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Interview mit Imomushi Narita

Die Mangaka von IT'S MY LIFE und Killing Me / Killing You

Auf der CoAket 2019 war Imomushi Narita einer der geladenen Ehrengäste. Die Japanerin veröffentlicht ihren Manga IT’S MY LIFE ab August 2019 hierzulande bei Manga Cult. In einem Interview stand sie uns Rede und Antwort.

Vielen Dank an dieser Stelle an die CoAket, die das ganze Interview für uns organisiert hat, aber auch an den japanischen Verlag Shogakukan, der dem ganzen reibungslos zugestimmt und genehmigt hat. Natürlich auch ein großes Dankeschön an Narita und ihren Redakteur, die sich extra für das Interview Zeit genommen haben. Nachfolgend werden wir uns mit JPC abkürzen, während Frau Narita Imomushi mit Narita abgekürzt wird.

Anmerkung: Das Interview wurde mittels eines Dolmetschers geführt, sodass alle Antworten in dritter Person formuliert wurden. Für das Interview haben wir alle Antworten deshalb in Ich-Form geschrieben.

Anmerkung #2: Das Interview könnte Teile der Story (hauptsächlich den Anfang) ein wenig spoilern. Weiterlesen auf eigene Gefahr.


JPC: Hallo Narita-sensei und vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit für uns nehmen. Es ist uns eine große Ehre.

Narita: Vielen Dank, ich freue mich sehr.

JPC: Mit wem können Sie sich eher identifizieren: Mit Captain Astra L. Doomsday, der seine Ruhe haben will, oder mit Hexenmädchen Noah, die sich einfach frech in sein Leben drängt?

Narita: Ich habe beiden Charakteren viel von mir selbst gegeben. Da ich selbst jedoch eher lebhafter bin, identifiziere ich mich wohl mit Noah am meisten.

JPC: Ist die Farbpalette der Charaktere passend zu deren Persönlichkeit ausgelegt?

Narita: Ich habe versucht die Farbpalette an die Charaktere anzupassen. Bei den Charakteren, die ein etwas heiteres Auftreten haben, habe ich versucht helle und Pastellfarben zu nehmen, und bei den düsteren Charakteren eher düstere Farben.

JPC: Gibt es etwas, dass Sie besonders gerne oder ungern zeichnen? Warum ist dies der Fall?

Narita: Am wenigsten mag ich beim Zeichnen den Aufbau der Seite. Also die Größe der verschiedenen Panels, die Positionierung der Sprechblasen. Das ist für mich am stressigsten.

IT’S MY LIFE musste ich innerhalb von einer Woche fertigstellen. 4 Tage habe ich dafür alleine für den Aufbau gebraucht.

Am liebsten zeichne ich Hintergründe. Auch Charaktere zeichne ich nicht so gerne. Ich wäre froh, wenn das jemand für mich übernehmen würde.

JPC: Dafür sehen ihre Charaktere jedoch echt gut aus! Mir gefällt ihr Stil sehr.

Narita-sensei bedankt sich fröhlich für das Kompliment.

Its My Life Cover
2014 © Imomushi Narita / Shogakukan Inc. / 2019 © Manga Cult

JPC: Was muntert Sie auf und motiviert Sie, wenn Sie mal nicht weiterwissen?

Narita: Ich schlafe sehr viel (12 Stunden), höre Heavy Metal oder esse meistens Süßigkeiten. Allgemein gesagt: Ich versuche mich abzulenken.

JPC: Wie sind Sie auf die Story-Idee des Manga gekommen?

Narita: lacht bei ihrer Antwort etwas Ich höre sehr viele Metal Lyrics und lasse mich dadurch inspirieren. Auch bei Fantasy-Filmen überlege ich mir zum Beispiel wie sich ähnliche Charaktere entwickeln lassen oder wie ich meine Charaktere in dieser Situation hätte handeln lassen.

JPC: Wie kamen Sie zu Metal/Rock?

Narita: Das erste Mal bin ich in der Mittelschule auf Heavy Metal gestoßen. Da waren auch gerade japanische Rockbands sehr beliebt. Da jemand aus meiner Lieblingsband meinte, er findet Helloween ganz toll, habe ich mir natürlich auch diese angehört.

Später in der Highschool hatte ich dann eine kanadische Lehrerin, die Metal mochte und mir immer wieder CDs ausgeliehen hatte. Ich habe auch erfahren, dass meine Mutter Metal mochte und habe auch dadurch meine Liebe zu Metal gefunden.

JPC: Es lief zu Ihrem Manga ja ebenfalls eine Crowdfunding Kampagne zu einem Anime-Projekt. Wäre dieser Anime auch ohne Crowdfunding möglich gewesen? Welche Rolle nimmt Crowdfunding in Japan für die Künstler ein?

