Im Markt der Videospiele lässt sich aktuell ein Trend beobachten: Remakes hochkarätiger Rollenspiele erfreuen sich bei Entwicklern und Gamern großer Beliebtheit. Immer mehr der liebgewonnenen Klassiker erblicken ein zweites Mal das Licht der Welt als Neuauflage, Definitive, Remix oder Remastered Edition.

Dieser Retro-Trend mag nicht gänzlich neu sein. Dennoch haben uns grade in letzter Zeit viele Titel unserer Kindheit erneut ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, die schon zu ihren Glanzzeiten völlig zu recht in den Top-Listen der besten Rollenspiele aller Zeiten gelandet sind. Trails of Mana (Seiken Densetsu 3), Final Fantasy VII oder Xenoblade Chronicles: Definitive Edition sind nur die neusten Titel des Jahres in einer langen Liste von JRPG-Remakes. Einige von ihnen erscheinen sogar das erste Mal überhaupt in Europa. Die ein oder andere Perle hatte bedauerlicherweise nie den Weg aus Japan zu uns gefunden.

Die Qual des Originals

Remakes können uns auf eine nostalgische Zeitreise in unsere Kindheit mitnehmen oder erlauben uns, einige der besten Games aller Zeiten zum ersten Mal zu zocken. Nicht immer stehen uns die originalen Konsolen oder Kopien der Spiele zur Verfügung. Wer dabei mit dem Gedanken spielt, in den Genuss es Originals zu kommen, dürfte spätestens bei den Anschaffungspreisen zum Beispiel eines gut erhaltenden Super Nintendo Entertainment Systems und dem Modul von Secret of Mana überrascht werden. In gutem Zustand liegen diese nämlich häufig über ihrem damaligen Originalpreis. Auch die aus heutiger Sicht veraltete Grafik und das angestaubte Gameplay könnten für viele ein Hinderungsgrund darstellen, um das Gamepad in die Hand zu nehmen.

Von daher stellt die Wiedergeburt als Remake einen attraktiven Weg dar, die fesselnden Geschichten im neuen Glanz und aufpolierter Spielmechanik zu erleben. Doch die Geschichte der Videospiele ist lang und die Geschmäcker verschieden. Längst nicht alle Perlen, die es verdient haben, neu entdeckt zu werden, bekommen ihre Chance dazu. Daher haben wir einen Blick in die Truhe verloren geglaubter Schätze geworfen und stellen euch eine kleine Auswahl an Titeln vor, die unserer Meinung nach schon längst ein neues Gewand verdient hätten.

MOTHER (Nintendo Entertainment System)

Mother, im Westen besser bekannt unter dem Titel EarthBound Beginnings, erschien 1989 für das Nintendo Entertainment System. Als Produzent zeigte sich Nintendo-Mastermind Shigeru Miyamoto verantwortlich, der bestens für seine Werke wie Super Mario oder The Legend of Zelda bekannt sein dürfte. Bis dato erschienen zwei Fortsetzungen des Franchise, doch erst 2015 war Mother als Umsetzung für die Wii U auch offiziell in unseren Gefilden erhältlich.

Mother Nes
© 1989 Nintendo / APE, Inc. © 1989 PAX SOFTNICA CO., LTD.

Story

Ein Remake hat sich der Titel unserer Meinung verdient, da es im Gegensatz zu vielen anderen Genrevertretern ein außergewöhnliches Setting bietet. An einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt in einer amerikanischen Kleinstadt um 1900 verschwindet ein frisch verheiratetes Pärchen spurlos. Zwei Jahre später taucht der Ehemann auf ebenso mysteriöse Weise wieder auf. Fortan lebt er in völliger Abgeschiedenheit und verbringt sein Leben mit seltsamen Forschungen. In den 1980ern übernehmt ihr die Kontrolle des Jungen Ninten, der Zuhause von einem belebten, paranormalen Objekt angegriffen wird – einer Lampe.

Sein Vater erzählt ihm daraufhin von seinem Urgroßvater, der sich mit Studien über psychische Kräfte beschäftigte. Die parapsychischen Übergriffe geschehen auf dem gesamten Globus und so wird Ninten in deren Untersuchungen verwickelt. Auf der abenteuerlichen Reise erfährt er, dass Außerirdische hinter dem Ganzen stecken. Mit der Zeit findet Ninten tapfere Gefährten und reist per Teleport zwischen verschiedenen Orten und anderen Welten und deckt dabei das Geheimnis längst vergangener Geschehnisse auf.

