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Interview mit Sophie-chan

Die Mangaka von Ocean of Secrets

Im Rahmen von Band 1 des Manga Ocean of Secrets durften wir ein Interview mit der Künstlerin hinter dem Werk führen.

Vielen Dank an dieser Stelle an das TOKYOPOP-Team für das Organisieren und auch Sophie-chan selbst, die sich hierfür Zeit genommen hat.


JPC: Am Anfang sieht dein Manga Ocean of Secrets eher wie ein Shojo- oder ein Drama-Manga aus, aber noch innerhalb des ersten Bandes wendet er sich immer mehr einem Shōnen-Manga zu. Ist das gewollt? Wie kam diese Änderung zustande?

Sophie-chan: Es ist am Anfang der Übergang vom Shojo zum Shōnen. Als ich die Geschichte entwickelte, ergab sich das so, denn am Ende des Tages wollte ich genau diese Geschichte so erzählen. Die vielen Kampfszenen haben dazu wohl zu dem Wandel beigetragen und so hat sich die Geschichte verändert. Mein Zeichenstil könnte auch ein Grund dafür sein, dass ein Shojo vermutet wird Dieser sieht wie ein  Shojo aus, wenn man sich zum Beispiel die Protagonistin Lia ansieht. Selbst das Cover sieht wie bei einem Shojo aus. Aber in Wirklichkeit ist es kein eindeutig erkennbarer ShojoIm zweiten und dritten Band werdet ihr die Veränderung sehen. Es ändert sich völlig. Es wird einiges mehr an Magie, Kämpfen und Spannung geben, wie in klassischen Shōnen. Ich denke, ich habe mich auch von verschiedenen Anime inspirieren lassen. Sehr interessiert war ich immer an den plötzlichen Wendungen in einem Anime – das macht eine Geschichte erst spannend.

JPC: Hast du ein Lieblingsgenre bei Manga oder was du gerne zeichnest oder liest?

Sophie-chan: Ich mag Fantasy und Abenteuer. Deshalb schreibe ich immer über Fantasy.

JPC: Dies ist dein erster Manga, soweit wir wissen. Könntest du dir vorstellen eine weitere Serie nach Ocean of Secrets anzufangen? Oder gibt es dahingehend vielleicht sogar bereits Pläne?

Sophie-chan: Bisher habe ich noch keine anderen Ideen entwickelt, aber das wird man sehen.

JPC: Würdest du denn gerne eine neue Serie starten?

Sophie-chan: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich fokussiere mich im Moment auf Ocean of Secrets. Wenn es vorbei ist, dann werde ich schauen, was mir dann in den Sinn kommt.

JPC: Dürfen wir wissen, wie weit du bereits mit dem zweiten Band bist?

Sophie-chan: Ich habe den zweiten Band bereits beendet, dieser wurde in den USA schon veröffentlicht. Ich arbeite gerade an dem dritten und letzten Band.

JPC: Man kennt dich hauptsächlich für deine Manga- und Charakter-Videos auf YouTube. Wie war es für dich nun plötzlich einen Manga zu kreieren?

Sophie-chan: Es begann alles als Hobby im Jahr 2008. Dort habe ich mit YouTube angefangen; es war schon immer ein Hobby für mich. Als ich dann einige Follower hatte, wollte ich meinen Manga als Eigenproduktion selbst auf den Markt bringen. Nur um zu sehen, ob dieser gut bei meinen Followern ankommt. Durch das Self-Publishing habe ich den ersten Schritt gemacht. Die vielen Follower haben mir wirklich sehr geholfen, meinen Traum zu verwirklichen

JPC: Da du gerade von Self-Publishing redest: Wo genau ist der Unterschied zwischen dem selbstständigen Verlegen und wenn ein Verlag dahinter steht?

Sophie-chan: Man muss beim Self-Publishing viel mehr planen und kalkulieren und das vor allem weit  im Voraus. Man muss sich auch im Klaren darüber sein, wie viele Exemplare man druckt. Es ist sehr riskant und man ist selbst für alles verantwortlich.

Mit einem Publisher arbeitet man mit Redakteuren und hat Experten, die sich um einen kümmern. Ein weiterer Punkt ist, dass man mehr Leute durch einen Publisher erreichen kann. Im Self-Publishing beschränkt sich  die Reichweite leider mehr oder weniger auf die eigene Community und Manga-Conventions.

JPC: Wie hart war es als Mangaka akzeptiert zu werden?

Sophie-chan: Für einen englischen Mangaka ist es grundsätzlich etwas schwerer akzeptiert zu werden, da der Markt natürlich von japanischen Künstlern dominiert wird. Darum haben viele nationale Künstler zu Self-Publishing gegriffen. Früher war Manga auch noch nicht so verbreitet.

Bereits das Zeichnen zu studieren ist ebenfalls schwierig, denn die beste Ausbildung als Mangaka erhält man immer noch in Japan. Als ich 17 war, gab es keinerlei Ausbildung für Mangaka, außer in Japan. Doch inzwischen gibt es dank dem Internet viel mehr Möglichkeiten für Nachwuchskünstler.

JPC: Gibt es viel Konkurrenz auf dem Markt?

Sophie-chan: Inzwischen schon, da hat sich in den letztzen Jahren einiges getan. Digitale Kunst wird immer mehr akzeptiert und ist auch viel preiswerter als traditionelles Zeichnen. Und immer mehr Fans stoßen auch auf das Medium Manga und finden Gefallen daran

JPC: Woher nimmst du deine Inspiration und die Ideen zu deinen Werken?

