Viele Anime-Fans kennen und haben sie – Nemuneko, Alpacasso und Co. Die beliebten Kuscheltiere sieht man auf jeder Convention und in nahezu jedem Onlineshop dieser Branche. Doch wusstest du, dass über die Hälfte davon gefälscht sind?

Japanische Marken haben es seit Jahren schwer. Bootlegs und unautorisierte Produkte überschwemmen den internationalen Markt und keiner weiß mehr was nun Fake oder Original ist. Dabei wird keine Produktsparte ausgelassen: Ob Figuren, Plüsch, Wallscrolls oder Tassen – Alles wird gefälscht und verkauft. Doch wie können Käufer Fakes erkennen?

Das Problem mit Japans Outsourcing

Japan ist ein teures Land. Hohe Löhne, hohe Lebenshaltungskosten und kaum Platz für Industrie. Deshalb produzieren japanische Firmen seit Jahren in China, wo die Lohnstückkosten deutlich günstiger sind. Das alles, um die eigenen Produkte günstig zu produzieren und teuer zu verkaufen. Doch das alles hat einen gewaltigen Haken.

Indem Japaner ihre Produkte in China produzieren lassen, geben sie die Kontrolle ab und müssen sich auf ihre Geschäftspartner im Ausland verlassen. Doch bei nahezu jedem Produkt gibt es einen Mitarbeiter oder Eindringling, der die Pläne zur Produktherstellung mitnimmt und woanders identische Ware produzieren lässt. So entstehen zumeist Bootlegs.

Bootlegs & unautorisierte Produkte

Bootlegs sind im Grunde Kopien von bereits veröffentlichten Produkten offizieller Marken, jedoch ohne Lizenz dafür. Diese bedienen sich also vorhandenden Designs und kopieren sie 1 zu 1. Diese werden gerne produziert, weil japanisches Merchandise oftmals limitiert ist, um den Wert zu steigern. Somit entsteht eine große Nachfrage am Markt, die japanische Lizenzinhaber nicht decken wollen. Das machen sich Bootleg-Produzenten zunutze.

Unautorisierte Produkte dagegen sind Neuschöpfungen zu bekannten Marken, also Produkte, die so noch nicht auf dem Markt waren. Dabei besitzen die Fabriken keine Produktlizenz, um neue Produkte herzustellen. Häufig sieht man das bei Wallscrolls, die Layouts verwenden, die so niemals für diese Produktgruppe eingeplant wurden. Ein gutes Beispiel dafür ist dieses Bleach-Wallscroll eines Fanarts. Dieses hat es in Japan nie gegeben:

Bleach Fake Wallscroll

Man bemerke die Copyright-Angaben unten rechts. Sogar daran denken die Fälscher bei der Produktion. Man kann sich wirklich nie sicher sein …

FAKE Plüschfigur
Original-Plüschfigur

Auch bei Plüsch und Figuren kann es unautorisierte Produkte geben. Ein gutes Beispiel sind hier Kollaborationsartikel wie Charakter von Anime A trägt Kleidung von Anime B. Dies passiert eher selten, weshalb diese Produkte zumeist Fälschungen sind.

Bootlegs dagegen orientieren sich meist zu 100% am Originalprodukt. Doch bei der Qualität der beiden Gruppen werden meist Abstriche in Stoff, Farbe und Grundmaterial gemacht, um den Gewinn zu erhöhen. Deshalb ließen sich einige Bootlegs leicht erkennen. Jedoch wurden die Fälscher trickreicher und geben sich mehr Mühe, um Kunden zu täuschen. Schließlich muss sich das Produkt verkaufen.

Qualität und Gesundheitsrisiken

Wie bereits gesagt, ist die Qualität nicht immer hochwertig bzw. gleichwertig, doch wird es immer schwieriger Fakes zu erkennen. Manchmal können selbst Experten keinen Unterschied ausmachen. Dann hilft nur noch die Anfrage beim Rechteinhaber in Japan. Der weiß, ob der Händler authorisiert ist dieses Produkt zu verkaufen oder ob das Produkt überhaupt so existiert. Deshalb fallen selbst Händler auf die gefälschte Ware rein.

Hersteller wie Good Smile oder Amuse geben selbst Hinweise auf Bootlegs für Käufer. Hier ein Beispiel von Good Smile Company:

Hatsune Miku Fake und EchtHatsune Miku Fake und Echt

Die rote Version ist das Original und die blaue die Fälschung. Meist erkennt man diese erst bei genauerem Hinsehen. Die Farbe wirkt zu blass oder zu kontrastreich, das Gesicht ist nicht ganz korrekt oder das Muster auf der Box ist nicht hochwertig. Manchmal stehen sogar die falschen Namen auf den Boxen, aber da muss man Glück haben.

Hier eine kleine Auswahl lächerlicher Fälschungen, die jeder Käufer erkennen sollte:

Doch auch die Gesundheit der Käufer ist ein wichtiger Aspekt. Minderwertige Fakes nutzen oft günstigere Materialien und sparen dank billigen Stoffen, die teils die Gesundheit gefährden können. Berühmt sind hier die Weichmacher. Weichmacher wird bei billigen Figuren genutzt, um sie weich und dehnbar zu machen. Doch dieser Stoff wird als potenzgefährdend eingestuft. Auch krebserregende Stoffe können in Plüschtieren stecken, wenn sie nicht korrekt produziert werden.

