Wir alle haben sie schon irgendwo gesehen. Schillernde, bunte und faszinierende Kostüme in allen Ausführungen, die man sich nur irgendwie denken kann. Endlich kann man hautnah sein Kindheitsidol betrachten, den ans Herz gewachsenen Fiesling einer Serie oder seinen Lieblingscharakter aus einem Spiel oder Anime. Es scheint alles möglich zu sein!

Doch wer steckt dahinter? Wer arbeitet so hart, um eine Figur nahezu 100% zu verkörpern? Und welche Arbeit steckt überhaupt darin? Ist es nur ein Hobby? Oder Leidenschaft? Wie sieht es hinter den Kulissen aus? Lasst es uns herausfinden!

Heute stelle ich euch Chikako-Cosplay vor. Möglicherweise kennt ihr sie von Wettbewerben, ihrer Facebook-Seite oder habt sie schon anderweitig in Aktion sehen können. Man darf auf jeden Fall gespannt sein!

Japaniac: Hi Chikako! Vielen Dank, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast!

Chikako: Sehr gerne! Ich bin gespannt auf die Fragen!

Japaniac: Das ist gut! Fangen wir leicht an: Erzähl uns mal kurz von dir, wer bist du und wie bist du auf Cosplay gekommen?

Chikako: Ein paar Sätze zu mir: Mein gängiger Nickname ist Chikako und ich bin eine in Deutschland geborene Vietnamesin. Derzeit lebe ich in Hessen und schaue mir von hier aus die große kleine Welt an!

Foto: Kazenary

Ich bin, seit ich klein bin, ein Fan von Zeichentrickserien, einfach weil sie für mich schon immer super faszinierend waren. Fast automatisch bin ich dann in Richtung Anime und Manga gewandert, als ich älter geworden bin. Auch heute noch machen mir die japanischen Serien super viel Spaß und unterhalten mich!

Auf Cosplay gekommen bin ich durch eine gute Freundin. Wir haben damals in Euphorie vieles zu Anime und Manga „konsumiert“ und sind beim Surfen irgendwann auf ein sehr tolles Cosplayfoto gestoßen. Anfangs war das ein mir neuer Gedanke, sich als sein Lieblingscharakter zu verkleiden. Als wir jedoch auf unsere erste Convention gegangen sind, haben wir uns dafür entschieden, es auch mal auszuprobieren. Und es hat mir danach so viel Spaß gemacht, dass ich bis heute beim Cosplayen geblieben bin!

Japaniac: Wie sah denn dein erstes Cosplay auf dieser besagten Convention aus? Was genau hat dir am meisten Spaß gemacht, dass du dir dachtest: Ja, das mach ich!

Chikako: Mein erstes Cosplay war Itachi Uchiha aus „Naruto“! Ja, richtig. Ich fing mit „Naruto“ an. Ich hatte mir schon damals beim ersten Cosplay gedacht: Den Mantel will ich selbst nähen! Das habe ich mit viel Hilfe dann auch gemacht. Ein großer Schritt für mich, aber es hat insgesamt viel Spaß gemacht!

Den meisten Spaß hatte ich damals daran, dass ich in dem Kostüm auf der Veranstaltung schnell Serien-Enthusiasten getroffen habe und man sich auf Anhieb gleich verstanden hatte. Die Liebe für die gleiche Serie/den gleichen Charakter/das Gesamtpaket. Das fand ich sehr schön und man konnte sich gleich mit vollem Elan über die neuesten Geschehnisse in der Serie unterhalten.

Foto: vw

Dabei sind natürlich auch viele Erinnerungsfotos entstanden, mitunter auch Bilder, die den Charakter widerspiegeln. Der Aspekt hat mir ebenso sehr viel Freude bereitet und ich habe im späteren Verlauf meines Cosplay-Daseins gerne Fotos gemacht, die zur Serie und zum Charakter passen.

Japaniac: Das klingt alles unglaublich aufregend! Konntest du denn schon vorher nähen oder hast du dir das extra für den Mantel angelernt? Gab es auch Momente, in denen es bei der Anfertigung furchtbar schiefging?

Chikako: Nein, bevor ich mit Cosplay angefangen habe, konnte ich überhaupt nicht nähen! Ich hatte für mein erstes Cosplay viel Unterstützung von der Mutter einer Freundin. Mit viel Hilfe habe ich mein erstes Cosplay genäht und danach stückchenweise immer selbst mir weiter Sachen angeeignet. Das hat mich sehr viel Geduld und Ausdauer gekostet, haha!

Bei nachfolgenden Kostümen gab es mal Pannen, da ich wie gesagt mir selbst beigebracht habe, was wie zu machen ist. Da gingen manchmal Perücken schief, Schnitte für Stoffe schief, Bastelsachen, die irgendwie danebengegangen sind, etc. Da gab es einiges in der Laufbahn als Cosplayer!

