Ich gehe durch die Stadt Osnabrück und komme an einem Geschäft mit der Aufschrift „Mangaküche“ vorbei. Neugierig wage ich einen Blick hinein und finde mich in einem kleinen, aber niedlichen Geschäft mit vielen bunten Küchenutensilien, Kochbüchern und anderen knallig bunten Gegenständen wieder. 

So oder so ähnlich könnte es vielleicht den einen oder anderen in die Mangaküche von Angelina Paustian verschlagen haben. Wir haben uns für euch mit ihr getroffen und mehr über das Leben als Kochbuchautorin und Besitzerin der Mangaküche erfahren!

Japaniac: Hallo Angelina! Vielen Dank, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast und wir dich näher kennen lernen dürfen. Stell dich doch bitte kurz für unsere Leser vor, damit sie wissen mit wem wir es heute zutun haben! 

Angelina: Mein Name ist Angelina Paustian und ich bin die Autorin der Mangakochbücher, daher kennt man mich eigentlich größtenteils. Außerdem bin ich auch viel auf Messen und habe nun die Mangaküche in Osnabrück eröffnet, wo man die Sachen von der Messe auch bei uns kaufen kann. Das sind zum Beispiel Kochbücher, Bentoboxen oder japanische Küchenartikel und hier in der Mangaküche geben wir auch Workshops.

Japaniac: Wo finden diese Workshops denn statt? Gibt es hier noch eine Küche oder einen zusätzlichen Raum für Workshops?

Angelina: Nein, bei den Workshops geben wir Termine vor, zu denen man sich anmelden muss. Diese kann man aber auch auf Facebook oder klassisch bei uns an der Tür finden. Je nachdem, was das für ein Workshop ist, werden japanische Sitzkissen oder Tische aufgebaut. Dies richtet sich natürlich danach, was das für ein Workshop ist. Bei uns gilt: Klein aber fein!

Japaniac: Das klingt natürlich praktisch und flexibel! Natürlich habe ich mich ein wenig schlau gemacht und in deinem Blog gelesen, dass du ein Jahr lang in Japan warst. Was für Erfahrungen hast du dort gesammelt?

Angelina: Größtenteils gute Erfahrungen. Man könnte sagen, es war das Jahr meines Lebens! Ich habe dort gelebt, in einer Gastronomie gearbeitet und hatte nette Chefs in der Küche. Wenn gerade keine Gäste da waren, habe ich vom Sushi-Meister gelernt und habe in Japan eine japanische Mami. Bei ihr kann ich immer wohnen, wenn ich wieder nach Japan fliege.

Japaniac: Bist du denn noch oft in Japan?

Angelina: Ja, dort bin ich jedes halbe Jahr. Ich habe dort in Kyoto gelebt und war für Recherchereisen in Tokyo, denn da gibt es viel mehr im Vergleich zum traditionellen Kyoto. Im Januar fliege ich wieder nach Japan und mache eine Rundreise von Süden nach Norden.

Japaniac: Nun eine persönliche Frage: Was sagt eigentlich der Sushi-Meister, von dem du gelernt hast zu deinen Kochbüchern? Findet er die gut?

Angelina: Lustigerweise hat er diese noch gar nicht gesehen! Aber meine japanische Mami kennt sie, hat auch welche bei sich Zuhause und findet sie super cool. Besonders verwundert hat sie das süße Sushi. Sowas gibt es ja eigentlich nicht, das ist eine Eigenkreation von mir. Ich habe aber auch andere Sachen aus dem Buch für sie gekocht und es hat ihr sehr geschmeckt.

Japaniac: Darauf kommt es schließlich an! Würdest du denn sagen, dass dein Leben bis heute nachhaltig durch diese Erfahrungen verändert wurde?

Angelina: Ja, auf jeden Fall! Ich stand ja vorher schon auf Manga, Anime und Japan. Aber ich habe nie gedacht, dass ich damit später beruflich etwas machen würde. Mit Japanologie ist es zum Beispiel schwierig etwas zu finden. Natürlich ist das Studium bestimmt super schön und spannend, doch es ist durchaus schwer nur damit später einen guten Job zu bekommen. Dazu braucht es noch mehr, deshalb habe ich für meine Berufswahl erstmal Japanologie aus meinem Kopf gestrichen.

