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Interview mit Yannick Forstenhäusler

Dialogregisseur von One Piece STAMPEDE

Im Rahmen der deutschen Filmpremiere von One Piece STAMPEDE in München haben wir die Möglichkeit bekommen, Interviews mit den Verantwortlichen der deutschen Synchronfassung des Film zu führen. In den nächsten drei Wochen präsentieren wir euch Interviews mit Yannick Forsthäusler, Hubertus von Lerchenfeld sowie Uwe Thomsen.

Das erste Interview durften wir mit Yannick Forstenhäusler führen. Er war verantwortlich für das Drehbuch sowie die Synchronregie des Films One Piece STAMPEDE. Nachfolgend werden wir einfachheitshalber Yannick Forstenhäusler mit Yannick und uns selbst mit JPC abkürzen.

JPC: Hey Yannick! Erst einmal vielen Dank, dass du dich unseren Fragen stellst.

Yannick: Sehr gern.

JPC: Wie bist du eigentlich dazu gekommen, Dialogregie für Serien und Filme zu machen? War dir das Synchronsprechen auf Dauer zu monoton?

Yannick: Im Gegenteil. Ich bin durch die Regie überhaupt erst zum Sprechen gekommen. Viele Regisseure haben jahrelange Sprecherfahrung, die ich mir erst noch erarbeiten muss. Ich spreche selbst erst seit 1,5 Jahren. Eigentlich bin ich gelernter Tonmeister und betreue auch heute noch andere Synchron- und Werbeaufnahmen als solcher.

Eher per Zufall konnte ich mich an einem Dialogbuch versuchen und durfte im Laufe der Zeit an mehreren Projekten mitwirken (z.B. One Piece, MegaloBox) und landete letztlich dadurch in meinem ersten Projekt als Regisseur bei Inu Yasha, für das ich viele Dialogbücher geschrieben habe. Ich arbeite gern in verschiedenen Positionen und möchte keines meiner beruflichen Standbeine mehr missen.

JPC: Wie sind deine Erfahrungen während dem Drehbuchschreiben für One Piece STAMPEDE gewesen? Gab es viele Hürden zu meistern?

Yannick: STAMPEDE war insofern eine Herausforderung, da im Film viel Fanservice eingestreut wurde. Sämtliche Charaktere aus vergangenen und aktuellen Folgen haben ihren Auftritt und die müssen dementsprechend so bedient werden, wie die Fans sie kennen und lieben gelernt haben.

Gleichzeitig musste ich mich auf die neuen Fakten und Figuren einlassen, die STAMPEDE mit sich bringt. Sich mit Bullet und Buena Festa auseinanderzusetzen, über die man so gut wie nichts weiß, hat mir aber großen Spaß gemacht, kostete aber auch Zeit und die hat man nicht immer bei einer solchen Produktion.

Allein für Bullets Attackennamen habe ich mehrere Stunden gebrainstormt und ausprobiert. „Klingt englisch oder deutsch besser, was sieht synchrontechnisch besser aus, was ist stimmlich für den Schauspieler umsetzbar?“. Solche Überlegungen sind wichtig, gerade wenn sie auch Bezug auf die Serie nehmen können, wie Ruffys finale Attacke gegen Bullet zum Beispiel. Solche Erfahrungen machen aber auch den Reiz aus.

JPC: Gibt es gewaltige Unterschiede zu der Serie, die du ja auch als Synchronregisseur und Dialogbuchautor betreust? Wenn ja, welche wären es?

Yannick: In der Serie muss man sehr darauf achten, dass die Kontinuität wie Begriffe, die in alten Folgen verwendet wurden, erhalten bleibt. Das ist bei einem in sich abgeschlossenen Film wie STAMPEDE etwas einfacher. Noch schwieriger finde ich es Odas Wortspiele mitzunehmen oder sein Storytelling zu erahnen, was beinahe unmöglich ist. Wir können „nur“ abnehmen, was das Original hergibt und haben nicht sein Wissen, was noch passieren wird.

Was mir persönlich sehr viel Spaß macht ist der Zeitpunkt, wenn ein neuer Arc beginnt und man neue Orte entdeckt und sich mit den Einwohnern und den Besonderheiten der Gegend vertraut machen muss, um die Geschichte verstehen und auch korrekt auf Deutsch wiedergeben zu können. Hierbei hilft uns natürlich der Manga und auch die ein oder andere Diskussion um die neuen Anime-Folgen. One Piece ist, wie ihr wisst, wahnsinnig verzahnt. Den Überblick bei über 900 Folgen zu behalten ist verdammt schwierig, aber genau das zu meistern, ist für mich sehr spannend.

JPC: Wie sind denn so deine Erfahrungen als Synchronregisseur? Ist es sehr schwer alle Aufnahmen unter einem Hut zu bringen und die Synchronsprecher zu Höchstleistungen zu treiben?