Japaniac: Was war denn das Fieseste, was je passiert ist? Aber meinen Respekt hast du, das war sicher nicht einfach, sich das alles selbst anzueignen. Arbeitest du dann richtig mit Schnittmustern oder wie gehst du bei einem neuen Cosplay vor?

Chikako: Hm…. Ich glaube, einer meiner ersten Jackenschnitte ist im Zustand geistiger Umnachtung total in die Hose gegangen und ich habe beim Zusammennähen der Stoffteile festgestellt, dass da nichts wirklich zusammengepasst hatte, sodass ich alles nochmal neu machen musste, haha…

Foto: theDevil

Ich arbeite so mehr oder weniger mit Schnittmustern. Manchmal nutze ich sie, manchmal nicht. Kommt auf das Outfit an und wie neu und unbekannt mir der Schnitt wäre. Meist bin ich jedoch faul und improvisiere Schnitte, sodass sie halbwegs am Ende passen.

Japaniac: Eine sehr erfrischende Arbeitsweise! Wie lang cosplayst du denn schon? Und wie viele Charaktere hast du inzwischen schon zum Leben erweckt?

Chikako: Ich cosplaye seit 2007 und habe mittlerweile so ziemlich 60 verschiedene Cosplays auf meinem kleinen Buckel, haha!

Japaniac: Dann hast du ja dieses Jahr die zehn Jahre zusammen! Dann hast du bestimmt schon viele Events besucht, nicht wahr? Gab es da ein ganz besonderes?

Chikako: Jetzt wo du es sagst…. Wow… Fast zehn Jahre… Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Ich habe in meiner „Laufbahn“ hauptsächlich deutsche Events besucht. Sehr selten ausländische.

Mir besonders in Erinnerung gebliebene Events sind die Frankfurter Buchmesse 2007 (mein allererstes Event), die Japan Expo in Paris 2011 und meine erste Connichi 2008!

Japaniac: Dann vergingen diese zehn Jahre Cosplay wohl wie im Flug! Und du hast ja schon echt viel gesehen, das muss man dir lassen! Macht es dir noch immer Spaß wie am ersten Tag oder würdest du sagen, dass sich viel verändert hat?

Chikako: Es macht mir definitiv noch Spaß wie am ersten Tag, sonst würde ich ja nicht immer noch cosplayen. Über die Jahre haben sich ein paar Aspekte beim Cosplayen für mich verändert.

Ich cosplaye gerne mit Partnern oder Gruppen, ich versuche, meine Kostümqualität zu verbessern, versuche noch mehr den Serien, die ich liebe, „Tribut“ zu leisten, indem ich ansprechende Fotos oder andere Projekte damit mache, und versuche, mich in Richtung Wettbewerbe o.Ä. weiterzuentwickeln.

Japaniac: Hast du schon an Wettbewerben teilgenommen? Und wie wird das mit den Fotos bei dir gemacht? Holt ihr euch dafür einen Fotografen? Bearbeitet ihr die nach? Oder macht ganz klassisch einer ein Bild und die anderen posieren?

Chikako: Ich habe bisher nur an der Deutschen Cosplaymeisterschaft (DCM) teilgenommen. Zweimal insgesamt und jeweils in der Paar-Kategorie. Das war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, die ich gerne gemacht habe.

Klar, es war sehr stressig, während man vor Ort war, aber es hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Ich stehe gerne auf der Bühne und bin froh, wenn ich mit meiner Leistung zufrieden bin und das Publikum unterhalten kann!

Ich hatte vor, irgendwann zumindest noch bei anderen Wettbewerben mitzumachen. Mal sehen, was sich da machen lässt!

Foto: Chikara

Wir haben normalerweile einen Fotografen oder eine Fotografin, die uns fotografiert. Der/die macht dann ausschließlich Fotos, während die Cosplayer da Modell stehen. Es ist immer unterschiedlich, mal sind es „reine“ Fotografen, die an sich nur Fotos machen, mal sind es Cosplayerfreunde, die heute mal nicht mit im Kostüm sind, sondern fotografieren.

Das ist, finde ich, eine tolle Abwechslung, da man immer mit anderen Menschen und mit anderen Hintergründen zusammenarbeitet. Die Fotos werden eigentlich immer nachbearbeitet, genau.

Entweder vom Fotografen/von der Fotografin selbst oder wir Cosplayer bekommen die Fotos im Nachhinein und bearbeiten diese. Das ist immer abhängig von der Konstellation an Leuten!

Japaniac: Was ist denn das Besondere an der Paar-Kategorie? Magst du uns erzählen, wie das so funktioniert und was du dabei erlebt hast?