Daraufhin habe ich Mikrobiologie studiert, also etwas ganz anderes. Doch das war nicht ganz das Richtige, dann habe ich Ernährungswissenschaften studiert. Vorher war ich auch schon in Japan und es hat mich nicht ganz losgelassen. Dieses Jahr hat mein Leben wirklich verändert!

Japaniac: Um auf die Küche zurück zu kommen: Was hast du eigentlich alles über die japanische Küche gelernt? Und hast du mehr darüber vom Sushi-Meister erfahren? Hat er dir da vieles näher gebracht?

Angelina: Man könnte sagen, dass ich von überall her ein bisschen was mitgenommen habe. Natürlich auch sehr viel vom Sushi-Meister, aber auch viel von meiner japanischen Mama. Dann habe ich noch mit einer japanischen Tempelköchin zusammen gekocht und mit einigen japanischen Hausfrauen.

Wenn ich nach Japan fliege, um für mein Buch zu recherchieren, zum Beispiel für mein Süßspeisebuch, futtere ich mich durch alle möglichen Süßspeise-All-you-can-eats. Natürlich denken da viele:„Oh Gott wie toll, geiler Job!“ Ja, das erste Stück ist auch toll, das zweite vielleicht auch noch. Aber beim siebten Stück, da wird es viel und beim elften Stück merkt man, dass das harte Arbeit ist. Aber man muss immer weiter für das Buch probieren, denn es soll ja auch gut werden.

Ich hole mir eigentlich von überall her Einflüsse, damit es am Ende so breit gefächert ist, wie nur möglich.

Japaniac: Nun hast du dann natürlich schon viel gesehen, selbst gegessen und gekocht. Was isst man so in Japan? Ist es wirklich so, wie wir es aus den Anime kennen oder doch ganz anders?

Angelina: Ja, das was wir in den Animes und Manga sehen ist wirklich meist genau das, was in Japan auf den Teller kommt. Essen spielt in Japan eine große Rolle, es werden oft keine Kosten gescheut, aber auch günstiges Essen kann natürlich super lecker sein.

Essen hat in der Gesellschaft wirklich einen ziemlich großen Stellenwert, eben so wie wir es aus den Serien kennen. Food Wars wäre jetzt etwas übertrieben, aber Essen ist schon eine Leidenschaft für sich.

Japaniac: Diese Leidenschaft können vermutlich ziemlich viele teilen, ich selbst gehöre auch dazu! Du hast ja wirklich viel recherchiert und viel Arbeit in deine Bücher reingesteckt. Wie war das denn für dich, als dein erstes Kochbuch veröffentlicht wurde?

Angelina: Mein erstes Kochbuch wurde im Rahmen meines Studiums entwickelt, es war schon ganz okay. Ich war ja noch Studentin und plötzlich wurde mein Kochbuch verlegt und es war auf Amazon zu kaufen, das war alles noch ziemlich neu für mich. Dann habe ich weiter studiert und in der Zeit habe ich mit dem Kochbuch dann den Gourmand World Cookbook Award gewonnen. Man könnte fast sagen, das ist ein Oscar unter den Kochbuchpreisen.

Daraufhin meinte der Verlag „Du hast einen internationalen Buchpreis gewonnen, willst du nicht noch eins machen?“ Ja, ich wollte dann noch eins machen, aber dann mit Manga. Und nach vielen Anfragen bei vielen Verlagen habe ich dann einen gefunden, der sich mit dem Thema anfreunden konnte und es dann gemacht hat. Da konnte ich mich dann auch ziemlich austoben.

Ich konnte da alle meine Erfahrungen reinstecken, dem Buch mein eigenes Design geben und sonst alles machen, was ich da in dem Buch haben wollte. Klar, das erste Buch zu machen hat auch wirklich viel Spaß gemacht und ich habe damit auch viele Erfahrungen gesammelt, aber das zweite Buch ist dann wirklich ein Schatz.

Japaniac: Wenn man bedenkt, dass von den vielen vielen Leuten, die ihr Buch auf den Markt bringen wollen, es nur ein ganz kleiner Teil auch wirklich bis ins Regal schafft, ist das schon eine bemerkenswerte Leistung!