Yannick: Die Planung der Aufnahmetermine übernehmen zum Glück ja die Produktionsleitung in Zusammenarbeit mit dem Tonstudio und die Aufnahmeleitung, die die jeweiligen Sprecher zu ihren Rollen bucht. Daher ist der organisatorische Aufwand für mich nicht so groß.

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Meine Aufgabe ist es den roten Faden durch die Folgen zu ziehen, den Überblick zu behalten und die Sprecher anzuweisen. Wie zum Beispiel auf Anschlüsse in der Lautstärke und Emotion zu achten, so dass es sich am Ende echt anfühlt. Daniel [Schlauch], Stephanie [Kellner] oder irgendeinem Sprecher der Strohhüte muss ich nicht mehr sonderlich viel erklären. Sie haben ihre Figuren verinnerlicht, wissen, wie sie funktionieren, was sie bedienen müssen. Sie sprechen sie teilweise seit 17 Jahren. Da geht es oft nur noch um das Feintuning oder Begriffserklärungen in der entsprechenden Situation.

Das können natürlich auch viele andere Sprecher der Serie, die über mehrere Jahre hinweg auftauchen. Spannend wird es hingegen, wenn ein Charakter zum ersten Mal neu auftaucht. In dem Fall achte ich beim Schreiben der Folge schon, wer ihn oder sie sprechen kann, welche Charge man nutzt, ob man sich ans Original anpasst oder eine andere Stimmlage wählt, was auch sehr abhängig vom Wesen der Figur ist. Bei den Aufnahmen nehmen wir uns dann mehr Zeit, so dass der Sprecher oder die Sprecherin die Möglichkeit hat, seine Rolle kennenzulernen.

Wir versuchen dann auch verschiedene Stimmungen, Stimmlagen und Chargen bis es sich richtig anfühlt. Da toben wir uns teilweise richtig aus. Viele finden es toll, mal schauspielerisch und stimmlich so übertreiben zu können wie bei One Piece.

JPC: Interessierst du dich auch privat für die Anime- und Manga-Kultur? Falls ja, welche Anime und/oder Manga haben dich am meisten fasziniert?

Yannick: Ich habe früher nach der Schule sehr viel Anime geschaut. Bin mit Dragonball, Dragonball Z, Captain Tsubasa, Yu-Gi-Oh!, Pokémon, Digimon, One Piece und Inu Yasha, später mit Neon Genesis Evangelion, Hellsing, Candidate for Goddess und anderen Serien aufgewachsen. Das gehörte früher einfach zu meinen Hobbys und zu meinem Alltag dazu. Die Häufigkeit hat mit dem Älterwerden etwas nachgelassen, da mein Studium und heute die Arbeit natürlich mehr Zeit in Anspruch genommen haben bzw. nehmen.

Wenn ich heute mindestens acht Stunden am Tag im Studio sitze und arbeite, habe ich abends den Kopf so voll, dass ich mich dann nur selten wieder vor eine Serie oder einen Film setze, da mein Kopf beim Schauen immer auch auf die Leistung der Kollegen (Regie, Dialogbuch, Sprecher) achtet. Ich informiere mich aber trotzdem ab und an noch über aktuelle Anime. Ich denke, dass man das als Fan auch nicht mehr so schnell ablegt.

JPC: Anime kommen ja aus Japan. Kannst du Japanisch? Falls nein, würdest du es gerne lernen wollen? Fasziniert dich diese Sprache?

Yannick: Ich spreche leider kein Japanisch. Das würde mir sicherlich bei Anime-Produktionen helfen. Durch das regelmäßige Hören verstehe ich aber schon einzelne Worte, was bei der Orientierung und der Arbeit hilft. Ich möchte aber unbedingt nach Japan reisen, um das Land, die Menschen und die Kultur näher kennenzulernen. Gegen einen Crashkurs vorab hätte ich definitiv nichts einzuwenden!

JPC: Wie war es, sich mit den One Piece-Fans auf der Filmpremiere auseinanderzusetzen und ihnen Rede und Antwort zu stehen? Sowas seid ihr ja schließlich nicht alle Tage gewöhnt.

Yannick: Solche Events schätze ich sehr, da man nur selten direktes Feedback von Fans erhält. Der Austausch war bei der Premiere leider etwas kurz, da der Film natürlich im Vordergrund stand. Auf Messen und Cons wie der MAG, AnimagiC und Co. lässt der Rahmen längere Gespräche zu. Daher halte ich mich gern bei solchen Treffen auf und stehe als Gast jederzeit zur Verfügung.

Mich interessiert es zu hören, was den Leuten gefällt und was nicht. Was gewünscht wird oder was den Zuschauern vielleicht schon aus den Ohren hängt. Ich finde den Austausch mit der Community wahnsinnig wichtig. Kritik hilft meiner Leistung und damit am Ende der Produktion.

Vielen Dank an Yannick Forstenhäusler für dieses aufschlussreiche Interview!

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2000

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