100 Jahre Anime

Der älteste Anime soll aus dem Jahre 1917 stammen, was bedeutet, dass dieses Jahr das 100-jährige Jubiläum gefeiert wird. Doch es gibt ein Problem:
Gleich drei Filme beanspruchen den Titel des allerersten Animationsfilms für sich …

Mitten im ersten Weltkrieg begann eine Filmkultur, die Millionen von Fans heutzutage verbindet: Der Anime. Wir möchten dieses Jubiläum mit einer kleinen Reise in die Vergangenheit feiern und die Anfänge näher beleuchten. Immerhin hat der Anime vieles beeinflusst. Freundschaften, Messekultur, Kostümkunst, TV-Landschaft und die interkontinentale Interessenkultur.

Drei sind zwei zu viel

100%zig ist nicht klar, ob der erste Anime 1917 entstand, doch gibt es keine handfesten Beweise dafür, dass bereits vorher Anime produziert wurden. Zunächst muss definiert werden, wann eine Animeproduktion als solche gelten darf. Bereits 1907 wurde wohl der Titel Katsudō Shashin auf 50 Frames aus Zelluloid gebannt. Jedoch ist eine Veröffentlichung nicht bekannt. Es handelt sich hier wohl also um eine Privaterstellung.

Forscher zählen jedoch bei der Geburt des Anime nur einen der Öffentlichkeit vorgestellten Anime als den ersten Animationsfilm. Das reicht jedoch noch nicht als Definition, denn 1912 wurde der Animationsfilm Les exploits de feu follet in Japans Kinos ausgestrahlt und zählt dennoch nicht als richtiger Anime. Der Grund? Er wurde nicht in Japan produziert. Der erste Anime musste also aus Japan stammen und öffentlich aufgeführt worden sein.

Somit bleiben noch drei Titel im Rennen, die tatsächlich aus Japan stammen und auch nachweislich aufgeführt worden. Das Problem ist nur das genaue Datum jeder Erstausstrahlung. Denn diese sind bei zwei von drei Filmen nicht genau bekannt.

Einzig Dekobō shingachō – Meian no shippai ist laut Quellen irgendwann im Februar 1917 entstanden und gilt somit als der erste Animationsfilm Japans, also der Vorgänger der allseits beliebten Anime von heute. Von da an ging alles ganz schnell. Insgesamt 20 kurze Animationsfilme wurden offiziell in diesem Jahr produziert und 1918 ging es genauso weiter.

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Ein Erdbeben zerstört Filmgeschichte

1923 kam für Japan das berühmte große Kantō-Erdbeben, das 105,385 Tode zu verzeichnen hatte. Eine weitere Tragödie ist der Schaden für die Filmgeschichte, die das Erdbeben verursachte. Denn viele Filme von 1917-1923 wurden zerstört und gerieten somit in Vergessenheit. Es gibt keinerlei Aufzeichnungen zu Animationsfilmen zwischen 1919 und 1923. Auch Filme von 1917 und 1918, die nachgewiesen werden konnten, hatten keine unversehrten Kopien mehr.

Der 2. Weltkrieg tut sein Übriges

Während Hitler gegen Europa kämpfte, spürte Japan die Rache der USA kennen. Dabei kam es zu massenhaften Schaden landesweit. Auch die Filmindustrie war wieder einmal betroffen. Geschätzt wird, dass durch das Erdbeben und den zweiten Weltkrieg so viel Filmgeschichte Japans zerstört wurde, dass wir heutzutage nur noch von 4% aller enstandenen Filme und Animationsfilme vor 1945 aus Japan wissen.


Trotz dieser Tiefschläge hat es die Animationskultur Japans geschafft sich weiterzuentwickeln. Heutzutage ist die Animeproduktion in ihrer Blütezeit und produziert Jahr für Jahr mehr Anime. Dies ist auch dem weltweiten Interesse an der besonderen Filmkunst aus Japan zu verdanken, die mit der westlichen Comic-Kultur konkurriert.

Wir sind froh, dass sich alles zum Guten gewendet hat und wünschen der Animationskultur eine lange und interessante Entwicklung.

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Ehemals studierte ich Japanologie und Sinologie in Frankfurt. Mittlerweile bin ich im (Online-)Marketing international aktiv und leite den Japan-Bereich der EpicCon (epiccon.de). Japaniac startete als Hobby, um meine Zuneigung zur japanischen Kultur auszuleben. Dabei werde ich von Gleichgesinnten unterstützt!

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6.Januar 2018- Anime – wortsonate
Christina Wink
Gast
Christina Wink

Es gibt einen Grund warum Osamu Tezuka in Japan als „Vater der Manga“ bezeichnet wird.