Grüner Tee (緑茶 ryokucha) ist DAS Kult-Getränk der Japaner. Seit Jahrhunderten ist es für medizinische Zwecke genutzt worden und avancierte schließlich zum täglichen Durstlöscher für Mahlzeiten und zwischendurch. Aufgrund der positiven Auswirkungen auf die Gesundheit wird es auch bei Diäten immer populärer.

Geschichte des Grünen Tees

Nach einer chinesischen Legende wurde der Grüntee erstmals während der Regentschaft vom Kaiser Shennong 2737 v. Chr aufgebrüht und getrunken. Damit gilt der Grüne Tee als ältester Tee der Menschheitsgeschichte. Während der Nara-Zeit (710 – 794 n. Chr.) und Heian-Zeit (794 – 1192 n. Chr.), als reger Kontakt zwischen den Diplomaten Chinas und Japans bestand, wurde dieser Tee und seine Teesamen dann schließlich nach Japan gebracht. Einer der ersten Teegärten Japans wurde daraufhin in der Präfektur Saga (Insel Kyūshū im Süden Japans) begründet.

Anfangs durften nur Mönche und der Adel diesen Tee trinken, wobei damals seine belebenden Wirkung (für Meditation), spirituellen Öffnung und Heilkraft geschätzt wurde. Er galt somit eher als chinesische Heilpflanze. Auch die Zubereitungsart war zur damaligen Zeit grundverschieden zum heutigen Prozess.

In der Anfangszeit hat man die Teeblätter gedämpft und zerkleinert. Das Dämpfen sollten den Oxidationsprozess hemmen. Anschließend wurden sie zu Teekuchen gepresst (dan-cha), sodass sie deutlich haltbarer wurden. Die Teekuchen hat man dann noch manchmal mit Ingwer, Salz, Fruchtschalen und/oder Zwiebeln kombiniert. Dann konnte man die Teekuchen wieder in heißem Wasser aufkochen, um so den Grüntee zuzubereiten.

Teeextrakt in Schale

Auch der Matcha, also die Pulverform des Grüntees kam aus China. Dieser Trend entstand während der der Song-Dynastie (960 – 1279 n.Chr.) in China und wurde dort Mocha genannt. Die Japaner haben das in Matcha abgewandelt. Im Jahre 1191 n. Chr. brachte dann Myōan Eisai die neue Zubereitungsform und neue Teesamen, die Grüntee-Sorte Ten-cha, von einer Studienreise in China mit. Auch die heutige Teezeremonie hat hier ihren Ursprung. Daraufhin begann der Siegeszug des Matcha in Japan.

In den nächsten Jahrhunderten festigte sich die Position des Grüntees in Japan. Auch die Samurai und Shogune lernten dieses Getränk zu lieben. Es wurden sogar Geschmackswettbewerbe für den besten Grüntee abgehalten. Diese Wettbewerbe ebneten den Weg des Tees in die niederen Adels- und Gesellschaftschichten. Nach und nach kam so grüner Tee auch bei den unteren Bevölkerungsschichten an.

Ab 1610 wurde dann der erste Teeexport Japans betrieben und weitete sich nach der Meiji-Restauration 1868 stark aus. Heutzutage gilt Japan als eines der Länder mit qualitativ hochwertigem Grüntee und Grünteepulver. Besonders bei Matcha gilt Japan als das Exportland schlechthin.

Interessant ist auch, dass bis auf Tencha alle typischen Grüntee-Sorten vom selben Anbaugebiet stammen. Erst im Trocknungsprozess werden die Blätter nach Qualitätskriterien sortiert und für die Weiterverarbeitung in Sencha usw. getrennt.

Doch haben alle im Gegensatz zum chinesischen Tee einen eher grasigen Geschmack, der die Herkunft aus Japan zeigt. Dies liegt an der Methode der Zubereitung. In China wird Grüntee geröstet, während dieser in Japan nur gedämpft wird. Somit ensteht der Geschmacksunterschied.

Teesorten

Arten des Grünen Tees

Sencha gilt als eine der beliebtesten Grüntee-Sorten weltweit. In Japan sind 80 % der Anbauflächen für Sencha gedacht. Das Wort Sencha leitet sich aus den Begriffen Sen für „aufgießen“ und Cha für „Tee“ ab.

Der geringe Preis hat es zum Getränk des Durchschnitts werden lassen. Dies liegt an den Produktionskosten. Da Sencha anders als Tencha nicht beschattet und pulverisiert wird, halten sich auch die Kosten in Grenzen.

Durch die fehlende Beschattung ist auch der Geschmack des Sencha grundverschieden zum Tencha. Die Teeblätter werden nach Farbigkeit geerntet. Je dunkler die Blätter, desto hochwertiger der Tee. Anschließend werden die Blätter 10 bis 30 Sekunden gedämpft, um die Oxidation zu stoppen, sodass die Blätter grün bleiben.

