Das typische Klassenzimmer einer japanischen Grundschule. © Douglas P Perkins

Vielen fällt gewiss spontan das ein oder andere Detail zum Schulleben in Japan ein. So verbinden Anime- und Mangafans damit beispielsweise die Schuluniform, die im entsprechenden Genre ein zentrales Merkmal der äußeren Erscheinung eines Charakters darstellt. Doch wie ist eigentlich das japanische Schulsystem beschaffen? Müssen japanische Kinder wirklich vergleichsweise überdurchschnittlich viel Zeit in die Schule investieren? Antworten auf Fragen dieser Art findet ihr in diesem Artikel.

Das japanische Schulwesen wird, als Folge der Reformation nach dem zweiten Weltkrieg, als 6-3-3-4 System bezeichnet, welches nach der Anzahl Jahre, die in den jeweiligen Schulen verbracht werden, benannt ist. Zu jenen Schulen gehören Grundschule, Mittelstufe, Oberstufe und Universität, in denen jeweils sechs, drei, nochmal drei und vier Jahre gelernt werden.

Allgemeines

Der Besuch der Vorschule, in Japan unter mishuugaku (未就学) bekannt, wird im 6-3-3-4 System aufgrund seiner Freiwilligkeit und der Kostenverbundenheit in der Benennung nicht mitaufgeführt. Dennoch besuchen beinahe 90% der Kinder eine der beiden Vorschulvarianten: youchien (幼稚園) oder hoikuen (保育園).  Youchien entspricht dem westlichen Kindergarten und steht dementsprechend Kindern ab drei Jahren offen, die in dieser Institution anfangen, Hiragana, eins der japanischen Silbenalphabete, zu lernen. Hoikuen ist hingegen eher als Kinderkrippe aufzufassen, da dort bereits Kinder ab drei Monaten aufgenommen werden.

In allen Schulen gehört die Schuluniform zur Kleiderordnung, auf deren Sauberkeit ebenso viel Wert gelegt wird wie auf die der Schule im Gesamten. Für die Reinigung des Gebäudes sorgt jedoch für gewöhnlich kein Hausmeister, sondern Schüler und Lehrer selbst, welche die Aufgaben unter sich aufteilen. Dass den Kindern und Jugendlichen viel Eigenverantwortung übertragen wird, zeigt sich auch an der Tatsache, dass nur wenig Vertretungslehrer eingesetzt werden. Sollte ein Lehrer krank werden, erwartet man von den Kindern, dass sie sich in Eigenregie den Unterrichtsstoff aneignen.

Für gewöhnlich ist das Tragen einer Schuluniform vorgeschrieben. © Jim Epler auf flickr

Das Anspruchsvolle an diesem Bildungssystem ist unter anderem daran erkennbar, dass sich das Wochenende bis zum Jahre 1992 für Schüler lediglich auf den Sonntag erstreckte, da für Samstag noch Schulpflicht bestand. Auch wenn die Regierung schließlich die Entscheidung traf, den Schülern etwas mehr Freizeit zu gönnen, findet auch heute noch in manchen Schulen samstags Unterricht statt, wenn auch häufig nur einmal im Monat.

Den Fakten nach zu urteilen, ist dieses Bildungssystem, möglicherweise gerade auch aufgrund der Strenge, vor allem in der Breite von langfristigem Erfolg gekrönt. Dieser äußert  sich vor allem darin, dass in Japan nahezu kein Analphabetismus besteht und beinahe 100% der Jugendlichen die Schulpflicht tatsächlich erfüllen.

Grundschule – shougakkou (小学校)

Mit der Grundschule beginnt für japanische Kinder die Schulpflicht. All diejenigen, die vor dem 1. April, welcher den offiziellen Beginn von Schuljahren darstellt, sechs Jahre alt werden, besuchen für gewöhnlich die am nächsten am Wohnort gelegene öffentliche Grundschule. Der Anteil privater Grundschulen beträgt in Japan nur etwa 1%.

Dem Lehrplan zufolge kennen Schüler nach dem Abschluss der Grundschule 1006 Kanji, die pro Schuljahr in 80, 160, 200, 200, 185 und 181 Kanji portioniert werden. Diese werden als kyouiku kanji (教育漢字) oder gakushuu kanji (学習漢字) bezeichnet.

In vielen „School Life“ Animes spiegelt die Kirschblüte den Beginn des Schuljahres wider. © Kimi ni Todoke, Production I.G

Mittelstufechuugakkou (中学校)

Um eine hoch angesehene Mittelschule besuchen zu können, ist das Bestehen einer Aufnahmeprüfung notwendig. Allerdings gibt es, wie im Falle der Grundschulen, nur wenige private Institutionen dieser Art. In der Mittelstufe wird die Größe der Klassen möglichst unter 40 Schülern gehalten, was für unsere Ohren vielleicht bereits zu umfangreich ist, aber für Japaner Normalität darstellt. Schließlich waren auch schon Klassen mit 50 Schülern Gang und Gebe.