Gameplay

Bei den Spielmechaniken und der Präsentation der zufallsgenerierten Kämpfe ließ sich Nintendo von den Mechaniken der Dragon Quest-Reihe inspirieren. Aus der Ego-Perspektive steht ihr euren Feinden frontal gegenüber und wählt in klassisch rundenbasierten Kämpfen in bester Rollenspielmanier eure Aktionen und Gegner aus. Neben dem Einsatz normaler Schlag- und Schusswaffen, besitzt die Party auch einige Mitglieder, die diversen Gegnern mit paranormalen Psi-Kräften das Leben schwer machen. Animationen gibt es dabei kaum, Treffer und Feedback der Angriffe werden lediglich per Texteinblendung abgehandelt. Daher würden wir die faszinierende Geschichte von Mother gerne im neuen Glanz erstrahlen sehen.

Drakengard (PlayStation 2)

Drakengard (jap.: Drag-On Dragoon) wurde vom Studio cavia entwickelt und in Japan von Square Enix vertrieben. 2003 erschien der erste Teil des Franchise (2004 in Amerika und Europa) für PlayStation 2 und bringt neben einer Fortsetzung und einem Prequel auch ein Spin-Off mit sich. Dabei handelt es sich um keinen geringeren Titel als NieR, das an eines der diversen Enden von Drakengard ansetzt. Dessen großartige Fortsetzung NieR: Automata wurde aufgrund der Schließung von cavia nun von den Action-RPG-Profis von PlatinumGames entwickelt.

Drakengard Ps2
© 2003 Square Enix CO., LTD. / cavia © 2004 Take-Two Interaktive Software, Inc.

Story

In einer düsteren mittelalterlichen Parallelwelt wird das Gleichgewicht der Natur durch Siegel aufrechterhalten. Der junge Mann Caim entstammt einer alten Königsfamilie, die als Zusammenschluss mit vielen weiteren Staaten die Union bildet. Caims jüngerer Schwester Furiae wird dabei die Rolle der Göttin auferlegt. Doch das mächtige Imperium möchte die Ordnung der Welt zerschlagen und ein neues Reich erschaffen. Dafür will der Feind die Siegel zerstören und die Göttin töten. Die beiden fliehen, doch Furiae fällt dennoch in die Hände des Imperiums und der Übermacht gelingt es, die Siegel zu lösen.

Im Kampf gegen das Imperium schließen sich Caim Verbündete an, die ebenso wie er selbst einen Pakt mit einer mächtigen Kreatur eingingen. Caims Pakt-Partnerin ist die rote Drachin Angelus, die er aus den Fängen des Imperiums befreit. Fortan begleitet Angelus Caim im Kampf gegen den Feind. Ihr begleitet die Protagonisten in mehreren unterschiedlichen Geschichten. Jede erzählt für sich einen möglichen Ausgang der tragischen Schlacht und zeigt, dass selbst kleine Veränderungen den Lauf der Geschichte beeinflussen.

Gameplay

Drakengard kombiniert mehrere Elemente verschiedener Genre miteinander. Das Kampfsystem basiert im Kern auf actionreichen Hack- and Slay-Mechaniken. In Echtzeitkämpfen schwingt ihr Schwert und Magie gegen Gegnerhorden. So verdient ihr Erfahrungspunkte sowie neue Waffen, die euch für kommende Konfrontationen stärken. Zudem kann die rote Drachin Angelus herbeigerufen werden, die den Gegnern am Boden und in der Luft ordentlich einheizt.

Doch so liebevoll ausgestaltet die verschiedenen Enden der Geschichte, die einzelnen Schicksale der Charaktere und die Geschehnisse der finsteren Fantasywelt sind, so eintönig ist leider das Kampfsystem. Mit der immer gleichen Schwert-Kombo und den Feuerbällen aus der Luft musste Drakengard hier ordentlich Kritik einstecken. Daher plädiert Japaniac für ein Remake des Titels mit dem Know-how von PlatinumGames. Das Studio bewies mit NieR: Automata, dass sie eine vielschichtige Story mit philosophischen Fragestellungen sehr gut mit einem ausgereiften und flexiblen Kampfsystem mit anpassbaren Fähigkeiten kombinieren können.

Soma Bringer (Nintendo DS)

Soma Bringer erschien 2008 für die Handheld-Konsole Nintendo DS und schaffte leider nie den Weg in westliche Gefilde. Weshalb dieses geniale Stück Software aus dem Hause Monolith Soft nie eine Lokalisation erhielt, darüber lässt sich nur spekulieren. Viele Story- und Gameplay-Elemente lassen sich etwa in Xenoblade Chronicles, dass erst jüngst als Definitive Edition für Nintendo Switch erschien, wiederfinden.

Soma Bringer Nds
© 2008 Nintendo / MONOLITHSOFT © 2008 PROCYON STUDIO CO., LTD.