Anschließend werden die Blätter getrocknet und in kleine längliche, platte Nadeln gerollt, die man beim Kauf dann auch sieht. Viele halten diese vermeintlich für die Äste des Blattes.

Matcha ist die Pulverform des Grüntees. Diese Variante ist aufgrund der besonderen Anbauweise recht teuer, je nach Qualität. Matcha kann von wenigen Euro bis zu hunderte Euro im Handel erworben werden. Auch die traditionelle Teezeremonie wird bekanntlich mit Matcha betrieben.

Die Anbauweise entstand dabei per Zufall. Früher waren in Japan einige aktive Vulkane und der Ascheausstoß dieser hat die Teeernten behindert. Deshalb haben Bauern Strohmatten auf die Anbauflächen gelegt. Dadurch wurden die Tencha-Pflanzen ohne Absicht beschattet. Dieser Sonnenentzug gab dem Tee eine neue und bessere Geschmacksnote, sodass die Beschattung zum Standard der Tencha-Produktion wurde.

Der Begriff Matcha leitet sich aus den Worten Ma für „gemahlen“ und Cha für „Tee“ ab. Heutzutage wird dieser auch mit Milch verfeinert und heiß oder kalt angeboten. Mit Matcha Latte wird sogar Kunst wie beim Kaffee betrieben, wie hier zu sehen:

Teeschaumkunst

Genmaicha ist eine Mischung aus Sencha oder Bancha und geröstetem Naturreis, sodass eine ganz eigene herbe, röstige Geschmacksnote entsteht. Außerdem besitzt diese Sorte weniger Koffein, sodass sie auch abends ruhig getrunken werden kann.

Genmaicha bedeutet im Grunde „Tee mit braunem Reis“ und ist aufgrund des geringeren Grüntee-Anteils sogar günstiger als reiner Sencha. Allerdings wird diese Mischung oft mit minderwertigen Zutaten bestückt, sodass man aufpassen sollte.

Tipp: Nur Genmaicha mit dunklen Grüntee-Nadeln kaufen. Je dunkler desto besser die Qualität und am Ende auch der Geschmack!

Aracha wird allgemeinhin als Roh-Tee bezeichnet. Dies liegt daran, dass dieser am Ende des Fertigungsprozesses erhitzt wird. Die Trocknung findet jedoch statt.

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Aracha ist so eher selten zu kaufen, da er als Rohprodukt für Großhändler bzw. andere Produzenten erstellt wird. So können die Weiterverarbeiter selbst entscheiden, wie stark dieser Tee letztendlich erhitzt werden soll, um den Geschmack zu beeinflussen.

Weiterhin ist Aracha kein Rohprodukt einer einzelnen Teesorte. Normalerweise wird ja jede Teesorte außer Tencha gleich angebaut und erst am Ende in die einzelnen Güteklassen sortiert und mit dem jeweiligen Namen verkauft. Aracha jedoch besteht aus verschiedenen Qualitätsstufen, sodass man ihn nicht als Vorprodukt von Sencha oder so einordnen kann.

Bancha wird als „gewöhnlicher Tee“ übersetzt und bezeichnet quasi die Ausschussware der Ernte. Bancha ist somit von der Qualität unter der des Sencha und enthält die groben und weniger grünen Blätter, die es nicht in die Sencha-Auslese geschafft haben.

Dafür ist Bancha deutlich günstiger und wird als Alltagstee gerne von Japanern getrunken. Zwar sind die gesundheitlichen Wirkungen des Bancha geringer als bei Sencha oder Tencha, jedoch ist auch diese Art noch gesünder als reines Wasser.

Neben Sencha, Matcha und Co. gibt es noch viele weitere Sorten, die in Japan und China angebaut werden. Dazu gehören:

  • Shincha
  • Sunrouge-Tee
  • Gaba-Tee
  • Karigane
  • Benifuuki-Tee
  • Gyokuro
  • Houjicha
  • Kabusecha

und viele mehr. Jede Sorte hat ihren ganz eigenen Geschmack.

Die Wirkung auf unseren Körper

Die medizinische Wirkung von Grüntee ist teilweise bekannt. Manche rechnen dem Tee mehr Heilwirkungen zu, andere weniger. Doch bestätigt ist die Vielfalt an wichtigen Stoffen wie Vitamin A, Vitamin B, Vitamin B2, Kalium, Calcium, Phosphorsäure, Magnesium, Kupfer, Zink, Nickel, Carotine und Fluorid.

Auch eine entzündungshemmende Wirkung, Hilfe bei Übergewicht und Prävention gegen Herzleiden werden der Pflanze zugeschrieben. Weiterhin sind die Anzeichen für Demenz und Parkinson durch Grüntee scheinbar schwächer.