Sophie-chan: Inspiration habe ich vor allem durch das Lesen von anderen Manga und das Schauen von Anime. Aber natürlich auch von Filmen, wie beispielsweise die Filme von Hayao Miyazaki. Sehr viele Fantasy-Filme inspirieren mich.

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JPC: Hast du auch einen Mangaka oder eine Person, die dich inspiriert?

Sophie-chan: Es gibt ein paar Manga-Künstler, die ich sehr mag. Beispielsweise die Mangaka von Black Butler oder Pandora Hearts. Ich mag deren Stile. Als ich angefangen habe meinen Zeichenstil zu entwickeln, habe ich durch ihre Werke gelernt. Auch meine Künstlerfreunde inspirieren mich viel und wir versuchen uns gegenseitig zu unterstützen. Ich denke das ist meine größte Inspirationsquelle.

JPC: Als du angefangen hast zu zeichnen, warst du noch ein Kind. Ist Ocean of Secrets eine Story aus deinen Kindheitstagen?

Sophie-chan: Mit 7-8 Jahren habe ich die Story entwickelt, aber ich würde sagen ich habe sie erst mit zunehmenden Alter weiterentwickelt. Jedes Jahr habe ich die Story weiter ausgearbeitet und entwickelt.

Meine ersten zwei Manga habe ich mit 14-15 Jahren gezeichnet. Ich habe nur eine Kopie davon gedruckt, nur für mich. Er hieß „The Evil of Kindness“. Darin ging es um einen Jungen, der von einem Dämon besessen ist. Ich war damals unfassbar stolz darauf ihn meinen Freunden zu zeigen.

JPC: Wie war denn das Feedback dazu?

Sophie-chan: Das Feedback dazu war sehr gut. Jeder lobte mich immer, auch in der Highschool. Das gab mir Mut weiterzumachen.

Übrigens wusstet ihr was ich eigentlich gelernt habe? Ich bin eine Ingenieurin. Ich habe darin meinen Abschluss nach der Highschool gemacht. Manga war früher nur ein Hobby, zumindest bis nach dem College. Es gab damals keine Manga-Schulen und auch mit einem Kunst-Stipendium konnte ich das nicht wirklich machen und habe daher mit dem Ingenieurswesen angefangen. Ich habe noch immer YouTube-Videos gemacht und dank dem Support nie aufgehört.

JPC: Während Ocean of Secrets, blieb da noch Zeit für Dinge wie deine YouTube-Videos?

Sophie-chan: Es war sehr schwer. Ich hatte oft eine Pause von 2-3 Monaten zwischen den Videos machen müssen, da ich einfach nicht die Zeit dafür gefunden habe. Auch meine Freunde hat das teilweise gestört und mich darauf hingewiesen, mehr zu posten.

Nach der Universität musste ich arbeiten, um Geld zu verdienen. Das war ein weiteres Problem. Ich wollte eigentlich danach nur zeichnen, aber konnte es nicht, da ich angestellt war. Ich habe morgens gearbeitet und sobald ich daheim war habe ich versucht zu zeichnen.  Es war sehr stressig dabei die Videos aufzunehmen und den ganzen Arbeitsaufwand noch nebenbei zu bewältigen.

JPC: Hast du dir eine Deadline gesetzt, wie schnell dein Manga fertig sein musste? Beim Self-Publishing stand ja kein Publisher mit einer Deadline dahinter.

Sophie-chan: Ich habe die damalige Comic-Con als meine Deadline genommen. Diese war im April. Ich habe mir immer eine Deadline von rund 6 Monaten für Zeichnen und Drucken des Manga gesetzt. Durch diese Deadline habe ich jede Nacht gearbeitet, aber es hat sich gelohnt und ich habe es am Ende geschafft.

JPC: Wie war bisher das Feedback zu deiner Arbeit auf der Convention?

Sophie-chan: Das Feedback war großartig. Ich habe so viele Fans getroffen, was mich sehr glücklich macht. Ich hätte niemals mit so vielen Fans in Deutschland gerechnet. Es ist aufregend und macht mich sehr glücklich.

JPC: Wie lange hat es gedauert, bis du Ocean of Secrets fertig hattest?

Sophie-chan: Beispielsweise für Band 2 und aktuell Band 3 der Reihe, an dem ich gerade arbeite, brauche ich so ca. 5-6 Monate. Ich versuche im Regelfall eine Seite pro Tag hinzubekommen.

JPC: Was fandest du schwieriger? Das Storyboard, das Zeichnen oder vielleicht etwas ganz anderes?

Sophie-chan: Das Storytelling fiel mir recht schwer. Manchmal habe ich eine Idee und dann liest es mein Mann, der auch gleichzeitig mein Redakteur ist und findet Unstimmigkeiten, die manchmal das Storytelling beeinflussen. Es ist eine Herausforderung, aber man lernt durch die Erfahrung.

JPC: Hast du einen Lieblingscharakter in deinem Manga?

Sophie-chan: Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Mein Mann mag Lucas sehr. Ich mag Lia am meisten. Lia war der erste Charakter, den ich gemacht habe und die sozusagen mit mir aufgewachsen ist.

JPC: Hast du noch etwas, das du den deutschen Fans mitteilen möchtest?

Sophie-chan: Ich bin sehr aufgeregt, dass mein Manga nun auch in Deutschland erhältlich ist. Es ist großartig, seinen Manga nun in einer anderen Sprache zu sehen. Ich bin sehr froh hier zu sein und deutsche Fans zu haben, hoffentlich kommt Band 2 auch so toll an. Ich hoffe, ich habe in Zukunft vielleicht die Gelegenheit erneut nach Deutschland zukommen.

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