Für viele wäre ein Job in der Anime-Industrie der Traumjob schlechthin. Doch die Realität sieht anders aus, viele Überstunden, nur wenige Ruhetage pro Monat, geschweige denn viel Urlaub.

Der Anime-Markt ist zwar ein millionenschweres Geschäft, dennoch erhalten Beteiligte wie Studios und Animatoren oft nur einen geringen Wert zurück. Die Produktionskosten können oft nicht vollständig zurückgeholt werden. Man nennt einen Job in der Anime-Industrie inzwischen deshalb auch „Schwarzes Labor”, was auf den geringen Lohn und die vielen Überstunden zurückzuführen ist. Darum fürchten Beteiligte auch, dass es irgendwann keine Zukunft mehr für diese Branche gibt.

NHK’s Close-Up Gendai+ hat am Mittwoch eine Folge gezeigt über die Schattenseiten der Anime-Industrie. Unter anderem haben Anime-Direktor Yasuhiro Irie, der für Anime wie Fullmetal Alchemist: Brotherhood und Code:Breaker zuständig war,  Naoki Atsumi von der Toray Corporate Business Research, Shinichi Taketa und Izumi Tanaka an der Folge teilgenommen.

In der Episode tauchte auch eine interessante Grafik auf. Hier repräsentiert der rote Balken die jährlichen Profite, die zwar steigen, jedoch repräsentieren die gelben Balken das Geld, welches das Studio am Ende bekommt. Der Rest bleibt beim Produktions-Komitee, da dieses auch Lizenzen, Merchandising und Co. verwaltet, von dessen Geld das Studio nichts zu sehen bekommt.

30 Minuten Animationen benötigen an die 3.000 Illustrationen, von denen die Illustratoren nur rund 1,70€ Euro pro Illustration bekommen. Im Schnitt schafft ein Illustrator maximal 20 Seiten pro Tag, was auf den Monat gerechnet ein Einkommen von maximal 1,020 € macht. Sofern der Illustrator keinerlei freie Tage hätte. Mit freien Tagen, kommt man natürlich auf deutlich weniger, da ein Illustrator maximal 34€ pro Tag verdient.

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Doch es geht noch schlimmer

Japan Animation Creators Association hat bereits 2015 berichtet, dass Animatoren im Schnitt 11 Stunden täglich arbeiten und nur vier Tage im Monat frei haben. 

Ein Animator, der inzwischen wegen arbeitsbedingten Depressionen seinem Job nicht mehr nachkommen kann, hat fleißig seine Zeiten notiert. Dieser sammelte in einem Monat über 100 Überstunden. Das nachfolgende Bild zeigt, dass er am 22. Mai um 11:30 Uhr mit der Arbeit begonnen hat und am 23. Mai um 5:10 Uhr aufgehört.

Mitsuhisa Ishikawa, Co-Gründer, CEO und Präsident von Production I.G meinte, dass die Anime-Industrie Leute benötigt, die Business-Skills haben und das System so umbauen könnten, dass es mit weniger miesen Zahlen ausgeht.

Polygon Pictures gehört laut dem Programm zu einem der besseren Studios, da dieses um 22 Uhr das Licht ausschaltet, um die Arbeiter dazu zu animieren, nach Hause zu gehen. Der 20-jährige Taiki Nishimura, der als Veteran unter den Technischen Direktoren gilt, berichtet, dass selbst er an mindestens zwei Anime arbeiten muss, auch wenn er sich gern auf einen konzentrieren würde. Mit einem Anime bekommt er aber nur rund 800€, was in Japan hinten und vorne nicht reicht, um alle monatlichen Kosten zu decken.

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» Die Anime-Industrie: Traumjob oder doch reine Illusion?

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Анна Горак
Gast
Анна Горак

Ich folge tadashi hiramatsu und einigen anderen auf twitter

Ein traumjob sieht glaube ich anders aus

Seda Cü
Gast
Seda Cü

Sandy

Miku Yuu
Gast
Miku Yuu

Kenne einen der war bei Ghibli. Der kam kaputt und mit grauen Haaren raus.

DAS ist die Realität.

Phongphorn Phalatthadet
Gast
Phongphorn Phalatthadet

Und dann sagen die „Fans“, wozu sie Geld ausgeben sollen, wenn sie gratis streamen können ._.

Shelly Bucks
Gast
Shelly Bucks

Wer das als Traumjob sieht, hat wohl eine Rosarote Brille auf… Das die Zustände da grausam sind, weiß man schon seit Jahren… Fällt einer weg, steht der nächste in den Startlöchern. Jeder ist ersetzbar…