Story

Der Legende nach brachten einst extraterrestrische Wesen namens Arethia der Menschheit eine mystische Kraft, die sie „Soma“ nannten. Soma durchdringt die Atmosphäre und liefert den Menschen Energie, die sie für das alltägliche Leben aber auch zum Betreiben von Waffen nutzbar machten. Diese Energie konzentriert sich um den Planeten und bildet dort sogenannte Soma-Ringe. Seit Längerem kommt es auf dem Kontinent Barnea zu Vorfällen, in denen seltsame, körperlose Wesen, die „Besucher“, Tiere und Pflanzen übernehmen und die Bevölkerung angreifen. Als Mitglied der militärischen Spezialeinheit Pharzuph Division 7 ist es unsere Aufgabe, diesen Übergriffen nachzugehen.

Schon bald trifft Protagonist und Neuzugang Welt auf ein mysteriöses Mädchen. Idea kann sich nicht an ihre Vergangenheit erinnern und scheint über immense Soma-bezogene Fähigkeiten zu verfügen. Sie schließt sich Welt und der 7. Division im Kampf gegen die Besucher an. Pharzuph trifft daraufhin auf die Gruppe Unbras, die ähnliche Fähigkeiten wie Idea zu haben scheinen. Deren Anführer Adonis nutzt antike Gerätschaften, die direkt mit dem Ursprung des Soma verknüpft scheinen. Das wirft einige Fragen auf und so begleitet ihr fortan die Gruppe um Welt und Idea und hinterfragen nicht nur Adonis’, sondern auch die Motive des Militärs und lüften die Geheimnisse hinter der Legende der Arethia. Könnte am Märchen, dass die Menschheit die Arethia hintergangen hat, etwas dran sein? Sie soll die Fähigkeiten der Arethia, physische Form anzunehmen, blockiert haben, um das Soma für sich allein zu nutzen.

Gameplay

Soma Bringers Kampfmechaniken laufen ebenfalls in Echtzeit ab. Jedes der Gruppenmitglieder kann dabei eine andere Rolle übernehmen, die ihnen die Spieler frei zuweisen können. Ob mit Schwert und Schild, Zweihänder, Kampfklauen, Speere, Gewehren oder Magie, die Kombinationsmöglichkeiten der Klassen sind vielfältig. Level Ups bringen nicht nur Fertigkeitspunkte, auch Skillpunkte können auf die Fähigkeiten der jeweiligen Klasse frei verteilt werden.

Jeder Charakter kann sich individuell in der liebevoll gestalteten Spielwelt entwickeln und dem eigenen Spielstil angepasst werden. Potenziell nimmt Welt dabei zwar die Rolle des Protagonisten ein, aber im Kampf und auf den Oberweltkarten kann die Kontrolle über jedes der Teammitglieder übernommen werden. Der Titel wurde zudem als Multiplayer konzipiert. Drahtlos können sich insgesamt drei Spieler mit ihren Nintendo DS-Systemen verbinden und gemeinsam in den Kampf ziehen. Somit sind gut getimte Kombinationen von Angriffen, die die Deckung von Gegnern brechen können, einfacher zu planen als mit den KI-Kollegen.

Nicht nur, dass viele Elemente von Soma Bringer die Xenoblade-Reihe inspirierte. Die spannende Story, das intensive und abwechslungsreiche Kampfsystem und besonders der Mehrspielermodus lassen uns eigentlich nur eines fragen. Wann kommt das Remake für die Nintendo Switch? Es wird Zeit!

Die Auswahl ist riesig

Eine Liste mit JRPGs, die einen neuen Look mehr als verdient hätten, wäre sicher schier endlos. Wir hätten auch Radiant Historia, viele nie im Westen erschienene Titel der Fire Emblem– oder Tales of-Serie und natürlich Chrono Trigger erwähnen können – doch unserer Meinung nach profitieren Remakes von Mother, Drakengard und Soma Bringer unter verschiedenen Gesichtspunkten ganz besonders von einer Generalüberholung, um den Weg in neue Gamerherzen zu finden.

Apropos Chrono Trigger; seit Anfang 2020 hält sich ein hartnäckiges Gerücht: Produzent und Senior Manager bei Square Enix, Takashi Tokita, würde sehr gern ein Remake zum Kult-Game sehen. In Hinblick auf die Neuauflagen vieler Square Enix-Titel der letzten Monate, ist es womöglich nur noch eine Frage der Zeit. Auch wir würden gern die von Akira Toriyama gestalteten Protagonisten im Chrono Trigger-Remake in neuem Glanz bewundern dürfen.

avatar
2000

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Patrik Wollik
Gast
Patrik Wollik

Terranigma, Breath of Fire 1-3 und Lufia 2