Insgesamt sind über 100 Studien zur Wirkungsweise von Grüntee bisher entstanden. Doch sichere Belege gibt es nicht. Jedoch fühlen sich viele Grünteetrinker deutlich entspannter und ausgeruhter.

Eine Studie von Jaroslaw Walkowiak von der Poznan University of Medical Sciences in Polen soll herausgefunden haben, dass die Wirkstoffe des Grüntees bei der Gewichtsreduktion helfen sollen. Dies stärkt auch die wachsende Beliebtheit des Kult-Getränks bei populären Diäten. Wie und warum der Grüntee beim Abnehmen helfen soll, ist jedoch noch nicht genau bekannt.

Ein weiterer Vorteil sollen die Antioxidantien sein, die die freien Radikale im Körper bekämpfen. Dadurch wird auch der Alterungsprozess normalisiert oder gar verlangsamt.

Die Flouride im Grüntee helfen weiterhin dabei, Karies vorzubeugen. Natürlich ist dies kein Ersatz für das Putzen der Zähne!

Die Zubereitung

Für die Zubereitung von Grüntee gibt es verschiedene Arten. Jedoch ist es bei normalen Arten wie Sencha üblich, den Tee mit Wasser aufzubrühen, das nicht heißer als 90°C ist. Ansonsten würde der Tee bitter schmecken, sodass die Zubereitung auch den Geschmack beeinflusst.

Jedoch sollte das Wasser auch nicht kälter als 50°C sein, da sich die einzelnen Stoffe im Tee erst im Bereich von 50°C bis 90°C mit dem Wasser verbinden. Für Laien sind 70°C der Richtwert, da die meisten Sorten in diesem Bereich die besten Ergebnisse vom Geschmack her erzielen.

Bei der Zubereitung sollte die Ziehzeit, also die Zeit, die der Teebeutel im Wasser ist, nicht länger als 1-3 Minuten sein. Jedoch empfehlen Teeliebhaber, einen Teebeutel 2 bis 3 Mal zu verwenden, da der Geschmack teilweise beim 2. oder 3. Mal besser wird. Dabei sollte jedoch die Ziehzeit verringert werden. Durch Wiederverwendung spart man vor allem bei teuren Sorten viel Geld.

Anders als bei Sencha und Co. wird Matcha mit viel Aufwand zubereitet. Hierbei sind folgende Zutaten und Utensilien erforderlich:

Matcha-Pulver

Matcha Pulver

Bambusspatel (Chasaku)

Bambusspatel

Teeschale (Matcha Chawan)

Teeschale

Bambusbesen (Chasen)

Chasen

Traditionelle Zubereitung

  1. 80°C heißes Wasser in die Teeschale geben und warte eine Minute, sodass sich die Schale erwärmt.
  2. Schütte das Wasser wieder weg, trockne die Schale kurz und gebe 2 gehäufte Bambuslöffel (1,5 bis 2 Gramm) gesiebtes Matcha-Pulver in die Teeschale.
  3. Gebe 60 bis 70 ml Wasser dazu, das auf 80°C erhitzt wurde.
  4. Rühre mit dem Bambusbesen in schnellen W-Bewegungen das Wasser bis hellgrüner Schaum die Oberfläche bedeckt.
  5. Trinke den Matcha unverzüglich, damit der bestmögliche Geschmack entsteht.

In unserem stressigen Alltag haben solche Zubereitungsmethoden kaum noch Platz. Deshalb wird häufig ein Mixer verwendet und alles am besten als Smoothie oder Milchshake zubereitet. Viele Diät-Rezepte empfehlen auch einen Matcha-Shake morgens, der schnell mit dem Standmixer zubereitet wird.

Weitere Infos

Die Tee-Form ist nur eine Variante, wie man heutzutage den Grüntee antreffen kann. Auch Kuchen, Kekse, Eis, Waffeln und mehr findet man in Japan und immer häufiger auch hier. Unter der Jugend ist vor allem das Grüntee-KitKat bekannt. Dieses gehört zu den Kult-Objekten, die man in Japan finden kann.

Auch interessant ist, dass der Unterschied zwischen Grüntee und Schwarztee nur die Zubereitungsform ist. Beide entstehen aus denselben Pflanzen. Nur wird der Schwarztee länger oxidiert, sodass das Grün verschwindet und die Blätter sich dunkelbraun verfärben.

In Deutschland ist derzeit Matcha das Getränk unter gesundheitsbewussten Menschen. Auch wird es im Bereich vegane Ernährung immer öfter gesehen. Der Vegan-Koch Attila Hildmann hat sogar sein eigenes Matcha-Pulver auf den deutschen Markt gebracht (hier). Dies zeigt, wie populär das Getränk bei uns ist. Allerdings sind deutliche Qualitätsunterschiede erkennbar und original japanischer Matcha ist immer noch vorzuziehen. Diesen findest du heutzutage in vielen Teeläden.

Und nicht vergessen

keep calm and drink green tea

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