Mit dem Abschluss der Mittelstufe, was in Deutschland der 9. Klasse  entspricht, endet die Schulpflicht. Die Jugendlichen sind dann etwa 15 Jahre alt und haben mit durchschnittlich sechs Zeitstunden einen sehr anstrengenden Schulalltag hinter sich. Der gewöhnliche Schultag eines japanischen Schülers gehört mit zu den längsten auf der Welt, dabei sind nach diesen sechs Stunden die Jugendlichen meist noch nicht einmal in die „Freiheit“ entlassen, sondern in weitere Schulaktivitäten eingebunden. Allerdings stehen immerhin, wie in der Grundschule auch, generell die Textbücher zur kostenfreien Verfügung, was aber gewiss von den wenigsten hier als Trost angesehen würde.

Oberstufekoutougakkou (高等学校)

Auch wenn die Oberschule nicht mehr Teil der Schulpflicht ist, besuchen sie 97% aller Jugendlichen. Die Freiwilligkeit des Besuchs spiegelt sich unter anderem in den Aufnahmeprüfungen und dem Schulgeld wieder, deren Umfang und Höhe von Schule zu Schule sowie von Ort zu Ort variieren, wobei selbstverständlich auch das Ansehen eine Rolle spielt. Der Anteil der Schüler, die eine private Institution besuchen, steigt in der Oberstufe auf ein Viertel an.

Die Beliebtheit der Oberstufe lässt sich insbesondere dadurch erklären, dass der Abschluss einer entsprechenden Schule Bedingung für die Aufnahme in eine Universität darstellt. Dieser Abschluss erfolgt aber im Allgemeinen, im Gegensatz zum Abitur in Deutschland, nicht in Form einer Prüfung.

Auszeiten sind, gerade für Oberstufenschüler/innen, dringend notwendig. © MIKI Yoshihito auf flickr

Universitätdaigaku (大学)

Auch wenn die Anzahl der Schüler, die eine Universität besuchen wollen, in den letzten Jahren gestiegen ist und bei über 50% liegt, gestaltet sich der Eintritt in eine Universität nicht gerade einfach. Die Aufnahmeprüfung weist vor allem bei renommierten Universitäten einen hohen Schwierigkeitsgrad auf, weshalb die Oberstufenabsolventen sehr viel Zeit und Mühe auf die Vorbereitung dafür verwenden.

Gelingt es einem jedoch, die Universitätsausbildung erfolgreich abzuschließen, stehen einem beruflich alle Wege offen. Besagte Universitätsausbildung kann auf zwei Arten erfolgen: Entweder man studiert vier Jahre lang und erreicht den Bachelor-Abschluss, wonach man mit dem Master-Studium oder gar der Promotion weitermachen kann, oder man wählt die kürzere Möglichkeit, bei der man nur zwei Jahre an der Universität lernt. Letztere Möglichkeit ist vor allem bei japanischen Frauen beliebt, die aufgrund des Wunsches der Familiengründung nicht lange auf dem Arbeitsmarkt bleiben wollen.

 

Ich bin eine 22 Jahre alte japan- und sprachbegeisterte Germanistikstudentin, die für's Artikelschreiben und -korrigieren zuständig ist. In meiner Freizeit verschlinge ich Bücher, widme mich dem Japanischlernen und bin nicht zuletzt hin und wieder für eine Runde Computer- und Brettspiele zu haben. Übrigens: Ich hasse Käse.
  • Mohammad Gh
    Florent Cakaj

  • EdenOfTheEast

    können die nicht auch nicht sitzenbleiben -> stattdessen Sommerschule in den Ferien zur wiederhohlung…

  • Sareno

    Dieses hohe Maß an Eigenverantwortung finde ich sehr gut. Wenn man die Wahl hat, wie und wann man lernt/arbeitet ist man glatt doppelt motiviert – so habe ich zumindest die Erfahrung gemacht. Der Übergang von Schule auf Uni(Hochschule) war extrem befreiend.

    Wenn man dann zurückdenkt, merkt man erst wirklich wieviel Zeit man doch sinnlos verschwendet hat. Also je früher desto besser. (Lernen =/= kein Spaß)

    – Lediglich etwas mehr Freizeit wäre nicht schlecht.

    – Schuluniform TOP… Finde ich ebenfalls sehr gut.

    80/100 Punkten für Schulpolitik der Japaner.

