Yami Kawaii By June Crees
A 'yami-kawaii' look by June Crees | Source: Courtesy of June Crees

Wie in den meisten Ländern gehört auch in Japan Suizid zu einem Tabuthema. Eine Modebewegung möchte das Schweigen brechen und Raum zur Diskussion schaffen.

Shadow Person
© 2018 Pixabay

Das Land Japan liegt auf dem sechsten Platz mit der höchsten Suizidrate weltweit (Stand 2017). Unter den Industrieländern gehört Japan zu dem Land mit der zweithöchsten Suizidrate. Auch wenn dieser Fakt in Japan weit verbreitet ist, wird darüber geschwiegen. Diskussionen werden nur für kurze Zeit laut.

Nach einer letztjährigen Untersuchung, durch die japanische Regierung, ging hervor, dass 59,9% den Wunsch haben ihre Kinder vor dem Suizid zu schützen. Außerdem wünschen sich 51% der Eltern spezielle Hilfezentren, die eine Anlaufstelle für Hilfesuchende sein soll. Fast 50% der Menschen ist es ein besonderes Anliegen, dass auch entsprechende Angebote am Arbeitsplatz existieren.

Aufschrei der Mode: „Sick-Cute“ Fashion

Kunst versucht schon immer soziale und emotionale Problematiken darzustellen und sie zu hinterfragen. Besonderes wird zum Nachdenken und Reden animiert.

Menhera Chan Sick´n´cutefashion
Symbol dieser Moderichtung: Menhera-chan vom Zeichner Bisuko Ezaki

In der japanischen Mode haben sich nun künstlerische Stimmen erhoben, die versuchen auf die hohe Suizidrate hinzuweisen. Eine neue Form der Ästhetik ist in der japanischen Landeshauptstadt Tokio aufgetaucht, die mit ihren ungewöhnlichen Accessoires aufsehen erregt. Plastikpistolen, Gasmasken, Pillen, Verbände und Pflaster werden in der sogenannten Yami-Kawaii Moderichtung in Szene gesetzt.

Yami bedeutet so viel wie krank – kawaii, was so viel wie niedlich bedeutet, wird von vielen als Wort für Mädchenhaftigkeit und Lieblichkeit verwendet. Daraus entsteht die „Sick-Cute“ Fashion: Mode, die seelische und körperliche Leiden und gleichzeitig Niedlichkeit symbolisieren soll. Ein Kontrast, der zunächst nur schwer nachvollziehbar erscheint aber auf Aufmerksamkeit stößt.

Umsetzung dieser Stilrichtung

Die Umsetzung dieser Stilrichtung ist provokant und als Blickfang gedacht. Vornehmlich junge Japanerinnen kleiden sich mit Accessoires ein, die ihre dunklen Gedanken und Gefühle abbilden. Ziel ist es durch diese Offenheit ein Stigma aufzulösen, das seelisch-kranke Menschen schlecht darstellt – doch ist das wirklich die Lösung für ein so ernstes Problem?

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Problematisch sind besonders die Gründe für die auftretenden Selbsttötungen. Dazu gehören in Japan finanzielle Probleme, Arbeitslosigkeit, Überarbeitung und der akademische Druck – diese Tatsache lässt doch einige Anime mit dem Setting „Schule“ in einem anderen Licht erscheinen.

Allison Alexy, eine Kultur-Anthropologin der Universität Michigan meint, dass es einen Unterschied im Umgang mit psychischen Problemen zwischen USA und Japan gebe. In Amerika sei es gewöhnlicher eine Therapie gegen seine psychische Leiden anzutreten als in Japan. Sie fügte hinzu, dass sie von Menschen aus Japan gehört habe, die Angst davor hätten als verrückt zu gelten, wenn sie eine Therapie besuchen würden.

Letztendlich ist Suizid und dessen vielfältige Gründe bis heute und wohl noch länger ein Tabuthema in der japanischen Gesellschaft. Da wird voraussichtlich auch dieser Aufschrei der Mode nicht viel helfen. Yami-Kawaii scheint jedoch einigen Menschen zu helfen ihre Gefühle auszudrücken und sich ein wenig besser zu fühlen. Die japanische Gesellschaft hat noch einen langen Weg vor sich, wenn sie wirklich dieses Problemen angehen möchten. Als Fazit kann man dies als ersten Schritt in einen besseren Umgang mit diesem ernsten Thema bezeichnen.

Etwas Wichtiges zum Schluss: Wenn du selbst mit solchen Problemen zu kämpfen hast oder jemanden kennst, der eventuell Hilfe brauchen könnte, findest du unter 0800/111 0 111 die kostenfreie Telefonseelsorge. Es ist immer hilfreich mit jemandem über Probleme zu sprechen und Hilfe zu suchen!

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QUELLEThe Japan Times
QUELLEThe Business of Fashion
Ich bin Student und Japan ist meine Leidenschaft. Lasst uns gemeinsam auf eine Erkundungsreise durch die japanische Kultur gehen und dabei köstliche Rezepte genießen.

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Margot Vesely
Gast
Margot Vesely

Nastassja-Chantal Vesely

Julîa Valfaè
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Julîa Valfaè

der link is down , hab ihr den artikel wieder gelöscht?

Yue Hotaru Mischko
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Yue Hotaru Mischko

Sabine Alina des is des yami-kawaii

Kerstin Benecke
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Kerstin Benecke

Sandra Benecke