Angelina: Ja, ich habe wirklich sicher 60 Verlagen mein Skript für mein Buch geschickt. Aber am Ende hat einer zugesagt und dieser eine hat gereicht, damit ich das was ich liebe auch wirklich machen kann. Gerade die Kochbuchbranche ist ziemlich voll und überladen, da braucht man schon unheimlich Glück und gute Ideen.

Aber wenn man an seinen Träumen und Zielen festhält und wirklich hart dafür arbeitet, dann kann man das auch schaffen!

Japaniac: Man sieht es auf jeden Fall! Nun sitze ich ja hier, habe mich umgeschaut und sehe die Ergebnisse deiner Arbeit. Wie kam es eigentlich zum Standort Osnabrück für die Mangaküche? Die meisten erwarten so eine Küche ja allein wegen dem Japantag schon in Düsseldorf, aber wie kommt es zu einem mittelgroßem Städtchen?

Angelina: Ganz einfach: Weil ich hier wohne! Ich bin ja auch viel auf Messen unterwegs und unter der Woche mache ich Rezepte, Bestellungen, YouTube oder etwas anderes, was so an Arbeit anfällt.

Für die Mangaküche habe ich geguckt, wie man es auch bei Wohnungen macht und habe nach freien Ladenflächen geschaut. Viele Flächen sind leider ziemlich überteuert, doch dann habe ich dieses Geschäft gesehen, welches frei war.

Der Standort liegt für die meisten Geschäfte eher ungelegen, deswegen war das hier auch nicht ganz so teuer, also dachte ich: Kann man ja mal versuchen und es hat direkt geklappt!

Japaniac: Wie kommt die Mangaküche denn bisher so bei den Menschen an?

Angelina: Ganz gut eigentlich. Es ist zwar schwierig, wenn man nur an einem Tag in der Woche offen hat und es ein wenig außerhalb von der Innenstadt liegt. Aber dafür besuchen uns ganz viele und ich denke, wenn es erst richtig mit den Workshops los geht, dann wird es hier sehr nett.

Japaniac: Und welche Zielgruppe kommt hier üblicherweise vorbei?

Angelina: Die Zielgruppe bewegt sich so von 10 bis 50 Jahren, da ist alles dabei! Da ist die Mama, die auch sehr gerne Animes schaut bis hin zur Schülerin, die die Bentoboxen und Stäbchen so süß findet. Es ist hier wirklich ein sehr breit gefächertes Publikum unterwegs! Das können die Menschen sein, die sich für die japanische Kultur interessieren oder einfach niedliche Sachen toll finden. Hier gibt es für jeden etwas zu finden.

Japaniac: Ja, das habe ich gerade schon gesehen! Hier gibt es fast alles vom Kaffeebecher bis über die Stäbchen. Aber wie kam es, dass du dir gesagt hast, dass du einen eigenen Laden eröffnen willst. Du hast Kochbücher und bist oft auf Messen anzutreffen, wann hast du dir gedacht, dass du einen Ort willst, an dem du den Menschen das alles zeigen und beibringen kannst?

Angelina: Ich glaube nicht, dass ich habe den Laden gesucht, sondern der Laden mich. Ich habe ab und zu geguckt, aber habe nicht damit gerechnet wirklich etwas zu finden. Und dann als ich mir den Laden angesehen habe, habe ich es direkt gewusst und die Entscheidung getroffen diese Idee mal auszuprobieren!

Man darf nur keine Angst haben, dass mal etwas nicht geht oder keine Leute kommen. Es gilt auch hier: Man sollte gut überlegen, aber trotzdem mal das Risiko wagen und seine Träume wahr werden lassen!

Japaniac: Gibt es denn schon eine besondere Nachfrage für deine Workshops?

Angelina: Ja, es gibt viele Leute, die einen Workshop mitmachen wollten, aber es nicht geschafft haben. Ich biete meine Workshops auch auf verschiedenen Messen an, aber dann habe ich hier einen zentralen Ort, an welchem das auch möglich gemacht wird.

Hier kann ich das auch so machen, wie ich es gern möchte und alles selbst planen. Vorher wurde ich oft auch gebucht, das war auch schön und hat Spaß gemacht, aber meist ist der Fahrtweg sehr weit oder es gibt vielleicht Probleme mit der Kommunikation. Hier kann ich alles selber planen und alle Abläufe schon vorher bestimmen. Das ist im Vergleich ziemlich entspannt.

