hikikomori

Ein Hikikomori sein

Schon mal von einem Hikikomori gehört? Das sind Menschen, die sich selbst Zuhause einschließen und sich so von der Außenwelt isolieren. Es herrscht nur minimaler Kontakt zu anderen Menschen, die meistens die Familie selbst sind.

Der Begriff Hikikomori bedeutet im Deutschen „sich einschließen“. Überwiegend findet man solche Fälle in Japan, wo die betroffene Anzahl an Menschen nicht genau bekannt ist, da durch das Gesundheitsministerium nur ca. 50.000 Menschen gemeldet wurden, doch laut dem jap. Psychologen Tamaki Saito sind es mehr als eine Million Betroffene.

Jedoch darf man einen Hikikomori nicht mit einem Otaku vergleichen, da ein Otaku sich auf ein Hobby bezieht und es regelrecht auslebt und sich deshalb auch Zuhause nur auf sein Hobby konzentriert.

Ein Hikikomori hat einfach keine Motivation und Kraft mehr aus dem Haus rauszugehen. Der Auslöser dieser fehlenden Kraft kann in vielen Fällen nicht festgestellt werden, das heißt, dass sich diese Person im Laufe der Zeit immer mehr durch den Druck anfängt, von den anderen zu entfremden. Auch ist das Phänomen kein Jugendtrend, da viele Hikikomoris zwischen 27–30 – sogar auch über 30 – sind.

Doch warum verschanzt sich ein Mensch, teilweise jahrelang, in seinem Zimmer?

Die Ursachen sind meistens gleich: Der enorme Druck, die Erwartungen der Gesellschaft nicht mehr einhalten zu können. Schon alleine das Schulleben kann für viele eine Last werden. Manche wurden während der Schulzeit gemobbt. So entstand eine Angst sich anderen gegenüber zu öffnen und dadurch fing man an sich unauffälliger zu verhalten, in der Hoffnung alleine gelassen zu werden. Gedeckte Kleidung, die Einhaltung der Regeln und auch ein Verhalten, das keine Aufmerksamkeit mehr auf sich zieht, werden zu einem Pflichtprogramm.

Auch der Leistungsdruck der Schule ist sehr hart. Es wird viel verlangt, um z.B. die Aufnahmeprüfungen für eine gute Universität bestehen zu können. So geht es nach der Schule direkt zu einer Förderschule, wo einfach nur weitergelernt wird. Die Schüler beschäftigen sich nur noch mit Lernen und auch selbst von den Eltern wird dies gefordert – für das Wohl der Kinder selbstverständlich.

Einige werden schon zu dieser Zeit zu einem Hikikimori und kapseln sich ein.

Die Anderen schließen ihren Abschluss ab und gehen studieren. Denn nur mit einer guten Qualifikation kannst du ganz weit nach oben kommen. So stellt sich die Gesellschaft die Zukunft jedes einzelnen vor. Besonders in Japan geht es nach einem strikten Muster: Schule, Studium, Arbeit. Freizeit ist dort nicht vorprogammiert.

Je jünger man ist umso besser, denn man hat nur eine Chance auf eine Arbeitsstelle und dies ist direkt nach dem Studium oder sogar am besten im letzten Studienjahr. Wer eine Stelle gefunden hat, hat Glück. So kann er für das Unternehmen jahrelang arbeiten und eine Familie gründen. Der Rest hat es dafür umso schwieriger. Es ist schwer nach der ersten Jobsuchphase einen Arbeitsplatz zu finden, so fällt man schnell aus dem Raster raus und alles wofür man gearbeitet hat, geht flöten. Dies erklärt auch das Durchschnittsalter der Hikikomoris, die erst ab Ende des 20. Lebensjahres sich dafür entscheiden sich einzuschließen.

Das heißt aber nicht, dass alle Hikikomoris vorher gemobbt wurden und am Ende keinen Arbeitsplatz gefunden haben. Eine Reihe an Hikikomoris hatten eine glückliche Kindheit, keine Probleme, Freunde – also ein unbeschwertes Leben. Doch die Erkenntnis, dass die anderen Freunde eine Arbeit gefunden haben und man selbst Zuhause sitzt, fängt irgendwann an einen zu stören. Auch die Eltern gehen arbeiten und fragen sich, was nur mit ihrem Kind falsch gelaufen ist.

