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Interview mit David Füleki!

Dem Mangaka von Demon Mind Game!

David Füleki Interview – Teil 4

JPC: Als welchen Charakter deines Universums siehst du dich denn am meisten? Wenn du dich mit einem vergleichen müsstest.

David: Mir wurde oft gesagt, dass mir der Hauptcharakter Nio ähnelt. Genauer erörtert habe ich die Aussage jedoch nicht. Immerhin besser als ein grimmiger Dämon. Ich hoffe, es liegt daran, dass er seine Kämpfe mit Köpfchen bestreitet. Vielleicht hat es auch eine Relevanz, dass es eben der Hauptcharakter ist, hoffe ich zumindest.

Der Hauptcharakter ist bei mir eben jemand der etwas schlauer ist, nicht so wie bei manchen japanischen Shounen-Manga, wo ich mir den Grund nicht erklären kann. Die erleben ja schließlich so tolle Abenteuer, sind auf fliegenden Inseln, lernen krasse Ki-Attacken und kämpfen auf anderen Planeten, aber vergessen es am Ende alles nach ein paar Monaten wieder. Ich denke ein Manga ist auch ein Charakter-Entwicklungsroman, aber wenn sich der Charakter aufgrund zu geringen Intellekts gar nicht entwickeln kann in gewisser Hinsicht, was habe ich dann als Leser davon?

Eventuell tolle Nebencharaktere! Es ist ja bei vielen Manga so, dass die Hauptcharaktere nicht die beliebtesten Figuren sind. Bei Demon Mind Game kann ich sagen, ist der Hauptcharakter mit Abstand die beliebteste Figur. Er ist zwar keine lustige Knalltüte, aber ich bekomme viel positives Feedback, dass es mal wieder ein schlauerer Charakter ist und nicht gleich so böse ist wie ein Light Yagami. Irgendwo eine Lücke im Manga-Bereich.

JPC: Als kleiner Einwurf – Beispielsweise Natsu aus Fairy Tail ist auch nicht der Schlaueste. Jedoch kommt daher vermutlich auch seine Einstellung zustande. Würde er beispielsweise Situationen abwägen, würde er vielleicht nie kämpfen, weil er sich denken würde, dass er dabei stirbt. So kämpft er für seine Freunde.

David: Ich mag diesen Manga ja selber. Ich will das auch gar nicht verurteilen. Ich ärgere mich aber beispielsweise, dass ich nach gefühlt 50 Bänden Dragonball dann merke, dass Son Goku vergessen hat, dass er gegen Freezer gekämpft hat. Und nur für einen dummen Gack im Sinne von „Schau mal wie dumm der Held ist“, find ich das eben schade.

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©David Füleki

Ein anderes Beispiel ist beispielsweise Hunter x Hunter. Ich bin ganz großer Hunter x Hunter-Fan. Ich bin ein großer Fan von Gon. Gon ist auf den ersten Blick genau das Klischee „Oh, ich bin so dumm, aber ich kämpfe gern. Und Freundschaft und Familie sind mir wichtig“. Ihm passieren aber schlimme Dinge, nachdem er seine Insel verlässt und es wird immer schlimmer, was er aber auch widerspiegelt. Das ist sehr gutes Storytelling, also lass die Charaktere sich doch entwickeln. Auch bei Naruto ist eine gewisse Charakterentwicklung da, genauso wie bei Ruffy.

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Ich mag auch solche Manga und mache auch solche Manga zum Teil, wollte nun aber mal wieder beweisen, dass man auch anders kann. Ich denke, viele denken leider man muss einen dummen Hauptcharakter haben, aber es gibt so viele Möglichkeiten. Wie beispielsweise Death Note mit einem zynischen Arschloch, was doch viel interessanter ist, auch wie man als Leser Empathie dazu aufbaut und man schon fast für ihn jubelt wenn er es mal schafft jemanden umzubringen.

JPC: Hast du denn einen japanischen Lieblingsmangaka?

David: Es gibt ein paar die ich extremst abfeiere. Für mich als älteren Herren ist natürlich Akira Toriyama die Standardantwort. Ich finde das, was ihn zum vielleicht genialsten Comiczeichner aller Zeiten macht, ist dass er eine ganz einfache Einstellung zu dem Medium hat und so vieles ungefiltert genial ist. Ich hatte mal ein längeres Gespräch mit dem Redakteur, der damals Dragonball und Dr. Slump betreute und er gemeinte, dass er Toriyama viele viele Jahre, viele tausend Seiten hat zeichnen lassen, bevor er zum ersten Mal etwas veröffentlichen durfte.

Dies ist vermutlich der Grund für die Genialität von Akira Toriyama. Im Grunde also das Ergebnis von sehr viel Arbeit. Er hat das mit der Zeit einfach automatisiert, diese Genialität. Er schafft eben die ultimative Basis für gute Comedy-Manga mit Dr. Slump, für gute Shounen-Manga mit Dragonball, was andere als Blaupause nehmen können für noch komplexere Storys wie bei Naruto oder Hunter x Hunter. Es ist nicht mehr der Zeichenstil, sondern mehr das Herunterkondensierte. Diese Einfachheit bei Dragonball fasziniert mich einfach.

Rein von Storytelling und Zeichenstil wie ich mir das wünschen würde, bin ich ein großer Yukito Kishiro-Fan, der gerade auch durch Battle Angel Alita wieder etwas Aufwind bekommt. Es gibt aber auch ein paar Exoten, wie Kobayashi der What’s Michael gemacht hat. Es kommt aber oft vor, dass ich von einer aktuellen Welle mitgerissen werde. Vor allem Tokyopop war da die letzten Jahren mit vielen Inio Asano-Werken fleißig dabei. Die haben mir nochmal ein unbekanntes Auge geöffnet. Gute Nacht PunPun war für mich der beste Manga des letzten Jahrzehnts. Das hat mich so richtig abgeholt, aber da ist weniger ein Idol-Effekt vorhanden, da ich weiß, dass ich das nicht kann. Weder von Erzählung noch der Technik her.

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