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Interview mit David Füleki!

Dem Mangaka von Demon Mind Game!

David Füleki Interview – Teil 3

JPC: Kommen wir zurück zu deinem eigenen Verlag, Delfinium Prints. Wie kam es zur Gründung und was macht dein Verlag genau?

Dmg Autorenbild Def Auf Sudoku Bunt
©Tokyopop/David Füleki

David: Delfinium Prints habe ich damals an der Uni gegründet. Es war bei uns Pflicht, dass wir Druckvorstufe lernen müssen. Wir hatten ein Seminar bei dem wir Flyer gestalten sollten und ich wollte für das Impressum etwas „fancy“-mäßiges haben. Dadurch habe ich Delfinium Prints entdeckt. Delfinium nannte ich damals unser neues Hörsaalgebäude. Eigentlich hieß dieses aber „Die Orangerie“, deshalb habe ich es den random Namen Delfinium gegeben. Seitdem habe ich bei fast allen meinen Uni-Projekten etwas mit Delfinium genommen. 2008 haben das dann zwei Kommilitonen und ich auf die Buchmesse übertragen. Ich habe beim Copyshop dann einfach mal 1-2 Schubladen-Konzeptleichen gedruckt und so entstand Delfinium Prints.

Beim Verlag bin ich mehr oder weniger für alles zuständig. Ich bin Redakteur, ich betreue ein paar deutsche Zeichner und ich mache natürlich auch Druckvorstufe und das langweilige Zeug im Hintergrund. Vor einer Buchmesse habe ich dann ein paar Monate vorher die Aufgabe von anderen Zeichnern die Bücher fertig zu machen, statt mich um meinen Kram zu kümmern.

JPC: Nahezu frisch zur Leipziger Buchmesse hast du ja Demon Mind Game Band 2 mit im Gepäck. Wie war bisher das Feedback deiner Fans dazu?

David: Das Feedback dazu war bisher sehr gut. Ich hatte Angst, weil ich dafür doch recht lange gebraucht habe. Es sollte eigentlich deutlich eher erscheinen, aber es kam eben das Leben dazwischen, wie ich so schön sage. Vor allem in der Manga-Szene sind viele Leser und Leserinnen ja gewohnt, dass alle 2 Monate ein neuer Band ihrer Lieblingsreihe aus Japan erscheint. Dies können wir deutschen Zeichner aber einfach nicht gewährleisten. Bei mir ist es inzwischen aber die Materialermüdung, weshalb ich nicht mehr ganz so schnell bin.

Wir hatten etwas Sorge, dass die Leute Band 1 bereits vergessen haben oder es mir übel nehmen. Dies war aber zumindest auf der Messe bisher nicht der Fall. Das Feedback war größtenteils „Hauptsache es ist endlich da“. Die Leute, die es bereits gelesen hatten, haben ebenfalls sehr positives Feedback gegeben. Sie sind auch sehr gespannt auf den nächsten Band.

Ich hatte nun zur Messe auch ein Kompendium-Book dabei, welches ich in kleiner Auflage im Eigenverlag gedruckt habe. Das kam auch super an, auch wenn sich viele zurückhalten mussten, Demon Mind Game Band 2 nicht bereits zu kaufen, sondern bis zur Messe zu warten. Ich bin sehr zufrieden damit. Vor allem, da man ja im Stillen lange auf den Release hinarbeitet und man eben nicht viel Einfluss darauf hat, sondern immer das Gefühl, dass es am Ende doch nichts ist. Sobald es draußen ist, ist dann die Welt wieder in Ordnung.

JPC: Erzähl doch mal für die Leute, die Demon Mind Game nicht kennen, ein wenig dazu. Wie kam es dazu und woher kommt deine Inspiration?

David: Demon Mind Game basiert auf einem einfachen Satz, der Interesse wecken soll bei den Leuten, die den Satz lesen. Ich hatte damals nur den Satz, der grob aussagen sollte „Da ist jemand, der Leuten mental in Kampfsituationen Fähigkeiten klauen kann“. Ich hatte da immer das Bild, dass jemand eine Opernsängerin herausfordert und ihr die Fähigkeit klaut Arien zu schmettern und selbst Arien singen kann. Natürlich sind aber dessen Stimmbänder nicht dafür geeignet, deshalb kann er es auch nur in der Theorie. Das war die Ursprungsidee, die ich im Kopf hatte. Damals war aber auch geplant, dies in der jetzigen Welt spielen zu lassen. Der „Held“ war eigentlich ein Bösewicht und es war vom Feeling mehr an Death Note angelehnt.