Narita: Ich glaube es wäre sehr schwierig gewesen einen Anime ohne Crowdfunding zu produzieren. Mein Manga hat sich in Japan nun nicht soo gut verkauft. Ich glaube nicht, dass mich jemand aus der Anime-Produktion deswegen angesprochen hätte den Manga zu adaptieren, weshalb ich das selbst mit einer Crowdfunding Kampagne in die Hand genommen habe.

Crowdfunding nimmt in Japan eine wichtige Rolle für Künstler ein, da man so auch die Chance hat mit Fans zu interagieren und die Wünsche der Fans auch einzuarbeiten. Man selbst hat so auch die Chance einen Anime zu produzieren der vielleicht gut ankommt, wenn man nicht gerade von einem Produktionsstudio angesprochen wird.

JPC: Um daran anzuschließen: Inzwischen ist die OVA ja bereits fertig. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis? Und wie war die Resonanz Ihrer Fans dazu?

Narita: Ich glaube, dass sowohl meine Fans als auch alle Beteiligten inklusive mir sehr zufrieden sind mit dem Ergebnis. Wir haben alle unser bestmögliches gegeben und haben in der vorgegebenen Zeit und mit dem Budget, das wir zur Verfügung hatten, das bestmögliche daraus gemacht. Als Ending-Song durfte ich sogar einen Song einer meiner Lieblingsband „Blind Guardian“ verwenden! Das macht mich sehr glücklich und ich denke, dass es auch meine Fans glücklich macht.

JPC: Welche Band ist Ihre Lieblingsband?

Narita: Am liebsten mag ich Iron Maiden, aber ich mag auch sehr gerne deutsche Bands wie Helloween.

JPC: In IT’S MY LIFE spielt ja sowohl Familie als auch Sauberkeit und Ordnung eine wichtige Rolle für den ehemaligen Captain. Haben Sie selbst auch so einen Drang zur Sauberkeit und Ordnung oder wie kamen Sie dazu Ihm diese Eigenschaft zu geben?

Narita: Ich bin das absolute Gegenteil von Astra was die Ordnung betrifft. Ich habe jedoch Astra so gestaltet, wie ich gerne selbst sein würde. Ich würde gerne selbst so ordentlich und strikt sein, weshalb ich ihn so gestaltet habe.

JPC: Passend dazu: Sie meinten ja Sie identifizieren sich mehr mit Noah. Ist Noah dann mehr wie Sie gerade sind und Astra wie Sie in Zukunft sein möchten und zu welcher Person Sie sich vielleicht entwickeln möchten?

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Narita: Ich denke nicht, dass ich mich jemals zu Astra entwickeln kann. Ich denke jedoch jemand wie Astra ist so etwas wie der ideale Vater oder idealer Bruder. Ich wünsche mir eine Person in meinem Leben, der wie Astra ist.

JPC: Aktuell arbeiten Sie ja an Killing Me / Killing You. Möchten Sie vielleicht kurz sagen, wie sich Ihr neues Werk von IT’S MY LIFE unterscheidet?

Narita: Killing Me/ Killing You und IT’S MY LIFE sind vollkommen unterschiedlich. Bei IT’S MY LIFE wollte ich eine recht helle Atmosphäre erschaffen. Es geht hierbei um das Leben und, dass man lebt und etwas draus macht. Bei Killing Me / Killing You hingegen ist es das Gegenteil, dass die beiden Hauptcharaktere aufbrechen, weil sie eigentlich sterben möchten. Da ist sozusagen der Kern der Geschichte der Tod und bei IT’S MY LIFE ist es das Leben. Dieser Unterschied war von mir gewollt.

JPC: Wie kamen Sie dazu Manga zu zeichnen? War es schon immer Ihr Traum, so wie Astra L. Doomsday sein Haus wollte?

Narita: Anfangs habe ich angefangen Manga zu zeichnen, weil ich Illustratorin werden wollte. Da dieser Beruf jedoch in Japan nicht so gut bezahlt ist, weshalb ich nun, um etwas Geld zu verdienen, nebenbei Manga zeichne. Seit meiner Kindheit war meine Familie nicht so wirklich wohlhabend, weswegen ich schon immer ein Haus haben wollte. Ich hoffe mir diesen Traum durch das Mangazeichnen erfüllen zu können.

JPC: Also arbeiten Sie nebenbei noch als Illustratorin?

Narita: In letzter Zeit habe ich keine Illustrationen gemacht. Vor Kurzem habe ich für eine Light Novel jedoch die Illustrationen gemacht. Sofern ein Auftrag reinkommt, nehme ich diese jedoch eigentlich immer an.

