Image: KOKORO NO SHASHIN

Dies ist wohl das bekannteste Markenzeichen der japanischen Religion, des Shintô. Man sieht es in Tempeln, um Bäume gewickelt und in Ise verbindet es sogar zwei Felsen. DasGötterseil (Shimenawa) und die Shide daran sind das Symbol für die Präsenz einer Gottheit (kami). Doch was soll das Götterseil genau bewirken, und was hat es mit demShide auf sich?

Das Götterseil

Das Götterseil ist ein aus Reisstroh geschlagenes Tau, welches oft an Eingängen zu Tempeln hängt. Die Bedeutung lässt sich aus einer Sage um die Sonnengöttin Amaterasu herleiten. Hier eine Zusammenfassung der Sage:

Amaterasus Bruder Susanoo ist eine böse Gottheit. Grund dafür ist die Vielzahl seiner Gräueltagen. Eines Tages tötete Susanoo ein Pferd und legte den Kadaver in die heilige Webhalle, in der Amaterasu zu der Zeit gewebt hatte. Weiterhin tötete er eine ihrer Dienerinnen. Amaterasu war davon tief enttäuscht und schloss sich in eine Höhle ein, indem sie den Eingang mit einem Felsen verdeckte. Da Amaterasu der Welt den Sonnenschein brachte, war die Welt nun in Finsternis gehüllt.

Die anderen Gottheiten wollten sie wieder herauslocken, damit der Sonnenschein zurückkehrte. Deshalb veranstalteten sie ein Fest und lachten erheitert vor der Höhle. Amaterasu war daraufhin neugierig, da sie der Meinung war, dass ohne ihr Licht keine Freude entstehen konnte, und schob den Felsen weg. Die Götter hingen vorher einen Bronzespiegel an einem Baum auf, in dem Amaterasu nun zum ersten Mal ihr Abbild betrachtete. Von ihrem Spiegelbild abgelenkt, konnte sie von einer Gottheit festgehalten werden, während eine andere ein Shimenawa mit Shide vor den Höhleneingang spannte. Nun konnte Amaterasu nicht mehr in die Höhle zurückkehren und die Welt wurde wieder erhellt. (vollständige Geschichte)

Das Götterseil hält also ursprünglich Götter ab. Es dient als eine Art Barriere. Wenn einGötterseil um einen Baum oder andere Objekte gebunden wird, kann es auch dieAnwesenheit einer Gottheit andeuten. Im Shintô leben Gottheiten oft in Objekten. Eine genaue Zahl zu den Gottheiten ist unbekannt, da es abertausende sind. Oft haben Dörfer eine oder mehr Gottheiten für Agrarwesen, Totenwache und mehr.

Heutzutage ist ein Götterseil nicht mehr dem Shintô vorbehalten. Bei der Ring-Einführungszeremonie im Sûmo trägt der Yokuzuna, der ranghöchste Sûmo-Ringer, den es gibt, ein Götterseil mit Shide um den Körper. Auch im Nô- und Kabuki-Theater kann diese Kombination als Dekoration dienen. Privatpersonen sollten diese Form der Dekoration aber nicht verwenden, da es mit Blasphemie gleichzusetzen ist. Ausnahme ist der hauseigene Altar.

Oft wird empfohlen, das Papier erst einmal zu falten, damit das Shide dicker wirkt.

Shide, die Zickzack-Streifen aus Papier

Shide sind in Zickzack-Form gefaltete Papierstreifen. Sie haben eine lange Geschichte im Shintô. Auch heute noch verwenden Tempelpriester dieser Religion zwei Shide, an einem Holzstab befestigt (Gohei), für ihre Reinigungszeremonien. Weiterhin werden sie für dieVertreibung böser Geister verwendet. Ob der westliche Vergleich mit dem Besen der Hexe, der Geister wegkehrt, nun richtig ist, darüber lässt sich streiten. Es ist nicht bekannt, wann genau und woher die Shide kommen. Sollten Shide allein an der Wand hängen, so dienen sie als bloßer Schutz vor negativen Dingen.

Üblich werden Shide in 2, 4 oder 8 Zacken gefaltet. Dabei gibt es regional bedingt unterschiedliche Faltweisen. Die bekanntesten Varianten sind der Ise-Stil, welcher im berühmten Ise-Schrein verwendet wird, der Yoshida- und der Shirakawa-Stil. Früher wurdenShide nur von Tempelpriestern mit hochwertigem Papier oder Stoff, der aus den Fasern der Borke von Papiermaulbeerbäumen stammte, gefaltet. Heute darf diese Shide jeder für seinen Hausaltar falten.

Shide falten

Yoshida-Stil

Shide zu falten ist relativ einfach. Das Wichtigste ist die richtige Messung der Schnittstellen. Man nehme ein Papier. Dabei ist die Größe und Ausrichtung eigentlich egal. Dann unterteilt man es in 4 gleichgroße Spalten bei Hochformat oder 6 gleichgroße Spalten im Querformat.Die Schnittstellen sollten abwechselnd von oben und unten beginnen. Die Schnittlänge sollte dabei 2/3 des Blattes ausmachen (s. Bild).

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Wenn alle Spalten korrekt geschnitten wurden, kann man schon losfalten. Zunächst wird der linke Streifen bis zum Ende des Schnitts gefaltet. Danach wird der nächste Streifen, zusammen mit dem ersten, auf die gegenüberliegende Seite gefaltet. Dies macht man solange, bis alle Spalten gefaltet wurden. Man muss beachten, dass die Streifen immer in dieselbe Richtung gefaltet werden. Es ist korrekt, wenn Rechtecke versetzt von einander als Muster zu erkennen sind. Fertig ist das Shide im Yoshida-Stil.

Shirakawa-Stil

Dies ist fast wie der Yoshida-Stil. Der einzige Unterschied ist, dass die Streifen abwechselnd nach hinten und dann nach vorn gefaltet werden, sodass ein Muster von Rechtecken undQuadraten entsteht.

Ise-Stil

Für den Ise-Stil muss man ein Blatt in drei gleichgroße Spalten unterteilen und wie beim Yoshida-Stil die beiden Schnittlinien von derselben Seite aus 2/3 in das Blatt schneiden. Danach muss der Mittelstreifen nur in die eine Seite und die beiden anderen Spalten in dieandere Seite gefaltet werden. Das war’s schon.

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Ehemals studierte ich Japanologie und Sinologie in Frankfurt. Mittlerweile bin ich im (Online-)Marketing international aktiv und leite den Japan-Bereich der EpicCon (epiccon.de). Japaniac startete als Hobby, um meine Zuneigung zur japanischen Kultur auszuleben. Dabei werde ich von Gleichgesinnten unterstützt!

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