  • Ich wünschte in Deutschland gebe es so ein Schulsystem. Und Schulkleidung!

    • Hä alter ?? Wem gefällt es vorgeschrieben zu bekommen was man anziehn soll O.o xD

    • Patrick Den leuten die kaum geld haben. Kinder in einem bestimmten Alter haben noch kein gefühl für Moral und solidarität. Andersartige werden gehänselt. Durch eine allgemeine schulkleidung wird das unterbunden. Das hat sich schon oft gezeigt

    • Patrick Szczegielniak Yo Type kannste auch normal schreiben? Weißte voll Krass da gibt es dann keinen Streit um Fette Markenklamottes. Und volle die weiteren Forteiles.

    • Zeptikus Maximus Richtig nicht nur das, es hat ja mehrere Vorteile eine einheitliche Kleidung zu tragen. Später in vielen Berufen muss man ja auch vom Betrieb vorgeschriebene Kleidung tragen. Das Wir-Gefühl steigt, wenn Schüler sich als Teil einer Schulgemeinschaft fühlen. Der Schulzusammenhalt wird durch Schulkleidung gefördert. Die Integration von Neuzugängen wird unterstützt. Das soziale Klima in der Schule wird verbessert.
      Öffentlichkeitsarbeit wirkt sich positiv auf den Ruf der eigenen Schule aus. die Lernsituation innerhalb einer Lerngruppe wird ruhiger. Die Schüler sind nicht abgelenkt durch Wettbewerbe untereinander und die Selbstdarstellung durch Mode. die Schüler sind morgens schneller gekleidet, sie müssen sich keine Gedanken über ihr Outfit machen. Schüler präsentieren mit ihrer Garderobe den Ruf der Schule. Sollte denke als Pro reichen.

    • Carsten Hotzel erst mal deine anspielung auf mein alter zeigt schon ma wie gering dein IQ is

      Zeptikus Maximus du hast dir ein schönes eigentor geschossen was du feüher alles blöde gemacht und gemobt hast hahaha xD

      Und mir egal ob damit mobbing unterbunden wird ich zieh das an was mir gefällt is mein leben und meim körper ^^

    • Patrick ja logisch alter. ich war schon n richtiger wichser, klar ^^ aber das sind halt kinder ne… weißt ja wie wir waren früher..

    • Ich hatte erfahrung mit Schulklamoten in Thailand. Ich weiss nicht wie in Japan ist, aber in Thailand muss man die Kleider selber kaufen/bezahlen. Wer aber Arm ist, muss alte kleider von vor Jahr oder von Geschwistern anziehen. Auch da sieht man wer arm ist und auch da wird gehänselt. Es muss nicht Marken kleider sein.

    • Wird in Japan denk ich ma nich anders sein ^^ mobbing hat nix mit klamotten zu tun wer so denkt is wie oben zu sehn nicht die größte Leuchte

    • Und noch etwas. Jeder Schule hat eigenen Schulkleider. Wie im Magas und Anime bekriegen sie sich im echten Leben. In Mangas werden die „anderen“ verprügeln. In Thailand werden sie getötet. Ihre Trophäe, Gürtelschnallen von Rivalen.

    • Patrick Szczegielniak Du kannst ja doch normal schreiben. Hätte ich nicht erwartet. Ich habe keine Anspielung auf dein Alter gemacht. Los geh spielen. Und lass die Erwachsenen weiter Diskutieren.o das war eine Anspielung auf dein Alter. 😀 Aber wie kann jemand wie du das auch nur ansatzweise jemals verstehen können. Und mit Beleidigen hast du dich vollends Disqualifiziert Armer kleiner Gangster. Oh und ich hoffe ich habe nicht zu viele dir unbekannte Wörter benutzt.

    • Oh, doch. In der heutigen Zeit hat Mobbing ganz viel mit Klamotten zu tun. Als eine Schülerin des achten Jahrgangens, kann ich bestätigen das in meiner Klasse Kinder gemobbt werden wegen ihrer Klamotten.

    • Ein Interessanter Kindergarten der sich hier bildet ^^
      Ich denke das die Kleidung allein kein mobbing verhindern kann (siehe Patrick) aber vielleicht mildern
      Ich weiß es nicht , ich denke das liegt auch mit an der anerzogenen Toleranz anderen menschen und/oder kulturen gegenüber zusammen

    • Dann soll aber bitte nicht diese Art von Druck hier her gebracht werden.
      Sonst springen uns alle paar Monate Kinder von dem schuldach weil sie keine 1 geschrieben haben. In Japan und China beginnt es schon bei den Kindern mit dem Selbstmord wegen dem Druck der da herrscht.

  • Lara Latos