Interview mit Melanie Schober!

Durch harte Arbeit und starkem Willen hat Melanie Schober geschafft, von dem viele träumen. Vielleicht kennt der eine oder andere von euch sie durch ihre Mangas, wie Skull Party, Personal Paradise oder Raccoon. Was sie nun über den Weg zum Mangaka erzählen kann erfahrt ihr hier!

JapaniacHallo Melanie! Du warst ja neulich auf der MMC in Leipzig zu bestaunen. Wie ergeht es dir so, wenn du an deine Zeichenanfänge denkst und nun als erfolgreiche Mangaka tätig bist?

Melanie: Da ich eher selten auf Messen und Conventions unterwegs bin, und ich eigentlich noch keine „Routine“ diesbezüglich entwickelt habe, ist es jedes Mal ein wenig wie „Weihnachten“ für mich, Gleichgesinnte zu treffen. Und zwangsläufig erinnere ich mich jedes Mmal an meine erste Convention (AnimagiC 2003) und meinen ersten Verkaufsstand (Leipziger Buchmesse 2005).
Damals war alles noch sehr klein und familiär und die Zeichner waren lange nicht so professionell, wie heute. Conhon-Einträge gab es zum Beispiel gratis. Heute sind Independent-Zeichner kleine Geschäftsmänner- und Frauen und verdienen teilweise richtig viel Geld mit ihrem Hobby, das teilweise zum Beruf geworden ist.
 Ehrlich gesagt, erfüllt mich dieser innere Vergleich von damals zu heute immer wieder mit Stolz. Nicht nur auf mich selbst, sondern auf uns alle, die wir jahrelang am Ball geblieben sind und uns stetig verbessert haben! Nicht nur zeichnerisch, sondern auch in Sachen „Überlebenskunst“.
Wir haben es tatsächlich geschafft, uns eine eigene, kleine Nische zu schaffen, in der wir zum Teil von unserer Arbeit leben können! Jedesmal, wenn ich das auf Conventions live erlebe, bin ich mega glücklich über die Entwicklung der Zeichner in den letzten 3–4 Jahren und hoffe, dass es weiterhin so steil bergauf geht.
Japaniac: Das muss wirklich überwältigend sein! Du spricht von einer „Überlebenskunst“, wie kann man sich das Vorstellen? Viele wissen, dass es sehr schwer ist sein Hobby zum Beruf zu machen, da es viel Talent und Hartnäckigkeit braucht, um in diesem Beruf zu bleiben und davon leben zu können. Wie war das bei dir, wie hast du es geschafft?
Melanie: Hartnäckigkeit ist das Stichwort! Ich glaube, ich habe es nur geschafft, Carlsen auf mich aufmerksam zu machen, weil ich unglaublich „nervig“ war. Sprich: Ich habe mehrere Verlage permanent mit Bewerbungen bombardiert und an verschiedenen Wettbewerben teilgenommen, um auf mich aufmerksam zu machen.
Vor 10 Jahren waren das die „Mittel der Wahl“, um bekannt zu werden. Heute schafft man das eher durch Webcomics oder selbst verlegte Werke in Kombination mit direkten Bewerbungen. Wettbewerbe spielen (leider) keine so große Rolle mehr.
 Und wenn man es dann geschafft hat bei einem Verlag unter zu kommen, muss man vor allem mit Verlässlichkeit und Fleiß punkten. Wer dauernd seine Deadlines verpasst, für den Verlag nicht erreichbar ist, oder keine Kompromisse akzeptieren kann, für den ist die Verlagswelt schon mal nichts (was nicht bedeutet, dass man seinen großen Traum deswegen an den Nagel hängen muss. Manche Zeichner kommen als freiberufliche Illustratoren/Künstler auch gut über die Runden).
Aber egal welchen Weg man nun wählt – als Verlagszeichner oder freier Künstler … Hartnäckigkeit und Zuverlässigkeit sind das A und O! Denn es spricht sich schnell herum, auf welche Zeichner man sich verlassen kann und auf welche nicht.
Eigentlich ist ein Job im Bereich Manga genauso „spießig“ wie andere Berufe, wenn man es so sieht. Nur die fleißigen Arbeitsbienen setzen sich langfristig durch. 🙂