Wir hatten das dann mit der Tokyopop-Redaktion durchgesprochen und dadurch entstand dann ein Shonen/Fantasy ab 13 und der Held war kein Bösewicht mehr, sondern ein richtiger Held, der die Fähigkeit auch primär für das Gute nutzt. Natürlich erkennt er aber auch die Gefahren daran.

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Man hat den Hauptcharakter Nio, der aus unerfindlichen Gründen (Stand Band 2), diese Fähigkeit besitzt, dass wenn er ins Gesicht geschlagen wird, er die Leute in eine „mentale Welt“ ziehen kann. Dort trifft er dann auf die mentale Welt seines Kontrahenten. Wenn beispielsweise also jemand den ganzen Tag an Steuererklärungen denkt, dann wäre das eine „Buchhalter-Welt“. Das war meine Möglichkeit ganz viel verschiedene Settings auszuprobieren. Es war zwar trotzdem Fantasy/post-apokalyptisch, aber kann sich größtenteils an physische Gesetze halten, aber bietet auch jede Menge Abwechslung in den mentalen Welten. Das war die Basis.

Es entwickelte sich leicht eine Story, die über die Mind-Games hinausgeht. Es geht im Wesentlichen um Nio, der ein Geheimnis hat (das ich nun nicht spoilern möchte) und versucht in der Welt voller Dämonen klarzukommen. Er hat das Ziel jemanden herauszufordern und die Mind-Games sind sein Werkzeug, um das Ziel zu erreichen. Die Leser und Leserinnen habe schon alle Angst um Nio, weil ich ihn immer so quäle.

JPC: Ohne bereits zu viel zu verraten zu wollen, aber worauf dürfen sich denn Fans in Band 3 freuen?

David: Zu 100 % kann ich noch nicht sagen, ob Band 3 wirklich der Abschlussband ist. Ich habe noch so viel zu erzählen, weshalb es entweder ein dickerer Band oder aber auf 2 Bände verteilt wird. Die Leser können sich auf ganz viel Input einstellen. Seit der ersten Seite ist die Story eigentlich schon fest und ich werde ganz sicher auch das bringen, was ich seit 2016 mit den ersten Konzepten bereits steht.

Anfang und Endpunkt waren schon immer fest, auch wenn es dazwischen etwas Geschiebe gab. Ich freue mich diesen Showdown präsentieren zu dürfen und denke er wird den Lesern gefallen. Danach muss ich mal schauen. Vielleicht wird mit dem Universum in Zukunft mehr gemacht. Aber die Geschichte mit Nio endet auf jeden Fall.

JPC: Inwiefern beeinflussen deine realen Erlebnisse die Story? Also sei es Charaktere oder auch die Handlung.

David: Als Autor muss man ja nahezu immer etwas von sich einbringen. Als Beispiel: Als vor 10–20 Jahren der Manga-Boom in Deutschland los ging und alle sich versucht haben in das Leben von japanischen Highschool-Girls reinzudenken. Was jedoch relativ sinnlos ist, wir haben ja eine deutsche Tradition und das ist unsere Stärke hier. Wir sind technisch und mit Strukturen drum herum noch nicht auf dem japanischen Niveau, aber sind gut dabei. Wir haben aber unser eigenes Ding, dass Japaner nicht reproduzieren können. Egal wie oft sie Baumkuchen sagen. Ich finde es toll, dass beispielsweise die Zarbos etwas von ihren Ideen reinbringen oder wo bei einem Tokyopop-Werk mal der Kölner Dom vorgekommen ist.

Ich finde es löblich, wenn man etwas nimmt, das für deine Kultur steht, wie beispielsweise der Struwwelpeter. Bei Demon Mind Game ist es auf den ersten Blick schon klassische Shounen-Manga/Fantasy. Für meine Vorbereitung, für mein World-Building, habe ich festgelegt, wo das spielen würde, wenn das unsere Welt ein paar Jahre in der Zukunft wäre. Das wäre meine Heimat, das Erzgebirge. In der Zwischenzeit ist etwas Schlimmes passiert und es gibt kleine Hinweise darauf, was mir hilft in die Geschichte reinzukommen. Ich, als gebürtiger Erzgebirger, habe dazu einen anderen Bezug und denke es hilft, wenn der Autor sich da reindenken kann.

Sehr viel basiert auf direkten Eindrücken, Exkursionen wie in das Elb-Sandsteingebirge oder eingeholten Informationen. Teilweise ist dann so ein Tagesausflug mit hunderten Notizen die Basis für ein Panel im Buch.

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2000

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