Vor gut einem Jahr bin ich bei einem Krimi-Dinner dem Autoren Andreas Neuenkirchen begegnet, der damals sein Buch „Yoyogi Park“ vorgestellt hat. Seit dem 1. März 2015 gibt es sein Nachfolgewerk „Roppongi Ripper“ zu kaufen. Auch dieses durfte ich für Japaniac unter die Lupe nehmen.

Beim Review zum ersten Buch gab ich eine Wertung von 4,5/5 Sternen, da es einige gute Punkte bot, aber in manchen Kategorien doch nicht überzeugen konnte. Bei der Fortsetzung war ich ehrlich gesagt positiv überrascht. Hier wurden einige der Punkte beherzigt, die ich damals angekreidet habe.

Das Buch „Roppongi Ripper“ gilt als Japan-Krimi und ist besonders für Japan-Fans interessant, da man ab und zu japanische Begriffe aufschnappt, die man nicht mal in einem Lernkurs immer bekommt. Das liegt daran, dass der Autor viel Erfahrung mit der Kultur Japans hat. Bei seinen Recherche-Reisen schnappt er einiges auf, was er dann in seine Bücher einflechtet.

Deshalb können auch jene, die nie in Japan waren, etwas von der authentischen Kultur im Buch erleben. Der Conbook-Verlag, der mit Herrn Neuenkirchen zusammenarbeitet, legt derzeit viel Wert auf seine Länder-Krimis, die von verschiedenen Autoren geliefert werden. So auch die Reihe über Japan mit der Polizistin Yuka Sato.

Der Krimi mit 343 Seiten lehnt sich am grafischen Stil des Vorgängers an. Mit Grunge-Stil als Hintergrund und einem blutbefleckten Objekt (hier ein Katana) im Vordergrund bleibt sich der Conbook-Verlag bei dieser Krimi-Serie treu.

Handlung

Nachdem Yuka Sato den Mordfall des Yoyogi Parks aufgeklärt hat, bekommt sie mehr Anerkennung als Frau im Dienst. Das kommt gerade richtig, da im Roppongi-Viertel in Tokio in einem brachialen Mordfall ermittelt wird. Da auch ihre gute Freundin Sam darin verwickelt ist, übernimmt sie den Fall und macht sich auf die Suche nach dem Roppongi Ripper. Während ihrer Ermittlung besucht sie dubiose Menschen und Orte und entdeckt einige Geheimnisse. (Hier geht’s zur Leseprobe->)

Meinung

Anders als beim ersten Krimi wird hier nicht wirklich Vorwissen erwartet. Der Autor erklärt spielerisch die Gewohnheiten und charakteristischen Details Tokios/Japans, ohne dabei zum Sachbuch zu werden. Dies ist natürlich besonders gut für Menschen, die Japan besser kennenlernen wollen, aber ohne dafür Fachlektüre lesen zu müssen.

Auch dieses Buch wäre eher etwas für Erwachsene. Nicht nur wird brachiale Gewalt bildhaft beschrieben, sondern auch zwielichtige Personen und Orte beleuchtet, die ein Jugendlicher nicht wirklich kennen sollte. Auch der Sprachstil ist eher gehoben und wirkt anfangs anstrengend. Nach den ersten 10 bis 30 Seiten gewöhnt man sich jedoch daran.

Eine Sache, die scheinbar viele erwähnen, ist, dass aufgrund der japanischen Charaktere und deren schwierig auszusprechenden Namen alles etwas verwirrend ist. Plötzlich taucht dieser Name auf und der nächste klingt eventuell so ähnlich, sodass man die Charaktere verwechselt. Manchmal fühlt man sich wie bei Game of Thrones mit all den Charakteren und Namen. Dafür gibt es aber vor Beginn noch eine Charakterübersicht mit Namen und Erklärungen. Diese ist für einige sicher hilfreich.

Auch wer sich die ganzen japanischen Namen und Wortteile nicht merken kann, die im Text erwähnt und erklärt werden, der hat am Ende des Buches eine Übersicht der vorgekommenen Begrifflichkeiten mit Erklärungen. Sehr rücksichtsvoll für Nicht-Otakus.

Die Handlung an sich ist ehrlich gesagt noch interessanter als beim ersten Buch, weil man nun die Charakter-Vorstellung bereits hinter sich hat und auf damalige Geschehnisse verweisen kann. Dadurch bekommt die Handlung mehr Tiefe und wirkt somit auch angenehmer. Man ist schon mit Charakteren warm geworden und kann sich nun viel mehr über deren Eigenheiten amüsieren.

Tatsächlich enthält das Buch einige Stellen, an denen man schmunzeln oder gar kurz auflachen muss. Diese haben mir im ersten Buch gefehlt. Aber vielleicht weiß ich sie auch jetzt erst richtig zu schätzen.

Wer den ersten Band noch nicht gelesen hat, der kann das zwar gerne nachholen, aber das ist hier nicht nötig. Das Buch führt einen angenehm heran, sodass man auch das zweite Buch so lesen kann. Ich persönlich würde aber doch noch das erste Buch lesen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Das Buch gibt es für 12,95€ auf Amazon.

roppongi

Über den Autor

Andreas Neuenkirchen wurde 1969 in Bremen geboren und lebt zurzeit mit seiner japanischen Frau in München.  Als freier Journalist arbeitet er seit 1993 und war anfangs im Feuilleton Bremer Tageszeitungen und Stadtmagazine, später als Redakteur bei Videospiele- und Technikmagazinen dabei. Während einer Geschäftsreise 1999 kam er in Kontakt mit Japan und reist seitdem mehrmals im Jahr dorthin. Im Interview erzählte er uns, dass seine Frau als geborene Japanerin eigentlich einen typisch deutschen Mann mit allen Klischees erwartet hat: laut, Fleischesser und Fußball-Fan. Auf Andreas Neuenkirchen jedoch trifft nichts davon zu. Doch auch Herr Neuenkirchen hat einige Irrtümer erlebt. Im Gespräch erzählte er mir von Verzerrungen der japanischen Kultur, die wir in Deutschland erleben.

Überblick der Kriterien
Zusammenfassung
QUELLEConbook-Verlag
Ehemals studierte ich Japanologie und Sinologie in Frankfurt. Mittlerweile bin ich im (Online-)Marketing international aktiv und leite den Japan-Bereich der EpicCon (epiccon.de). Japaniac startete als Hobby, um meine Zuneigung zur japanischen Kultur auszuleben. Dabei werde ich von Gleichgesinnten unterstützt!