JPC: Wow. Dürfen wir fragen wie Sie das alles schaffen? Man hört ja immer wieder von den knappen Deadlines in Japan.

Narita: Narita und ihr Redakteur lachen etwas Ich habe es so gelöst, dass die Verlage mir immer eine kürzere Deadline geben als ich eigentlich Zeit hätte. Damit versuche ich das mit ganzer Kraft einzuhalten. Sozusagen als Ansporn.

JPC: Sie haben Noah inzwischen in ein paar unterschiedlichen Kleidern gezeichnet. Beispielsweise in einem Kimono oder in einem Maid-Outfit. Wie kamen Sie dazu? Wollten Sie nur mal sehen wie Noah in anderen Gewändern aussieht?

Narita: Noah ist ein sehr niedlicher Charakter. Daher wollte ich sie einfach hin und wieder in niedlichen Kostümen zeichnen.

JPC: Gibt es eine Szene in ihrem Manga IT’S MY LIFE, welche Ihnen besonders hängen geblieben ist oder die Sie den Lesern gern ans Herzen legen würden? Vielleicht eine Szene, die etwas übermitteln soll?

Narita: Mir ist die Geschichte im Epilog am wichtigsten. Da führt sozusagen alles der vorherigen Bände hin und dementsprechend möchte ich, dass man bis zum Ende liest und die Auflösung erfährt.

JPC: Hier in Deutschland gibt es viele Leute, die gerne mal davon träumen Mangaka zu werden. Haben Sie vielleicht ein paar Tipps für diese?

Narita: Ich kann jedem nur empfehlen sich nicht zu sehr darauf zu versteifen Mangaka werden zu wollen. Man sollte auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. Man sollte sehr viel ausprobieren, Erfahrungen sammeln, Musik hören, sich mit Freunden treffen und anderen Leuten austauschen, damit man auch etwas hat, das man verarbeiten kann. Dann nebenbei zeichnen und wenn es etwas wird, wird es etwas. Mangaka zu werden kann doch recht schwierig sein.

JPC: Um den Austausch aufzugreifen: Wie wichtig ist Ihnen der Austausch mit anderen Mangaka oder Ihrer Familie?

Narita: Ich tausche mich viel mit Freunden, Familie oder anderen Mangaka aus. Auch über Sachen, die mitunter nichts mit Manga zu tun haben. Die Situation, die ich in den Gesprächen habe, versuche ich dann genau so in meinen Manga einzubringen.

JPC: Bei uns erscheint IT’S MY LIFE ab August 2019. Wie ist es für Sie zu sehen, dass Ihr Werk auch international gut ankommt?

Narita: Narita-Sensei freut sich bei ihrer Antwort sehr und lacht viel Ich bin super glücklich darüber! Ich kann es selbst kaum fassen, dass ich sogar in Deutschland so gut aufgenommen werde und Fans habe. Vor allem freut es mich sehr, dass es in Deutschland so ist. Wo ich das Land doch auch wegen ihrer Metal Bands mag. Auch diese Chance nun auf diesem Event zu sein macht mich sehr glücklich.

JPC: Sie brauchen sich darüber keine Sorgen zu machen. Bisher wurde Ihr Manga bereits vorab sehr gut aufgenommen und es gibt jede Menge positive Resonanz dazu!

Narita: Narita-Sensei freut sich total Wirklich? Vielen Dank!

JPC: Haben Sie ein bestimmtes Ritual, dem Sie beim Zeichnen nachgehen?

Narita: Narita-Sensei lacht bei der Antwort Ich esse sehr viel Schokolade beim Zeichnen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich länger die Schokolade in der Hand halte als den Stift.

JPC: Haben Sie abschließend noch ein paar Worte für Ihre Fans?

Narita: Ich bin sehr sehr glücklich, dass auch außerhalb Japans die Anime- & Manga-Community und das Interesse daran so groß ist. Ich hoffe auch in Zukunfft, dass es so bleibt und sogar noch größer wird. Ich hoffe, dass ich nochmal nach Deutschland eingeladen werde.

JPC: Vielen Dank für das Interview Narita-sensei!


Anmerkungen vom Interviewer

Its My Life Shikishi Part 1
2019 © Imomushi Narita

Dieses Unikat Shikishi hat Narita-sensei als Geschenk für uns angefertigt. Sie ist eine super offene und aufgeweckte Person. Man hat nahezu das Gefühl, dass nach lediglich 30 Minuten ihre Art bereits auf einen abfärbt. Sie war auch offen für jegliche Fragen und hat sich auch nach dem Interview gemeinsam mit ihrem Redakteur noch ein wenig mit mir unterhalten. Ich hoffe, dass Narita eines Tages erneut eingeladen wird und mehr Leute in den Genuss kommen sie treffen zu können.

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