage, gefeiert. Das liegt daran, dass Japan anfangs nach dem lunisolaren Kalender gerichtet war und sich erst ab 1873 dem Gregorianischen Kalender zuordnete. Ein Lunisorkalender richtet sich auch nach dem Lauf des Mondes und der Sonne und hatte so dreizehn Monate.

Und schon sind wir am Ende des Beitrages und ich hoffe, dass ihr nun mehr über das Neujahr in Japan erfahren konntet. So wünsche ich euch allen Akemashite, omedetô gozaimasu oder wie man es hier in Deutschland sagen würde: Alles Gute zum neuen Jahr. Für die, die es nicht ausschreiben wollen, kann auch einfach nur die Kurzform „Akeome“ genügen.

Eure Gipaan ✿♥‿♥✿

Kennt ihr schon unsere mobile App? Mit ihr könnt ihr nun auch unterwegs alle Neuigkeiten bei Japaniac nachlesen.

Kostenlos verfügbar für Apple und Android
avatar
2000

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.