Sakura El Dorado

Wir waren wieder für euch unterwegs und haben Insiderinformationen gesammelt: Volker Robrahn ist Besitzer des Anime- und Mangageschäfts Sakura El Dorado in Hamburg. Wir haben mit ihm gesprochen über Themen wie Japan-Import, das Kaufverhalten seiner Kunden und Anime-Streaming im Internet.

Japaniac: Wie ist dieser Laden zustande gekommen?

Volker: Den Comicladen El Dorado gibt es schon seit über 30 Jahren. Ich habe dort zunächst als Aushilfe gearbeitet und ihn dann Ende der 90er Jahre übernommen. Das war auch die Zeit, als Manga und Anime immer beliebter wurden in Deutschland. Ich habe mich dann langsam darauf spezialisiert, weil noch kein Comicladen in Hamburg diesen Schwerpunkt gewählt hatte. Das war also vorerst eher eine geschäftliche Entscheidung, wobei ich jetzt auch gerne Manga lese und Anime gucke.

Japaniac: Wonach wählt ihr euer Produktsortiment aus?

Volker: An Mangas haben wir eigentlich alles vorrätig, was es bereits gibt. Dazu kommen jeden Monat die Neuerscheinungen, das sind so 60-70 Titel von allen Verlagen zusammen. Merchandise-Artikel wählen wir auf Nachfrage aus, nämlich immer dann, wenn neue Themen und Serien aufkommen. Irgendwann fragten alle nach Merchandise zu einer Serie namens Attack on Titan, dann versucht man natürlich, Poster, Figuren, Anhänger oder ähnliches dazu zu bekommen. Spätestens dann, wenn mehrere Leute nach einem Manga oder Anime fragen, wird man aufmerksam.

Japaniac: Importiert ihr auch aus Japan?

Volker: Die meisten Merchandise-Artikel werden aus Japan importiert, allerdings mache ich das nicht selbst, weil es sehr kompliziert ist. Ich habe einen Partner, der dort entsprechende Kontakte hat. Das bedeutet natürlich, dass ich abhängig bin von den Lieferanten, mit denen ich zusammenarbeite. Ich kann meine Wünsche äußern, welche Artikel ich gerne hätte, aber ich muss mich danach richten, was sie im Angebot haben. Selbst wenn wir etwas bestellen: Erfahrungsgemäß ist es beim Import so, dass ein Drittel der Sachen die sind, die man bestellt hat, ein Drittel andere Sachen, die man gar nicht haben wollte und das letzte Drittel bekommt man gar nicht.

 

Volker vor seinem Laden
Volker vor seinem Laden

Japaniac: Was wird am meisten gekauft?

Volker: Es werden in letzter Zeit viele Actionfiguren zu entsprechenden Animeserien gekauft und auch viele Plüschtiere, wie die Nemu Nekos. Neben den Manga-Klassikern wie One Piece oder Naruto verkaufen wir sehr viel Shojo-Manga, aber auch viel Boys-Love und ab und zu auch Girs-Love-Titel. Die Hits sind eigentlich in allen Läden gleich: Damals Blue Exorcist und Blood Lad und jetzt Tokyo Ghoul. Oft ist es auch so, dass der Manga sich viel besser verkauft, sobald der Anime verfügbar ist.

Japaniac: Inwiefern schaden dem Laden hier denn kostenlose Anime-Streaming-Portale und Internetseiten, auf den man kostenlos Manga lesen kann?

Volker: Bei uns ist es in den letzten Jahren finanziell eigentlich immer nur bergauf gegangen. Natürlich spielt das trotzdem eine Rolle: Man wird immer einen bestimmten Prozentsatz an Menschen haben, der nicht bereit ist, für Anime und Manga Geld auszugeben und sich auch nicht vom Gegenteil überzeugen lässt. Es gibt aber auch viele Menschen, die zwar Anime streamen und Manga online lesen, diese dann aber trotzdem noch haben wollen und schließlich kaufen.

Japaniac: Also hält der Anime und Manga-Boom in Deutschland weiterhin an?

Volker: Ja. Insgesamt wird die Zahl der Menschen, die sich für dieses Thema interessieren immer noch größer. Die deutschen Mangaverlage verzeichnen ungefähr 10-20% Umsatzsteigerung jedes Jahr, was ich für meinen Laden auch bestätigen kann. Mittlerweile gibt es ja auch viele Conventions auf diesem Gebiet. In den ersten Jahren, als ich oft Manga- und Animeartikel auf Comicbörsen anbot, bekam ich häufig von meinen Kollegen zu hören, dass das alles nur eine vorübergehende Mode sei. Irgendwann sagte ich dann: „Das erzählst du mir seit zehn Jahren, dass es bald wieder vorbei ist damit und trotzdem interessieren sich weiterhin Menschen für dieses Thema.“ Ich würde sagen, Anime und Manga haben sich fest in der Jugendkultur etabliert.

Japaniac: Eine letzte Frage: Was sind deine persönlichen Anime- und Mangafavoriten?

Volker: Nicht sehr originell ist natürlich, wenn ich als Lieblingsanimefilme die Ghibli-Filme nenne, die ich in den letzten zehn Jahren aber auch alle im Kino gesehen habe. Von den Klassikern gefallen mir vor allem X und Neon Genesis Evangelion. Ein persönlicher Liebling ist Love Hina, auch wenn einen das vielleicht als Mann sonst gar nicht so ansprechen würde. An Manga lese ich momentan auch die Serien, über die alle reden, wie Tokyo Ghoul. Ansonsten gibt es von Tokyopop aktuell einen Mehrteiler, der mir sehr gut gefällt. Er heißt Die Stadt, in der es mich nicht gibt. Insgesamt mag ich also lieber ruhigere Titel, in denen es mehr um die Charaktere selbst geht.

Japaniac sagt danke für das interessante Interview!

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Moin, moin aus Hamburg. Ich lese Korrektur für Japaniac und trete deshalb eher im Hintergrund auf!

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