Chikako: Die Deutsche Cosplaymeisterschaft findet jährlich abwechselnd als Einzel- und als Paarmeisterschaft statt. Bei der Paar-Kategorie treten die Teilnehmer in Zweiergruppen gegeneinander an. Das letzte Mal habe ich letztes Jahr mit meiner Partnerin mitgemacht. Wir haben im Vorentscheid aus „Bakemonogatari“ und im Finale aus „Tokyo Ghoul“ gecosplayed.

Ich glaube, so allgemein kann ich sagen, dass es vom Erlebten her super stressig war, aber auch sehr bereichernd! Natürlich hat man versucht, im Vorentscheid so akribisch wie möglich zu arbeiten, um aus seiner eigenen Komfortzone rauszukommen und sich weiterzuentwickeln.

Es fiel mir teilweise schwer, weil es einiges gab, was ich vorher nie wirklich gemacht hatte, haha. Aber ich habe viel Unterstützung von meiner Partnerin bekommen und wir haben uns zusammen wacker geschlagen, auch wenn wir zum Tag des Vorentscheids hin immer weniger geschlafen haben…

Foto: Chikara

Schlussendlich hat es auf der Bühne riesig Spaß gemacht und wir konnten die Performance, die wir ausgiebig geplant haben, endlich live aufführen! Das war ein sehr schönes Erlebnis!
Zum Finale haben wir „Tokyo Ghoul“ in petto gehabt. Das war das „große Ziel“ für uns: Ins Finale zu kommen, um genau DIESEN „Tokyo Ghoul“-Auftritt vorzuführen! Zum Glück sind wir nachgerückt und konnten uns diesen kleinen Traum erfüllen. An sich waren die Outfits für mich einfacher, dafür habe ich das erste Mal wirklich Requisiten in so einem großen und aufwendigen Umfang (für meine Verhältnisse) gebaut/gebastelt.

Es hat uns viele Nerven, Schweiß, Geduld, wenig Schlaf und Kraft abverlangt, aber dafür sind wir mit dem Endergebnis sehr zufrieden! Geschlafen haben wir vor dem Finalauftritt am Ende auch nicht, haha!

Aber endlich mit dem Kostüm auf der Bühne zu stehen, zu performen und das Publikum zu begeistern (hoffentlich!), haben die Mühen wettgemacht und es hat sich für uns total gelohnt. Leider keinen Platz belegt, aber ehrlich gesagt war es auch nicht unser Hauptaugenmerk.

Foto: Chikara

Wir wollten unsere Idee auf der Bühne verwirklichen und das Publikum begeistern! Der erste Punkt ist uns gelungen und ich nehme vom bisherigen Feedback von anderen an, dass insgesamt unser Auftritt gut ankam. Das freut uns beide natürlich total! Genau aus diesem Grund wollten wir auf die Bühne!

Japaniac: Ich denke auch, dass der Spaß und die Liebe zum Projekt beim Cosplay sehr ausschlaggebend sein müssen für ein tolles Ergebnis!
Ich bin mir sicher, ihr wart ein Hingucker! Nun kommen wir schon langsam, aber sicher zum Schluss: Chikako, wie würdest du dein Leben als Cosplayer in einem Satz beschreiben?

Chikako: Kurz und knackig: Cosplayer aus Leidenschaft!

Japaniac: Das ist tatsächlich sehr knackig! Und, wie ich finde, sehr passend!
Ich bedanke mich sehr für das tolle Interview, ich hatte unheimlich viel Spaß und im Namen von Japaniac wünsche ich dir noch viel Erfolg und viel Freude bei all deinen zukünftigen Cosplays!

Chikako: Vielen Dank für das Interview, es war sehr unterhaltsam! Euch ebenfalls für alles Weitere viel Erfolg!

Ich bin sehr beeindruckt. Es ist erstaunlich, welche Resultate entstehen können, wenn man es wirklich will! Wenn euch Chikako gefallen hat, so könnt ihr auch auf ihrer Seite herumstöbern! Aber auch die Fotografen theDevil, Chikara, Kazenary und Kimagure leisten ganz klar Spitzenarbeit! Danke für die tollen Bilder!

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Mein Name ist Katharina, und ich schreibe für gewöhnlich Manga-Rezensionen. Derzeit mache ich eine Ausbildung in einer Stadtbibliothek. Mangas haben mich immer fasziniert, in meiner Kindheit bis hin zu meinem Beruf. Sie brachten mir immer Magie, Faszination und großen Diskussionsstoff mit meiner besten Freundin. Neben den Mangas bin ich Instantnudel- und Espressovernichter mit Leidenschaft, ich zeichne gerne aber verbringe auch mal gern einen Nachmittag nur mit Serien.