Während der DoKoMi wurde Japaniac zu einem Krimi-Dinner eingeladen. Hierbei las der Autor während eines japanischen Essens aus seinem Buch „Yoyogi Park“ vor und gab uns anschließend noch ein Interview. Diese Review zum Buch, die unsere neue Rubrik „Reviews“ beginnt, ist subjektiv geschrieben wurden, sodass man sich letztendlich eine eigene Meinung zum Buch bilden sollte.

Krimis spielen heutzutage eher in den USA oder anderen westlichen Ländern. Selten ist in Deutschland erschienenen Büchern der Handlungsort in China oder Indien angesiedelt. Das Buch „Yoyogi Park“ setzt sich somit ein Stück weit ab, da es in Japan, genauer gesagt Tokyo, spielt. Der Titel des Buches entspricht dem des öffentlichen Parks im Bezirk Shibuya in Tokyo. Dieser Krimi ist als Serie angelegt und nach Jahreszeiten sortiert. „Yoyogi Park“ setzt im Frühling an, womit noch drei weitere Teile erscheinen werden.

Aufgrund der neuen Richtung, der sich der Conbook-Verlag mit seinen Länderkrimis verschrieben hat, konnte auch Japan als Handlungsort in Deutschland wieder Fuß fassen. Der Autor, Andreas Neuenkirchendurfte somit seinen Japan-Krimi veröffentlichen lassen.

Der 352-seitige Krimi, der seit April im Handel ist, zeigt schon auf dem Einband, worum es geht. Ein blutbefleckter Origami-Schwan auf einem an den Grunge-Stil erinnernden Hintergrund lässt sofort an Japan denken. Spiele-Fans, die das PlayStation 3-Spiel „Heavy Rain“ kennen, müssen da wohl sofort an den Origami-Mörder denken. Tatsächlich kam diese Verbindung nur durch Zufall zustande, wie der Autor mir versicherte. Doch zeigt dieses Papierkunstwerk auf dem Einband genau, worum es geht: Japan, Mord und ‚Vielfalt‘.(Verstanden? Origami … Falten … Egal.)

Handlung

Fünf Leichen in drei Tagen, eine Metropole voller Glanz und Gift – und ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit

Frühling in Tokio: Im Yoyogi Park nimmt das jährliche Kirschblütenfest ein jähes Ende – die Leiche einer jungen Frau wird gefunden. Es ist der erste große Fall für Inspektorin Yuka Sato und ihr Team. Schnell stellt sich heraus, dass der Mord Teil eines größeren, weitaus dunkleren Geheimnisses ist. Eine tote Familie auf einem Dachboden, ein scheinbarer Selbstmord in einem Wohnheim, ein Internet-Forum für jugendliche Ausreißer, eine mäßig erfolgreiche Fernsehserie und eine hoffnungsvolle junge Schauspielerin sind Teile eines Puzzles, das Sato schnell zusammensetzen muss. Denn weitere Leben stehen auf dem Spiel – auch ihr eigenes.

Die junge Polizistin ermittelt in Tokios bunten und bizarren Subkulturen von Harajuku und Akihabara, in den glänzenden Wolkenkratzern und namenlosen Nebengassen des Business- und Vergnügungsviertels Shinjuku sowie in den trügerisch verschlafenen Vororten am Rande der Mega-City. Doch letztlich führen alle Wege zurück an den Ort, an dem alles begonnen hat. Im Yoyogi Park liegt der Schlüssel zu einem grausamen Geheimnis.

Yoyogi Park nimmt Sie mit in das moderne Tokio mit all seinen Verlockungen und Gefahren, seiner Pracht und seinen Abgründen. 35 Millionen Einwohner. Einer ist der Mörder. Und sein nächstes Opfer kennt er bereits. (Leseprobe als PDF)

Auch interessant:
Review zu Atelier of Witch Hat Band 1
Yoyogi-Park

Meinung

Während der ersten gelesenen Seiten viel mir der Schreibstil auf. Dieser wirkt anfangs doch eher hochgegriffen und hölzern, da ich an den einfachen Schreibstil von Dan Brown und anderen US-amerikanischen Autoren gewöhnt war. Doch mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und fand, dass dieser dem Charakter Japans doch nahe kam. Immerhin ist die deutsche Kultur sehr weit von der japanischen entfernt, wodurch auch der Schreibstil angepasst werden sollte. Allerdings wird somit eher das erwachsene Publikum angesprochen. Bei einem Mord-Krimi natürlich verständlich.

Auch ist das Buch nur bedingt für die Allgemeinheit geeignet.

Das Buch erwartet eine gewisse Kenntnis über Japan. Themen wie Cosplay, Lolitas und Maid-Cafés sind nur einige, die man ohne Japan-Kenntnisse nicht kennen kann. Zwar ist am Ende des Buchs ein Glossar, also eine Liste von Begriffserklärungen, vorhanden, doch wird man am Anfang nicht darauf aufmerksam gemacht, weshalb ich dieses erst nach Beendigung des Lesens entdeckt habe. Wer weiß, ob es auch bereits Leser gab, die noch immer nichts davon wissen. Auch das Nachschlagen von Begriffen finde ich mühsam, wodurch auch der Lesefluss gestört wird. Deshalb sollte man schon in Kontakt mit japanischen Themen gekommen sein. Sei es durch Anime, Manga oder andere Hobbys. Dies erleichtert das Lesen ungemein und hebt euch die Handlung an.

Sollte man Vorwissen besitzen, ist die Handlung sehr interessant und auch die japanische Perspektive auf Dinge wie Cosplay und Co. ist etwas Neues. Auch lernen Japan-Fans bestimmt das ein oder andere Neue über Japan, da tatsächlich die urbane Kultur widergespiegelt wird, die in Anime uvm. stark verzerrt nach Europa kommt. Immerhin sind ein Harem oder eine Superkraft im wahren Leben doch eher selten anzutreffen.

Das Buch gibt es für 12,95€ auf Amazon.

Über den Autor

Andreas Neuenkirchen wurde 1969 in Bremen geboren und lebt zurzeit mit seiner japanischen Frau in München.  Als freier Journalist arbeitet er seit 1993 und war anfangs im Feuilleton Bremer Tageszeitungen und Stadtmagazine, später als Redakteur bei Videospiele- und Technikmagazinen dabei. Während einer Geschäftsreise 1999 kam er in Kontakt mit Japan und reist seitdem mehrmals im Jahr dorthin. Im Interview erzählte er uns, dass seine Frau als geborene Japanerin eigentlich einen typisch deutschen Mann mit allen Klischees erwartet hat: laut, Fleischesser und Fußball-Fan. Auf Andreas Neuenkirchen jedoch trifft nichts davon zu. Doch auch Herr Neuenkirchen hat einige Irrtümer erlebt. Im Gespräch erzählte er mir von Verzerrungen der japanischen Kultur, die wir in Deutschland erleben.

Der zweite Teil der Krimi-Reihe mit dem Schwerpunkt Japan wird für den Frühling 2015 erwartet. Auch zu diesem Buch werden wir bestimmt eine Review schreiben. Vielen Dank noch mal an den Conbook-Verlag für die Gelegenheit zum Interview mit dem Autor.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamtwertung
avatar
2000

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.