Originalware wird immer in hoher Qualität herstellt, sodass gesundheitliche Risiken ausgeschlossen sind. Doch sobald z. B. an einem Waschgang für Plüsch gespart wurde und so Restchemikalien enthalten bleiben, kann es gefährlich werden. Deshalb sind Fake-Produkte auch so sehr im Verruf.

Ob ein Produkt tatsächlich existiert und wie es aussieht kannst du in dieser Datenbank erkunden. Jedoch sind nicht alle Produkte aus Japan vorhanden!

Ebay, Amazon und Co. im Fokus

Wer bei offiziellen Verkäufern wie Ebay, Amazon und diversen deutschen Onlineshops kauft, sollte vorsichtig bleiben. Tatsächlich gibt es auch da schwarze Schafe. Ebays Händler für diese Produkte verschicken oftmals aus China und verkaufen zu 99% Bootlegs und unautorisierte Produkte. Diese erkennt man meist am für den Markt untypisch günstigen Preis oder an schlechten Produktfotos. Doch Vorsicht! Da die Betrüger immer cleverer werden, nutzen sie oft Herstellerfotos und täuschen so Käufer bis das Produkt zuhause ankommt.

Amazon hat auch das Problem bei Drittanbietern. Sehr gut ist das bei Alpacassos und Nemunekos, den berühmten Plüschkatzen und Alpakas zu sehen. Auf Amazon verkaufen sich solche Kuscheltiere für 5-10€ weniger als üblich. Auf den Produktfotos sind auch leicht unförmige Produkte zu erkennen und das Label der Marke fehlt komplett. Aber auch bei Ghibli-Produkten und Schmuck ist der Amazon-Markt von Bootlegs und Co. überflutet.

Wir sind auch einmal bei Amazon auf gefälschte Ghibli-Waren reingefallen. Japaniac wollte ein Gewinnspiel machen, doch wurden wir kurz vorher von einem Experten auf die Unstimmigkeiten hingewiesen. Wir waren ehrlich gesagt entsetzt, dass Amazon so etwas zulässt.

Das Problem ist, dass Amazon und Ebay nur auf den Rechtsanspruch der Markeninhaber eingeht. Wenn also ein Fan so etwas meldet, wird es meist ignoriert. Diese Praxis ist im Internet üblich. Das Einzige, was Käufer tun können, ist solche Verkäufer zu boykottieren.

Alibaba – Sammelplatz für Fälscher?

Viele kennen die Plattform aus China. Das sogenannte chinesische Ebay ist eine riesige Fundgrube für Produkte aller Art. Doch leider sind ein Großteil davon Fälschungen, zumindest im Anime-Bereich. Wer bei Alibaba einkauft, braucht sich nicht zu wundern, wenn er am Ende minderwertige Ware erhält.

Keine Fabrik wird es sich mit den Rechteinhabern verscherzen wollen, indem sie die offiziellen Produkte auf Alibaba anbietet. Vielmehr tummeln sich auf dem chinesischen Ebay die Sales-Agenten, die im Auftrag diverser Fabriken verkaufen. Denn für den Export von Produkten benötigen Chinesen eine Handelslizenz, die viele Fabriken nicht haben. Also erledigen Sales-Agenten diese Arbeit und nehmen eine Provision dafür.

Diese Sales-Agenten sind oftmals mit den Fälschern unter einer Decke und sorgen für das desaströse Geschäft mit gefälschter Ware. Generell empfehlen wir, niemals bei Alibaba Produkte zu kaufen, sofern man kein Experte in diesem Bereich ist. Aber es gibt Hoffnung. Alibaba hat 1 Milliarde in den Kampf gegen Produktpiraterie auf der eigenen Plattform investiert. Ob das hilft bleibt abzuwarten.

Onlineshops und Conventions als Treiber für gefälschte Ware

Es wird dich schockieren, doch auch in Deutschland gibt es Onlineshops, die gefälschte Ware verkaufen. Ob die Betreiber davon wissen oder nicht. Auch auf Conventions sind schon oft Fälschungen aufgetaucht. Organisatoren deutscher Conventions gehen regelmäßig gegen diese Verkäufer vor, doch das klappt nicht immer. Deshalb selbst bei Conventions aufpassen! In diesem Thread auf Animexx haben selbst DoKomi-Verantwortliche bestätigt, dass Bootlegs auf Conventions und in Onlineshops vorkommen und dass sie dagegen vorgehen. Einfach die Orga-Helfer ansprechen und Händler melden, wenn ihr misstrauisch seid!

Fazit

Wenn du Originalware kaufen willst, dann solltest du immer achtsam sein. Meide Alibaba und Ebay, sei vorsichtig bei Amazon und Drittanbietern und kaufe, wenn du niemand anderen findest direkt beim Hersteller in Japan. Amuse (Alpacasso) hat zum Beispiel einen eigenen Onlineshop. Generell ist es deutlich sicherer in Japan zu kaufen, wenn deutsche Händler nicht vertrauenswürdig erscheinen.

Einen Leitfaden für den einfachen Import aus Japan haben wir hier:

Bestellung aus Japan – So geht es ganz einfach!

Ehemals studierte ich Japanologie und Sinologie in Frankfurt. Mittlerweile bin ich im (Online-)Marketing international aktiv und leite den Japan-Bereich der EpicCon (epiccon.de). Japaniac startete als Hobby, um meine Zuneigung zur japanischen Kultur auszuleben. Dabei werde ich von Gleichgesinnten unterstützt!