Japaniac: Wieder zurück zum Geschäft! Gibt es in der Mangaküche DEN Verkaufsschlager? Wenn ja, was wäre das?

Angelina: Das sind tatsächlich meine Kochbücher! Die Leute gucken sich hier oft die Kochbücher an und finden die dann total süß oder interessant und dann werden die oft gekauft. Und die meisten, die das erste Buch gekauft haben, kaufen sich dann auch das zweite, was mich sehr freut!

Japaniac: Und hast du selbst denn auch einen heimlichen Favoriten?

Angelina: Ja, das wäre tatsächlich mein erstes Kochbuch. Eigentlich finde ich das zweite besser, weil ich da mehr machen konnte, aber das erste liebe ich wirklich sehr. Denn damit hat ja quasi alles angefangen! Ich weiß noch genau wie ich damals daran gearbeitet habe und dachte: Oh Gott, entweder die Leute werden es toll finden oder sie werden dich zerstören!

Ich habe besonders bei diesem Buch sehr viel Wert darauf gelegt, dass es möglichst änfängerfreundlich ist. Das ist dann besonders nützlich für die Leute, die vielleicht nicht so gut kochen können oder sich fast jeden Tag eine Pizza in den Ofen werfen. Ich habe viele einfache Begriffe verwendet, sodass jeder Spaß daran haben kann. Egal, ob man keine Ahnung vom Kochen hat oder Profi ist.

Das Problem kennen sicher viele: Man will etwas Leckeres aus einem Kochbuch nachkochen, aber man versteht die Begriffe aus dem Kochbuch nicht. Daran scheitert letztendlich das Vorhaben. Aber sowas wollte ich bei meinem Kochbuch nicht und selbst wenn es wirklich nötig ist, da es kein anderes Wort gibt, dann wird es zum Beispiel in einer Manga- oder Fotoanleitung erklärt.

Japaniac: Damit tust du deinen Lesern einen sehr großen Gefallen, dass sie nicht alles was du schreibst nachschlagen müssen! Wo wir beim Thema Buch sind, darf man fragen, ob schon ein neues Buch in Planung ist?

Angelina: Ja, also ich habe auf jeden Fall ein neues Buch in Planung. Dieses Buch wird aber nicht wie üblich im Frühjahr, sondern ein wenig später erscheinen, da ich gerade eine kleine Pause mache. Es gibt sogar relativ viele Buchprojekte, aber die behalte ich erstmal für mich.

Japaniac: Dann kommen wir nun auch schon zur Abschlussfrage: Wie würdest du die Atmosphäre in deiner Küche mit einem Wort beschreiben?

Angelina: Chaotisch! Wenn ich erstmal im kreativem Flow bin, dann lasse ich alles stehen und liegen. Dabei ist völlig egal, ob der Zucker umkippt oder es schlimm aussieht. Was für andere völlig chaotisch ist, ist dann für mich geordnet. Am Ende meines Flows schmeckt das Essen zwar toll und alle sind glücklich, aber meine Küche sieht dann meist eher unglücklich aus. Ich glaube das nennt man kreatives Chaos.

Wir bedanken uns bei Angelina für das tolle und super spaßige Interview und wünschen ihr noch viel Glück für ihre weiteren kreativen Kochideen! Falls auch ihr neugierig seid, dann besucht Angelina doch auf Facebook, ihrem Blog oder in der Mangaküche in Osnabrück! Ihr Kochbuch könnt ihr euch hier nach Hause bestellen. 

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Mein Name ist Katharina, und ich schreibe für gewöhnlich Manga-Rezensionen oder führe mal das eine oder andere Interview. Derzeit mache ich eine Ausbildung in einer Stadtbibliothek. Mangas haben mich immer fasziniert, in meiner Kindheit bis hin zu meinem Beruf. Sie brachten mir immer Magie, Faszination und großen Diskussionsstoff mit meiner besten Freundin. Neben den Mangas bin ich Instantnudel- und Espressovernichter mit Leidenschaft, ich zeichne gerne aber verbringe auch mal gern einen Nachmittag nur mit Serien.
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