In mehr als ein dutzend Ländern der Welt findet derzeit ein Umdenken im Bezug zur Legalisierung von Cannabis statt. Wir haben uns deshalb gefragt, wie wohl der Stand hierzu in Japan ist und ob es Anzeichen für Veränderungen gibt.

Vorweg möchten wir darauf hinweisen, dass wir in keinster Weise den Konsum illegaler Substanzen unterstützen. Dieser Artikel soll nur den rechtlichen Stand Japans umfassen.

Japan galt seit Jahrhunderten als Außenseiter, der wenig mit der westlichen Welt gemein hatte. Also wäre es auch nicht ganz falsch zu erwarten, dass Japans Meinung zu Drogen in eine andere Richtung geht. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Japan gilt als eines der strengsten Länder, wenn es um Cannabis und Marihuana als Endprodukt geht. Nicht nur der Besitz wird mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug unter Strafe gestellt, sondern auch der Konsum, welcher selbst in Deutschland straffrei bleibt.

Seit 1948 ist Marihuana offiziell illegal in Japan. Dies hat auch mit dem Einfluss der USA zu tun, die die Inselnation nach dem zweiten Weltkrieg besetzt haben. Vor dieser Zeit galt die Pflanze unter den Japanern seit Jahrhunderten als Nutzpflanze für Hanffasern und Co. Selbst Samurai hatten vor 500 Jahren in ihren Rüstungen Hanftextilien verarbeitet. Doch der Rauschkonsum ist in der Geschichte Japans weniger dokumentiert.

Fun Fact: Interessant ist, dass sogar Nordkorea die Verwendung legalisiert hat.

Todgeweihter Mann hoffte auf Wirkung von Drogen

Auch im medizinischen Bereich ist Japan rigide und erlaubt weder die Erforschung von Cannabis und seiner Eigenschaften, noch die Verwendung bei Krebs-Patienten – eine Nutzung, die in Deutschland seit März 2017 verfügbar ist.

Ein gewisser Herr Masamitsu Yamamoto (58†) aus Tokyo litt an fortgeschrittenem Leberkrebs und hatte von der medizinischen Wirkung von Cannabis erfahren und sich beim Gesundheitsministerium darüber erkundigt. Er wollte seine Therapie mit der Droge ergänzen.

Doch seine Bitte wurde ihm abgeschlagen. Also hat Herr Yamamoto heimlich Cannabis bei sich zuhause angebaut. Daraufhin wurde er im Dezember 2015 festgenommen wegen Verdachts auf Drogenbesitzes. Vor Gericht sagte er aus, dass er bereits alle anderen medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft hatte und ihm nur noch Cannabis blieb. 2016 starb er an den Folgen seiner Krebserkrankung, während er auf seine Verurteilung aufgrund von Drogenbesitz wartete. Der Fall wurde daraufhin fallengelassen.

Auch interessant:
Erster Supermarkt nach Nuklearkatastrophe

Im Nachhinein hat der Fall zu einem Umdenken in der Gesellschaft im Bezug zu medizinischer Nutzung von Cannabis geführt. Nur stellt sich die Regierung bis heute dagegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird vom japanischen Gesundheitsministerium gerne als Beispiel genommen, da diese die medizinische Wirkung von Cannabis bei Krebsleiden nicht offiziell befürwortet.

Ist Hanf somit zu 100% verboten?

Hanf
© Unsplash/Esteban Lopez

Auch wenn die japanische Regierung rigoros gegen Cannabis vorgeht, so macht sie doch einige Ausnahmen. Nur Produkte, die kein THC (Tetrahydrocannabinol) enthalten, sind in der Regel legal. Das liegt an der berauschenden Wirkung des THC. Zu THC-freien Produkten gehören Dinge wie Kleidung aus Hanf und sogar Cannabisöl. Das Canabisöl kann in Deutschland ebenfalls legal erworben werden. Doch nicht auf der ganzen Welt ist dies erlaubt.

Tatsächlich ist Cannabisöl aufgrund des enthaltenen Cannabidiols und dem oftmals fehlenden THC für Japans alternde Gesellschaft ein boomender Markt. Das Öl wirkt entzündungshemmend und angstlösend und wird in der Gesellschaft positiv aufgenommen.

Nutzung und Akzeptanz in der Gesellschaft

Die Verwendung von Cannabisöl könnte ein erster Schritt zur Akzeptanz von Cannabis im medizinischen Bereich sein. Denn auch heute wird oftmals Cannabis als rein illegale Droge für Kriminelle wie die Yakuza betrachtet. Die Verwendung in anderen Bereichen könnte die Augen öffnen für medizinisch relevante Aspekte.

Trotz des medialen Fokus ist Cannabis als Droge in Japan weit weniger beliebt als man denkt. Die Inselnation scheint laut offiziellen Zahlen mehr dem Amphetamin verfallen zu sein. Amphetamin wird in Japan gerne von Yakuza genommen, ebenso wie von normalen Mitmenschen, die wach bleiben oder abnehmen wollen. Und das obwohl die beliebte Droge in Japan sogar zehnmal mehr kostet als in den USA. Auch Cannabis wird in Japan für mehr als 50€ pro Gramm verkauft, was zu dem geringen Konsum beiträgt.

Die eher geringe Nutzung von Cannabis sorgt wohl auch für den schwachen Druck auf die Regierung an dem Verbot etwas zu ändern. Selbst der Fall des Herrn Yamamoto dürfte nicht ausreichen, um die medizinische Forschung zu ermöglichen. Einzig die Olympischen Spiele 2020 könnten ein Wendepunkt sein, wenn abertausende Fans zu Gast sind, die ein ganz anderes Verständnis zu Drogen haben. Hier wird man sehen, wie die Justiz reagiert und ob die Regelung gelockert wird.

avatar
2000

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.