Japaniac: Das klingt fast so, als hättest du dieses Ziel dein Leben lang vor Augen gehabt, dass du so konsequent einen Verlag „nervst“ und dir auf diese Weise einen Namen machst. Gibt es etwas, was du den Menschen empfehlen würdest, die dieses Ziel ebenso vor Augen haben? Und gibt es etwas, was dich besonders inspiriert und diesen Beruf weniger „spießig“ gestaltet?
Melanie: Ja!!! Es ist im Grunde ganz einfach: Der Job selbst – das Zeichnen – ist der unspießige Part des Mangazeichnerdaseins. Beim Geschichtenerzählen und Entwerfen neuer Figuren kann man sich wirklich in eine „andere Welt“ begeben. Man MUSS das sogar, weil die fertige Arbeit sonst nicht überzeugend rüber kommt.
 Man muss sich da so richtig hineinsteigern und es selber cool finden, ansonsten spürt der Leser, dass man nur ein riesiger, wandelnder Fake ist! Und dieses Herumspinnen und Mitleiden mit den eigenen Figuren – das macht riesigen Spaß und ist überhaupt nicht spießig.
Am liebsten hätte ich einen Manager, der mir all das langweilige Zeug, wie „Mails abarbeiten“ oder „mit Kunden kommunizieren“ oder „Rechnungen schreiben“ abnimmt. Dann könnte ich mich viel besser aufs Zeichnen und Fantasieren konzentrieren! Und es wäre wieder so wie in Kindertagen, als man einfach nur gezeichnet hat, weil man es geliebt hat zu zeichnen. Das ist bei mir meistens auch immer noch so, aber der ganze Papierkram nervt einfach nur! *haha*
Japaniac: Wenn ich das mal persönlich sagen darf, das hast du echt genial hinbekommen! Ich habe Personal Paradise gelesen und muss schon sagen, dass ich ziemlich mit den Figuren fühlen konnte und dauernd mitgefiebert hab. Wie ich merke, widmest du dein ganzes Leben dem Zeichnen und lässt dich davon bis heute nicht abbringen.
Apropos zeichnen: Hast du dich ganz einfach an Stift und Papier gehalten oder gibt es eine Methode, für die du deine Hand ins Feuer legen würdest?
Melanie: Vielen Dank! Gerade Personal Paradise ist mein super-duper Herzensprojekt! 🙂
Also, die Hand ins Feuer legen würde ich unter keinen Umständen! Denn gerade die braucht man am dringendsten, ob man nun digital arbeitet oder analog. *haha* Nein, Scherz beiseite: Es gibt nichts, das Stift und Papier für mich persönlich ersetzt.
 Ich hab zwar mittlerweile ein digitales Zeichentablet mit Bildschirm, auf dem ich direkt zeichnen kann, aber das fühlt sich trotzdem nie so an, als würde man mit einem Stift auf Papier zeichnen. Für mich entfaltet sich dabei eine besondere Energie, deswegen skizziere ich immer noch ganz altmodisch mit Bleistift und scanne die Entwürfe dann ein, um sie digital zu bearbeiten.
Meine Mangas inke ich auch immer noch mit Feder und Tusche, weil ich davon überzeugt bin, dass die traditionelle Linie unschlagbar viel Persönlichkeit transportiert, während digitales Inking einen Teil der Einzigartigkeit durch die Umwandlung in Einsen und Nullen einbüßt.
 Der PC ist für mich eine Möglichkeit, schneller, ökonomischer und anders zu arbeiten, oder neue Techniken und Looks auszuprobieren, aber mein Herz hängt am „normalen Zeichnen“ mit Stift und Papier.
Anfängern empfehle ich unbedingt, erst mal ohne teure Technik die Grundlagen zu üben und das Zeichnen zu genießen. Erst später, wenn das Zeichnen zur Leidenschaft oder zum Beruf geworden ist, sollte man sich unbedingt auch ein Grafiktablett anschaffen. Und wenn man dann eines besitzt, habe ich tatsächlich einen kleinen Geheimtipp für euch: Das Programm „Clip Studio Paint“ ist sehr preisgünstig im Vergleich zu Photoshop und zudem noch viel besser geeignet, um Illustrationen zu zeichnen, oder digital zu tuschen! 🙂
Japaniac: Ich finde das sehr faszinierend, dass du da noch so traditionell bleibst. Ich persönlich sehe es wie du, dass vieles an der eigenen zeichnerischen Persönlichkeit verloren geht und von der Technik ersetzt wird. Ich denke, dass man jetzt schon sagen kann, dass das wirklich Tipps sind, die Gold wert sind!
 