Dieser Druck, der einmal von Außen und von Innen, also von der Familie selbst, kommt, führt dann dazu, dass man sich immer mehr von den anderen ablöst und sich zurückzieht, bis man irgendwann komplett im Zimmer bleibt.

Als Hikikomori abgestempelt wird die Zeit meistens mit dem Computer oder mit dem Fernseher verbracht. Es wird versucht nur dann das Zimmer zu verlassen, wenn kaum jemand da ist oder schon alle schlafen, um so z.B. etwas essen zu können.

Diese Form des Lebens kann bis zu jahrzehntelang andauern.

Die Reaktion der Eltern spaltet sich in zwei Richtungen. Es wird zuerst abgewartet, ob sich das Kind selbst wieder bereitstellt von vorne anzufangen. Wenn dies nicht geschieht, wird das Kind komplett vermieden und von der Familie verbannt oder einfach in Ruhe gelassen und versucht es vor den anderen zu verstecken. Das Problem dabei ist, dass man durch ein Hikikomori-Kind das Ansehen von den anderen (Nachbarschaft, Arbeit, Familie) schnell verliert. Dabei ist es einem Japaner sehr wichtig vor den anderen keine schlechte Seite zu zeigen, sonst wird man schnell ausgeschlossen.

Man merkt, manchmal geht es schneller als man denkt und schon wird man zu einem Außenseiter. Das bedeutet aber nicht, dass das Leben nur noch aus vier Wänden bestehen muss.

Es gibt auch viele Behandlungsmöglichkeiten, die für Hikikomoris gedacht sind, um sie wieder so zurück ins Leben zu holen oder es ihnen einfach zu erleichtern.

Der eine Weg wäre die psychiatrische Behandlung. Durch eine Therapie und Medikamente wird versucht den Betroffenen Stück für Stück ihre Phobie vor der Gesellschaft und deren Druck zu bekämpfen. Damit er sich so langsam an das Leben außerhalb des Zimmers gewöhnen kann.

Eine andere Möglichkeit ist das Leben in einer Wohngemeinschaft, die extra für Hikikomoris gedacht ist. So sollen sie sich gegenseitig helfen und sich für ein neues Leben vorbereiten.

Es wird nach bestimmten Regeln gelebt: Im eigenen Zimmer ist kein Internet und kein Computer erlaubt. Gegessen wird gemeinschaftlich. Auch findet manchmal eine Feier statt, wo jeder dabei sein sollte. Dazu muss jeder einem kleinen Job nachgehen.

Beide Möglichkeiten zeigen Erfolg und verhelfen einem wirklich wieder einen Anschluss nach Außen zu bekommen. Schon kleine Erfolge werden bei der Therapie nach wenigen Monaten nachweisbar. Dafür kann das Leben bei einer Wohngemeinschaft etwas länger dauern bis Erfolge sichtbar sind.

Jedoch je länger man ein Hikikomori war, desto schwieriger ist es für einen aus seinem Loch rauszukommen.

Ein Hikikomori ist nicht nur in Japan vorzufinden, auch viele andere Menschen aus aller Welt kommen dem Leistungsdruck nicht mehr hinterher und verschließen sich in ihrem Zimmer. In Großbritannien werden diese als NEETs (Not in Education, Employment or Training) bezeichnet.

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Moin, moin aus Hamburg. Ich lese Korrektur für Japaniac und trete deshalb eher im Hintergrund auf!

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2000

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Trunks
Gast
Trunks

ich empfehle den Anime „welcome to the NHK“

Gizem Y.
Gast
Gizem Y.

Hey !

Kami-sama no Memo-chō passt in wenigen Aspekten wahrhaftig darein. Da es stimmt, dass Alice mehr Zeit in ihrem Büro verbringt, aber das war´s auch schon. Hinter diesem Anime steckt viel mehr, als eine Alice zu zeigen, die eine Hikikomori darstellen soll.

Mit NHK ni Yōkoso! hat man wirklich eher die Chance in einem Anime einen Menschen zu sehen, der diese Lebensform praktiziert. 🙂

Chrome
Gast
Chrome

Der Anime Kamisama no memochou passt auch xD

Naru
Gast
Naru

Der passende Anime dazu: genx-anime.org/index.php?do=display&title=NHK+ni+Youkoso!&id=2369
Welcome to N.H.K! 🙂