Besser gesagt Geld, da du ja schon auf Preisunterschiede eingegangen bist. 🙂 Wir sind auch schon fast am Ende unseres Interviews angekommen!
Wo siehst du dich eigentlich auf deinem weiterem Weg als Mangaka? Und gibt es noch etwas, was du am Ende unseren Lesern sagen möchtest?
Melanie: Wie gesagt: Ich will digitales Zeichnen auf keinen Fall schlecht reden! Ich liebe es selber total, ohne viel „Schweinerei“ auf dem Schreibtisch bequem digital zu colorieren. Aber Mangas sehen meiner Meinung nach mit traditionellem Strich einen Ticken besser aus. Dazu kommt noch, dass ich „per Hand“ einfach viel schneller bin. : )
Die Frage nach der Zukunft ist immer schwierig. Früher war es mein ganz großer Traum, international bekannt zu werden. Das ist mir heute nicht mehr so wichtig. Dieses ganze Streben nach mehr und mehr und mehr hat mich irgendwann zu viel Kraft gekostet und mir den Spaß am Zeichnen genommen.
 Mir reicht es heute vollkommen, für ein kleines, treues Publikum im deutschsprachigen Raum zu zeichnen. Sollte daraus unverhofft doch mehr werden, werde ich mich sicher auch nicht beschweren, aber es ist nicht mehr mein ultimatives Ziel. Heute konzentriere ich mich wieder mehr darauf, persönlich Spaß aus meiner Arbeit zu ziehen.
Ich mache Projekte für mich selbst, die ich auch selber verlege (z. B. ist ein Album mit lustigen Comicstrips zum Ende des Jahres geplant), zeichne weiterhin Mangas für den Carlsen Verlag und nehme nebenher Illustrationsaufträge an. Mein Leben ist im Moment ziemlich bunt und abwechslungsreich. Manchmal hab ich Angst, all das gar nicht mehr unter einen Hut bringen zu können, aber irgendwie klappt’s dann doch immer wieder.
 Ich kann wirklich überhaupt nicht sagen, was mir die Zukunft bringen wird. Heutzutage ist alles möglich! Aber ich hoffe natürlich, dass ich weiterhin genug mit meiner Arbeit verdiene, um weiterhin den Zeichenstift schwingen zu können 😀 Es ist mehr als nur ein Job. Es ist eine Berufung!
Und das bringt mich zu meinem Schlusswort: Allen, die gerne zeichnen und das zum Beruf machen wollen, rate ich, sich das ganz genau zu überlegen. Man muss das Zeichnen nicht nur mögen, um diesen Weg zu gehen, man muss es LIEBEN, man muss es fast schon atmen. Sonst schafft man es nicht.
Denn wie gesagt: Es ist ein unsicherer Beruf, man kann sich auf nichts verlassen. Es gibt keine Garantien für Erfolg, auch wenn man sehr hart arbeitet (obwohl hart arbeiten schon mal keine schlechte Idee ist ;D). Es gibt auch keine Garantie dafür, dass man für immer Erfolg haben wird, wenn man mal „on top“ ist.
 Und mit dieser Unsicherheit, gepaart mit Selbstzweifeln, Leidenschaft, viel Kritik von außen und Herzblut muss man zurecht kommen können! Ich hab’s schon ein paar Mal erlebt, dass Zeichner alles hingeschmissen haben, weil sie mit dem Druck nicht klar gekommen sind und ihnen das den Spaß am Zeichnen komplett genommen hat.
Also: Macht es nur, wenn ihr euch sicher seid, dass das Zeichnen eure Leidenschaft ist. Denn wenn ihr es beruflich macht, werdet ihr schnell merken, wie viel Leiden es tatsächlich manchmal schafft. *haha*
Japaniac: Da haben es die Leser noch einmal schwarz auf weiß: Keine Berufe nur aus der Laune heraus! Ich finde es sehr faszinierend wie du das Zeichnen für dich beschreibst, vielleicht können sich ja die einen oder anderen mit diesen Worten identifizieren.
 
An dich, liebe Melanie, ein riesiges Dankeschön für dieses tolle Interview! Es hat wirklich Spaß gemacht und es war toll von dir ein wenig in die Welt eines Mangakas entführt zu werden! Ich wünsche dir, dass du diese Freude am Beruf dein Leben lang behältst und diese mit uns in Form von weiteren tollen Mangas teilst.
 
Mein Name ist Katharina, und ich schreibe für gewöhnlich Manga-Rezensionen. Derzeit mache ich eine Ausbildung in einer Stadtbibliothek. Mangas haben mich immer fasziniert, in meiner Kindheit bis hin zu meinem Beruf. Sie brachten mir immer Magie, Faszination und großen Diskussionsstoff mit meiner besten Freundin. Neben den Mangas bin ich Instantnudel- und Espressovernichter mit Leidenschaft, ich zeichne gerne aber verbringe auch mal gern einen Nachmittag nur mit Serien.